Von wegen „nur Mittelmaß“ – diese Halbzeitshow war ein Feuerwerk

Fullscreen Wehende Haare, kraftvolle Posen: Shakira und J.Lo bei ihrer Halbzeitshow in Miami  ©Angela WeissAFP

[ad_1]Entschuldigung, Kollege Maier, aber es scheint, als hätten wir unterschiedliche Halbzeit-Shows gesehen. Von wegen „mutlos“ und „ohne Botschaft“: Das, was Shakira und J.Lo letzte Nacht ins Stadion von Miami gezaubert haben, strotzte nur so vor Power und Symbolkraft.

In meinen Augen war diese Show nicht nur eine der besten der letzten Jahre – sondern eine durchdachte Knallershow voller smarter Referenzen.

Feminismus ist Primetime-fähig geworden

Zunächst sollten wir diese wichtige Tatsache festhalten: Für diesen Superbowl haben die Macher fast ausschließlich weibliche Performer gebucht. „America the Beautiful“ sang Gospelsängerin Yolanda Adams. Die Nationalhymne: vorgetragen von Demi Lovato. Und dann natürlich Shakira und Jennifer Lopez. Sie haben zusammen hunderte Millionen Platten verkauft, zahlreiche Nummer 1-Hits gelandet, füllen Konzerthallen im Handumdrehen. Ach ja, und nebenbei ziehen sie noch Kinder groß.

Der Vollständigkeit halber: Auch der Popsänger J Balvin hatte zwei Auftritte. Doch war er bei beiden Stücken klar als Sidekick gebucht. Die große Bühne gehörte den Ladies.

Wehende Haare, kraftvolle Posen: Shakira und J.Lo bei ihrer Halbzeitshow in Miami
Fullscreen Wehende Haare, kraftvolle Posen: Shakira und J.Lo bei ihrer Halbzeitshow in Miami ©Angela WeissAFP

Es zeigt, dass Bewegungen wie #metoo etwas verändern, dass Frauen selbstbewusster werden – und dass Feminismus keine Emanzen-Spinnerei ist, sondern Primetime-fähig.

Powerfrauen mit vielfältigen Wurzeln

Werfen wir noch einen genaueren Blick auf die Powerfrauen. Yolanda Adams ist Afro-Amerikanerin. Demi Lovato hat irische, italienische und mexikanische Vorfahren. Shakira ist Kolumbianerin. Jennifer Lopez‘ Wurzeln liegen in Puerto Rico. Eine diverse Zusammenstellung. Eine Auswahl, die sicherlich nicht leichtfertig getroffen wurde – im Gegenteil: Sie passt perfekt zum Austragungsort Miami, wo ein Großteil der Bevölkerung hispanische Wurzeln hat und Spanisch oft gebräuchlicher ist als Englisch. Eine Verbindung zwischen großer Bühne und kleiner Lebenswirklichkeit.

Das ist gar nicht „gähn“, sondern zeigt, dass die Superbowl-Macher eben ganz genau hingeschaut haben.

„Born in the USA“ – aber stolz auf Puerto Rico

Es habe jedoch kaum eine politische Botschaft gegeben, bemängelte Kollege Maier weiter. Das Gegenteil ist der Fall. Ein Beispiel: Gegen Ende der Show kommt ein Kinderchor auf die Bühne, einige der Nachwuchs-Sänger sitzen in einer Art Käfig aus Leuchtstäben. Sie trällern mit ihren hohen Stimmen die ersten Zeilen von J.Los Welthit „Let’s Get Loud“ – „Lasst uns laut werden.“ Eine Referenz an die Kinder, die an der Grenze zwischen den USA und Mexiko aufgrund der ultraharten Einwanderungspolitik von US-Präsident Donald Trump teilweise von ihren Familien getrennt und in Camps gesperrt werden.

Wenig später erscheint J.Lo dann in neuem Outfit auf der Bühne, sie trägt eine Art Mantel – auf der einen Seite die US-amerikanische, auf der anderen die puerto-ricanische Flagge. Dazu singt ihre Tochter Emme, die Teil des Kinderchors ist, mit glockenklarer Stimme „Born in the USA“ – denn das sind sie beide: zwei Generationen Latinas, geboren in den USA. Ein klares Bekenntnis zu ihrer Identität: die Nachkommen von Einwanderern, stolze Amerikanerinnen. Ein Auftritt mit Symbolkraft.

Diese Show brauchte keinen „linken Hai“

Was Kollege Maier noch kritisiert: die viele „nackte Haut, Popowackler und ein Bauchtanz“. Sicher, das ist vielleicht „keine Innovation“. Auf der anderen Seite ist es genau das, was zwei heiße Latinas wie Shakira und J.Lo eben in Perfektion beherrschen. Ich kann als erklärte Feministin nichts Verwerfliches daran finden, wenn zwei Frauen hart für ihre durchtrainierten Körper gearbeitet haben und diese dann auch zur besten Sendezeit präsentieren. Natürlich gefällt das den männlichen Zuschauern – aber eben auch mir. Das hätte im Übrigen auch gegolten, wenn statt Shakira und J.Lo Powerfrau Lizzo aufgetreten wäre.

Wer will, kann den Auftritt von Shakira und J.Lo natürlich auf das Popowackeln reduzieren. Reduzierung auf die Optik ist bei Frauen immer leicht. Aber eben auch falsch. Für mich steht nicht im Vordergrund, dass sie knappe Outfits getragen oder aufregende Hüftakrobatik gemacht haben. Ich habe zwei starke Ladies gesehen, die eine Viertelstunde lang in einem atemberaubenden Tempo über die Bühne gewirbelt sind. Deren Welthits im Stadion jeder mitsingen konnte. Sieht so lahme Unterhaltung aus? Sicher nicht.

Und ja, es gab keinen „linken Hai“, Kollege Maier. Aber dafür gab es ein feministische Feuerwerk mit politischem Tiefgang. Und genau deshalb hätte eine Show wie diese eben nicht „vor zehn oder gar zwanzig Jahren stattfinden können“ – leider. Sie fand genau jetzt statt – weil sie dem Zeitgeist entspricht. Und dafür braucht es keinen „linken Hai“.[ad_2]

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