Wasserverbrauch: Musk verteidigt Gigafactory als umweltfreundlich

Auf dem Gelände für die geplante Gigafactory wird derzeit nach Weltkriegsmunition gesucht. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
Tesla-Chef Elon Musk will beim Bau der geplanten Elektroautofabrik im brandenburgischen Grünheide auf die Bedenken der Bevölkerung eingehen. „Es klingt so, als müssten wir ein paar Dinge klären! Tesla wird nicht täglich so viel Wasser verbrauchen“, twitterte Musk als Antwort auf einen Bericht, wonach die neue Gigafactory 4 (GF4) pro Stunde 372 Kubikmeter Wasser benötige. „Dies ist möglicherweise ein seltener Spitzenverbrauch, aber kein tägliches Ereignis“, fügte Musk hinzu. Mit Blick auf die geplante Rodung von bis zu 153 Hektar Kiefernwald schrieb er: „Dies ist auch kein natürlicher Wald – er wurde für die Papierproduktion gepflanzt und nur ein kleiner Teil wird für die GF4 verwendet“. Die Fabrik werde „absolut unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Umweltaspekten entworfen“.

Der geplante Bau der Elektroautofabrik wird in Grünheide kontrovers diskutiert. Viele Bewohner fürchten, dass Tesla für die Wasserversorgung eigene Brunnen bohren könnte und dadurch der Grundwasserspiegel weiter sinkt. Auch der zuständige Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) hatte erklärt (PDF): „Gegenwärtig kann weder die Trinkwasserversorgung noch die Schmutzwasserentsorgung in dem von Tesla gewünschten Zeitrahmen gewährleistet werden.“

Gigafactory als „Baumplantage“

Diese Bedenken will die Landesregierung aber inzwischen ausgeräumt haben. Zudem soll Tesla in der vergangenen Woche angekündigt haben, die Menge auf 238 Kubikmeter zu senken. Laut Umweltverträglichkeitsprüfung (PDF, S. 29) geht Tesla von einem Wasserbedarf in Höhe von 372 Kubikmetern pro Stunde aus. Davon sollen 107 Kubikmeter über den Kühlturm verdampfen und 252 Kubikmeter als Abwasser entsorgt werden.

Dem zu rodenden Kiefernwald wird allerdings auch in der Bevölkerung nur eine geringe ökologische Bedeutung beigemessen. Die etwa 60 Jahre alte Monokultur gilt als „erntereif“. Musk versicherte in einem weiteren Tweet, für jede gefällte Kiefer drei neue Bäume zu pflanzen. Eher ironisch dürfte hingegen ein weiterer Tweet zu verstehen sein. Auf den Kommentar eines Nutzers, wonach es sich bei der Gigafactory eigentlich um eine Baumplantage handele, antwortete Musk: „Genau!“.

Ausgleichsmaßnahmen für Baumfällungen

Problematisch ist jedoch, dass die Rodungsarbeiten vor Beginn der Brutperiode am 1. März abgeschlossen werden müssen. Daher war es Biologen nicht möglich, in den vergangenen Wintermonaten den tatsächlichen Bestand an Nistvögeln oder Fledermäusen zu kartieren. Auf einer Informationsveranstaltung in Grünheide versicherten Vertreter des Beratungsunternehmens Arcadis, das im Auftrag Teslas die Sprechstunde eingerichtet hat, die Ausgleichsmaßnahmen gingen von einem theoretischen Maximalbestand an Nistplätzen aus, der anhand von Spalten und Höhlen in den Bäumen ermittelt worden sei. Daher sollten 800 Ersatznistkästen in Wäldern der Umgebung aufgehängt werden.

Darüber hinaus hat die Flächenagentur Brandenburg bereits 142 Hektar an Ausgleichsflächen für die zu rodenden Kiefern ausgewiesen. Entsprechende Karten lagen in der Bürgersprechstunde zur Ansicht aus. Bevor der Wald gerodet wird, müssen jedoch noch Weltkriegsbomben beseitigt werden. Bislang wurden nach Angaben des Brandenburger Innenministeriums rund 85 Kilo Kampfmittel dort gefunden. Am Sonntag sollten sieben Bomben gesprengt werden. Dazu sollte auch die unmittelbar am Waldgelände gelegene Autobahn 10 gesperrt werden.

Des weiteren versprach der Tesla-Chef, dass die „Giga Berlin“ Fahrzeuge für nachhaltige Energie auch mit nachhaltiger Energie produzieren werde. Daher seien die Auswirkungen auf die Umwelt „extrem positiv“. Dass Musk die Brandenburger Fabrik nun ausdrücklich „Giga Berlin“ nennt, dürfte bei der dortigen Landesregierung hingegen nicht so gut ankommen.

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