Urban Drive Style Uni MK Classic – E-Bike für den Auftritt im City-Café

Das Uni MK Classic ist schon ein Hingucker.  stern

Die Elektrofahrräder von Urban Drivestyle sind anders als fast alle anderen Räder mit E-Motoren. Sie sind überhaupt nicht vom klassischen Drahtesel aus gedacht, sondern begründen eine eigene Gattung. Man kann formulieren: Sie erinnern in vielem an ein kleines Elektromotorrad, welches so umgetrimmt wurde, dass es rechtlich als Pedelec durchgeht und Radwege benutzen darf und keine extra Versicherung benötigt. Motto: Soviel E-Moped wie möglich und nur so viel Fahrrad wie nötig.Der rechtliche Rahmen für ein Pedelec sieht so aus: Der Motor hilft nur bis 25 km/h, es besteht keine Helm- und Versicherungspflicht, das E-Rad darf überall fahren, wo Muskelräder auch hindürfen.

Kein klassisches Fahrrad

Wer das Urban Drivestyle Uni MK Classic vom Blickwinkel eines eingefleischten Radfahrers betrachtet, kann eine seitenlange Minus-Liste aufstellen. Oder er kann es sich leicht machen und sich mit einem für seine Zwecke geeigneteren E-Bike beschäftigen. Die Nachteile sollen nicht verschwiegen werden, aber zunächst zu den Dingen, mit denen das Bike punktet.

Am wichtigsten ist das Design. Das Rad sieht city-cool aus, wer es hässlich findet, muss nicht weiter lesen. Ins Auge fällt der große Frontscheinwerfer in der Form alter Motorräder. Dazu kommt die lange Sitzbank, die man wie beim Testbike geschehen noch weiter verlängern kann. Federgabel und Lenker sind sehr speziell. Der Lenker besteht anders als bei Fahrrädern aus zwei separaten Armen, die verschwenkt werden können.

Schick durch die City

Erster Eindruck: Hier wurde die Idee des „Café Racer“ für ein E-Rad adaptiert. Nicht um Straßenrennen zu fahren, sondern um den Auftritt im urbanen Ambiente zu genießen. Mit dem Rad fällt man auf und das sollte man auch lieben. Nicht nur der Scheinwerfer, das ganze Design des Rades ist aus einem Guss und überzeugt. Der Rahmen ist sauber gezeichnet und verleiht dem Fun-Fahrzeug eine unerwartet seriöse Statur. An der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern, das Rad wird übrigens in Berlin montiert. Die Anbauteile fühlen sich wertig an und wurden liebevoll ausgesucht. Schön auch, dass eine hydraulische Bremse von Tektro verbaut wurde.

Das ist keine High-End-Bremse aus dem MTB-Sport, aber ihr Druckpunkt fühlt sich doch bei Weitem besser an als bei den mechanischen Bremsen. Schutzbleche muss man extra ordern, dazu würden wir raten, wenn das Rad nicht ausschließlich bei Sonnenschein bewegt werden soll. Die dicken und grobstolligen Reifen von Kenda dürften einen sonst bei Regen mit Wasser und Schlamm vollspritzen.

Cruiser und kein Renner

Das Classic sieht also gut aus, aber wie fährt es sich? Angetrieben wird das Urban Drivestyle Uni MK Classic von einem Bafang-Nabenmotor. Nabenmotoren haben den Vorteil, dass die Kraft des Motors nicht über Kette und Schaltung wirkt und diese Bauteile also kaum belastet werden. Der Motor ist kein Technikwunder, reicht für das urbane Ambiente vollkommen aus. Der durchaus hörbare Motor treibt das Rad munter voran. Das störende Geräusch verursachen Zahnräder aus Kunststoff, eine geeignete Schmierung reduziert das Laufgeräusch deutlich. Durch die gut ausgewählte Tourney-Schaltung bleibt der Fahrer immer in einer angenehmen Trittfrequenz – auch in der Spitzengeschwindigkeit. Die Stärke der Unterstützung lässt sich in neun Stufen einstellen. Der Bafang-Motor ist grundsätzlich nicht besondres sensibel, aber hier ist er schon sehr gut eingestellt.

Ein Gasgriff ist übrigens nicht vorhanden. Steigungen wie bei Brücken meistert das Rad gut, fürs Gebirge taugt es nicht. Die Vorderradfederung und die extra breiten Kendareifen federn das Classic ganz gut ab. Die Breitreifen sollen angeblich Offroadfähigkeiten ermöglichen. Tatsächlich bewegen sie sich auf losen und nassen Grund ganz gut. Offroad heißt aber: Man kann den unebenen Rasen einer städtischen Grünanlage bezwingen. Es bedeutet allerdings nicht, dass man eine Enduro-Abfahrt lebend übersteht.

Lieber lässig als sportlich

Und das liegt vor allem an der „lässigen“ Haltung. Auf dem Classic lümmelt man auf der Bank, die Beine sind nach vorn gestreckt, um die Pedale zu erreichen, und das gleiche gilt für Arme und Lenker. Das sieht cool und gemütlich aus, doch in dieser Haltung hat man denkbar wenig Kontrolle über das Rad – technisch anspruchsvolles Fahren ist schlicht nicht möglich. Wieso? Das fängt damit an, dass der Fahrer tatsächlich auf dem Hintern sitzt und sein Gewicht nicht komplett auf Arme und/oder Beine verlagern kann. Mitlenken durch Gewichtsverlagerung ist nur eingeschränkt möglich. Die Kontrolle auf Lenker und Vorderrad ist so begrenzt wie bei einem Hollandrad.

Mit dem Uni MK Classic kann man durchaus akrobatische Kunststücke vorführen, wie man auf Videos sehen kann. Dann sind aber auch BTX-Künstler am Werk, die das Rad im Stehen auf den Pedalen bewegen. Dafür eignen sich auch die breiten Plattformpedale, auf denen die üblichen Spike-Noppen verschraubt sind. Wer keine Sprünge macht, sollte überlegen, die Noppen zu entfernen. Sie ruinieren zuverlässig alle Nylons und früher oder später hackt man sie sich tief in die Wade.

Das alles spricht nicht gegen das Uni MK Classic – solange man es zum Cruisen in der Stadt benutzt. Auf Strecken unter zehn Kilometern funktioniert das Rad prima. Mit der flachen Sitzposition finden die Füße beim Halt einen festen Stand, die dicken Reifen geben zusätzliche Sicherheit.

Die Bank ist nicht in der Höhe verstellbar. Die Stellung der Lenker kann etwas an die Größe des Rades angepasst werden, aber im Wesentlichen macht die Position auf der Bank den Unterschied, um noch Treten zu können. Kleinere Personen rutschen nach vorn, lange nach hinten. Mit einer Größe von 183 Zentimeter ist das Rad durchaus fahrbar. Die optimale Fahrergröße dürfte zwischen 170 und 180 Zentimetern liegen. Personen unter 165 oder über 185 sollten das Rad Probe fahren, bevor sie sich zum Kauf entscheiden. Auf der Bank können durchaus zwei Erwachsene sitzen, wenn beide nicht zu groß und mächtig ist. Dafür gibt es sogar sehr schicke Fußrasten. Doch in Deutschland ist das verboten. Bei uns dürfen nur Kinder bis sieben Jahren hinten mitgenommen werden. Kleinkinder können auf der Bank ohnehin nicht sitze.

Bitte nicht tragen!

Der Akku kann im Rahmen aufgeladen, aber auch entfernt werden. Wie üblich bei den Bafang-Systemen, muss man einen Schlüssel benutzen, um zwischen Fahr- und Lademodus zu wechseln. Das Classic ist mit 33 Kilogramm sehr schwer, das bedeutet, es muss ebenerdig abgestellt werden. Über Treppen ist es nur sehr mühsam zu transportieren. Die besondere Form und die breiten Reifen machen es auch unmöglich, dieses Rad mittels eines Fahrradträgers mit dem Auto zu transportieren.

Fazit

Mit dem Uni MK Classic kauft man einen Cruiser und Hingucker – beide Funktionen erfüllt das Classic perfekt. Dinge, die man mit sportlichem Fahrradfahren verbindet, darf man nicht erwarten. Der Preis von etwa 3000 Euro ohne Anbauextras ist gerechtfertigt. Wer das Besondere liebt, muss das Design auch bezahlen. Ein Interessent sollte nur darauf achten, dass die Sitzposition für ihn bequem ist und dass er so lebt, dass er das Trumm keine Treppen hochwuchten muss.

Das Uni MK Classic wird absolut StVO gemäß ausgeliefert. Wir würden jedoch vermuten, dass viele Käufer es mittels eines nachträglich eingebauten Gasgriffs oder durch ein anderes Display in ein nun nicht mehr legales E-Mofa verwandeln. Und dann nur noch pro forma oder gar nicht die Füße bewegen. Ohne Beinarbeit kann man dann noch viel lässiger auf der Bank sitzen und durch die City gleiten.

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