Vor Beginn der Vierschanzentournee: Die deutschen Skispringer sind endlich auf dem Sprung – Sport

FOTO: URS FLUEELER/DPA
Seit Sven Hannawald im Winter 2001/2002 triumphierte, hoffen die deutschen Skisprung-Fans Jahr für Jahr wieder auf einen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. Vor der 68. Auflage, die am Samstag mit der Qualifikation für das erste Springen in Oberstdorf beginnt (16.30 Uhr, live in der ARD), stehen die Chancen auf den ersten deutschen Triumph seit 18 Jahren eigentlich so schlecht wie lange nicht mehr, jedenfalls wenn man die Vorergebnisse zugrunde legt. Denn erstmals seit neun Jahren reisen die deutschen Flieger ohne einen Weltcup-Sieg bei der Tournee an.

Das klingt erst einmal negativ. Trotzdem ist der Optimismus nicht nur beim neuen Skisprung-Bundestrainer Stefan Horngacher groß. „Unser Vorteil diesmal ist: Wir können nur gewinnen. Es erwartet momentan niemand von uns, dass ein Deutscher die Tournee gewinnt“, sagt Horngacher. „Deshalb bleiben die Jungs im Arbeitsmodus und machen sich hoffentlich keinen so großen Kopf.“

Karl Geiger ist der derzeit beste deutsche Skispringer

Tatsächlich zeigt die Formkurve bei einigen wieder nach oben. Speziell Karl Geiger springt so stabil in der Weltspitze mit wie noch nie in seiner Karriere. In den ersten sieben Einzelspringen dieses Winters war er nie schlechter als Siebter, schaffte es als Zweiter und Dritter zweimal aufs Podest und liegt im Gesamtweltcup auf Rang drei.

Er hat also beste Aussichten, um bei den vier Springen am Sonntag in Oberstdorf, am 1. Januar in Garmisch- Partenkirchen, am 4. Januar in Innsbruck und schließlich in Bischofshofen (6. Januar) ganz vorn dabei zu sein. Ebenfalls auf dem Weg nach oben sind Team-Weltmeister Stephan Leyhe, der im vergangenen Winter Dritter bei der Tournee wurde, und die sogenannten Anschlusskader. Vor allem der als größtes deutsches Nachwuchstalent gehandelte Constantin Schmid, 20 Jahre alt, und Pius Paschke (29) präsentieren sich unter Horngacher so stark wie nie.

Sorgenkinder sind dagegen die Weltmeister Richard Freitag und Markus Eisenbichler. Während bei Freitag die Probleme in der Anfahrtsposition nicht so schnell zu beheben sein werden, scheint bei Eisenbichler alles möglich zu sein. Der amtierende Dreifach-Weltmeister braucht nach Knieproblemen und einem schweren Sturz im finnischen Kuusamo nur ein paar Erfolgserlebnisse, um wieder ganz vorn mitmischen zu können. Der dauerverletzte Severin Freund fehlt bei der Tournee genau wie Olympiasieger Andreas Wellinger und Hoffnungsträger David Siegel (beide Kreuzbandriss).

Der Auftritt von Karl Geiger wird dagegen mit großer Spannung erwartet. Der Oberstdorfer war im vergangenen Winter nach seinem ersten Weltcup-Sieg als deutscher Hoffnungsträger zur Tournee gereist, scheiterte jedoch unter den Augen seiner Familie und vieler Freunde am Erfolgsdruck in seiner Heimat. Seitdem ist er jedoch gereift und glaubt an seine Chance: „Ich bin so konstant und gut wie nie. Ich vertraue auf meine Form und habe ein sehr gutes Gefühl.“

Auch Markus Eisenbichler hofft trotz aller negativen Vorzeichen auf eine Trendwende. „Die Tournee-Schanzen kenne und mag ich wegen all der Erinnerungen sehr gern“, sagt er. „Im letzten Winter war es vor der Tournee auch kacke. Vielleicht läuft es diesmal ja ähnlich: Wenn es bei mir mal passt, kann es sehr schnell gehen.“ Offiziell gibt Horngacher zwei Top-Ten-Plätze in der Tournee-Gesamtwertung und dabei im Optimalfall einen Podestplatz als Ziel aus. Denn Favoriten sind andere.

Fast alle Experten nennen zuallererst den Titelverteidiger und aktuellen Gesamtweltcup-Spitzenreiter Ryoyu Kobayashi aus Japan als Topanwärter auf den Tourneesieg. Dazu werden der zuletzt in Engelberg allerdings gestürzte Österreicher Stefan Kraft (Gesamtsieger 2015) und der Pole Kamil Stoch (Gesamtsieger 2017 und 2018) am häufigsten genannt. Zu den Außenseiter-Tipps gehören der Slowene Peter Prevc (Gesamtsieger 2016) sowie die Norweger um Daniel-Andre Tande. Erstmals seit 25 Jahren nicht für die Tournee qualifiziert ist das japanische Flieger-Urgestein Noriaki Kasai.

Horngacher weiß, wie man die Tournee gewinnt

Ansonsten gibt es im deutschen Team einige Änderungen im Tournee-Ablauf. Neue Hotels und die Änderung der direkten Wettkampfvorbereitung – keine Imitationssprünge unter Kamera-Beobachtung mehr – sollen neue Reize setzen. Dazu kommt der Einsatz von neuen Materialkomponenten beim Anzug und beim Schuh-Finetuning extra für die Vierschanzentournee. Horngacher hofft so, seinen Fliegern beim ersten Highlight in seiner Ära einen kleinen Vorteil verschaffen zu können.

Wenn es perfekt läuft, dessen ist sich auch der Bundestrainer bewusst, ist für die Deutschen noch mehr drin als die ausgewiesenen Ziele. Schließlich weiß Horngacher, wie man Tournee-Sieger macht: Kamil Stoch gewann unter seiner Führung 2017 und 2018 zweimal das größte jährliche Skisprung-Highlight – ein Triumph, der Stefan Horngachers Vorgänger Werner Schuster in seinen elf ansonsten überaus erfolgreichen Jahren als Skisprung- Bundestrainer verwehrt blieb.

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