Wechseljahre der Frau: Wichtige Fakten zur Menopause



Viele Frauen stehen den Wechseljahren, auch Klimakterium genannt, mit gemischten Gefühlen gegenüber. Der Verlust der Fruchtbarkeit macht das Älterwerden bewusst und weckt die Angst, an Attraktivität zu verlieren. Eine große hormonelle Umbruchphase steht bevor, die Körper und Psyche gleichermaßen beeinflusst. Erfahren Sie hier alle wichtigen Fakten über die Wechseljahre.

Ob und in welchem Maße der Start in die neue Lebensphase von gesundheitlichen Beschwerden begleitet ist, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Der persönliche Lebensstil und psychische Faktoren spielen hierbei jedoch eine wichtige Rolle. 

Was sind die Ursachen von Wechseljahren?

Mit dem Eintritt der Menopause beginnt für Frauen ein neuer biologischer Lebensabschnitt. Bis dato sorgte die hormonelle Steuerung dafür, dass in ihrem Körper fortlaufend ein vierwöchiger Zyklus ablief, in welchem ein fruchtbares Ei in den Eierstöcken heran reift und falls es nicht befruchtet wurde, mit der Regelblutung wieder ausgeschieden wird. Bereits bei der Geburt gibt es ein festes Kontingent an Eizellen, die ab der ersten Menstruation monatlich verbraucht werden. Ab dem 40. Lebensjahr etwa sind bereits viele Eizellen verbraucht und es kommt im Zyklus nicht mehr regelmäßig zum Eisprung. Zudem produzieren die Eierstöcke weniger weibliche Geschlechtshormone und der Spiegel der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen nimmt langsam ab.

Die Folge sind unregelmäßige Zyklen und Zwischenblutungen. Bis eine Frau letztendlich ihre letzte Periode hat und in die sogenannte Menopause eintritt, vergehen oft noch viele Jahre. Im Durchschnitt sind Frauen dann 51 Jahre alt. Allerdings gibt es hier erhebliche Unterschiede. Bei einigen Frauen beginnt die Menopause bereits in den Vierzigern, andere haben ihre letzte Regelblutung erst mit Ende 50. 

Was sind typische Wechseljahresbeschwerden?

Die typischen Beschwerden der Wechseljahre sind das Ergebnis eines veränderten Hormonspiegels. Erste Vorbote sind Änderungen im Menstruationszyklus. Die Zyklen werden unregelmäßiger, die Blutungen heftiger oder länger. Ärzte sprechen dann auch von dysfunktionellen Blutungen. Viele Frauen klagen über Herzrasen und Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Erschöpfungszuständen. Sie treten bei etwa zwei Drittel der Frauen auf. Hitzewallungen kommen meist in Schüben und halten im Durchschnitt drei Minuten an. Ob und wie stark sie kommen, ist individuell unterschiedlich. Manche Frauen sind gar nicht davon betroffen. Mit dem sinkenden Östrogenspiegel gehen manchmal auch Stimmungsschwankungen und depressive Phasen einher.

Ein weiteres Anzeichen für die Wechseljahre ist eine veränderte Schleimhaut der Vagina. Nach der Menopause ist sie meist dünner und produziert weniger Feuchtigkeit. Einige Frauen leiden außerdem unter  Gewichtszunahme, vermehrten Harnwegsinfektionen und verspüren weniger Lust auf Sex. Es ist aber durchaus auch möglich, dass Frauen die Wechseljahre erst wahrnehmen, wenn die Blutungen ganz ausbleiben und sie in die Menopause kommen.

Ablauf und Dauer der Wechseljahre

Der Prozess der hormonellen Umstellung im Körper der Frau erstreckt sich über viele Jahre. Mediziner unterscheiden verschiedene Phasen. Ungefähr mit Mitte 40 ist das Kontingent der Eizellen langsam erschöpft und es reifen immer seltener welche heran. Aus diesem Grund bildet der Körper auch weniger Östrogen und Progesteron (Gelbkörperhormon). Diese Phase, in der sich allmählich das hormonelle Gleichgewicht ändert, bezeichnet man als Prämenopause. Sie zeichnet sich durch unregelmäßige Zyklen und zum Teil lang anhaltende, starke Blutungen aus. nimmt eine Frau in dieser Zeit noch die Pille, wird sie diese Veränderungen kaum spüren, denn ihr Zyklus ist in dieser Zeit über künstliche Hormone geregelt. Dabei kommt es weiterhin zu monatlichen Abbruchblutungen.

Am Ende dieser Phase steht die Menopause. Sie bezeichnet den Zeitpunkt der letzten Menstruationsblutung. Ob die Menopause tatsächlich schon stattgefunden hat, lässt sich allerdings immer erst im Nachhinein feststellen. Als Faustregel gilt: Wenn eine Frau über 50 ein Jahr lang keine Periode mehr hatte, ist sie in der Menopause. Solange diese Zeit nicht verstrichen ist, sollte weiter verhütet werden – auch wenn in diesem Alter die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft sehr gering ist. Als Postmenopause bezeichnet man die Zeit ein Jahr nach der Menopause bis zum 65. Lebensjahr, in welcher der weibliche Körper praktisch keine Östrogene mehr herstellt. Die Produktion der männlichen Hormone bleibt, wie all die Jahre davor, bestehen.

Wie erfolgt die Diagnose?

Um festzustellen, ob eine Frau in den Wechseljahren ist, muss ein Bluttest beim Gynäkologen gemacht werden. Dieser analysiert, wie hoch der Anteil verschiedener Hormone im Blut ist. In den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel nämlich stufenweise ab. Darauf reagiert der Körper indem er in stärkerem Maße das folikelbestimmende Hormon (FSH) produziert. Allerdings sagt der Hormontest nichts darüber aus, ob eine Frau noch fruchtbar ist. Frauen in den Wechseljahren sollten daher weiterhin verhüten. Über geeignete Methoden informiert der Frauenarzt. Die Menopause selbst lässt sich nur im Nachhinein feststellen, wenn zwölf Monate keine weitere Blutung mehr folgte. Aber auch durch eine Hormonuntersuchung kann die Unfruchtbarkeit festgestellt werden. Wenn bei einer dreimaligen Untersuchung im Abstand von mehreren Wochen der FSH-Spiegel über 40 mE/ml und der Östrogenspiegel unter 30 pg/ml liegt, ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich.

Folgen der Menopause

Während das Östrogen jüngere Frauen weitgehend vor Herz- und Kreislauf-Erkrankungen schützt, nimmt das Risiko nach der Menopause zu. Zudem hat die nachlassende Östrogenproduktion bei gleichbleibendem Testosteronpegel zur Folge, dass Frauen vermehrt Fettgewebe am Bauch einlagern. Dadurch steigt ebenfalls die Gefahr, am Herzen zu erkranken. Der Östrogenmangel sowie die negativen Veränderungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels können eine Verkalkung der Blutgefäße begünstigen. Damit steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine weitere Krankheit, die häufig nach den Wechseljahren beobachtet wird, ist Osteoporose. Die Ursache liegt auch hier im Östrogenmangel, da das Hormon den Knochenaufbau unterstützt. Wird dieser Prozess gestört, wird der Knochen instabiler und bricht leichter. Etwa 30 Prozent aller Frauen in der Postmenopause leiden an einer Osteoporose.

Der sinkende Östrogenspiegel in den Wechseljahren hat auch zur Folge, dass es häufiger zu Gelenkschmerzen vor allem in Knien und der Hüfte kommt. Dadurch steigt das Risiko für eine Arthrose. Außerdem kommt es zu einem Abbau der Muskelmasse, die die Gelenke normalerweise stützt. Auch auf die Sexualität können sich die Wechseljahre negativ auswirken. Denn durch das fehlende Östrogen trocknet die Vagina stärker aus. Über die Hälfte der Frauen in der Postmenopause klagt über eine trockene Scheide. Dadurch wird der Geschlechtsverkehr schmerzhaft oder es kommt zu kleinen Rissen und Entzündungen in der Schleimhaut. Auch das sexuelle Interesse und die Libido lassen häufig nach. Gleichzeitig nehmen depressive Verstimmungen zu. Einige Frauen klagen auch über Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit.

Hilfe: Wann soll ich zum Arzt gehen?

Die Wechseljahre sind ein natürlicher Prozess, keine Krankheit. Wenn keine oder nur leichte Beschwerden auftreten und die Frau das Gefühl hat, die hormonelle Umstellung gut zu meistern, ist es nicht nötig, einen Arzt aufzusuchen. In diesem Fall sind regelmäßige Untersuchungen beim Gynäkologen im Rahmen der Krebsvorsorge ausreichend. Wenn die Beschwerden jedoch das Leben zunehmend beeinträchtigen und sich die Symptome verstärken, sollte ein Frauenarzt aufgesucht werden. Besonders bei depressiven Verstimmungen und Herzrasen ist dies ratsam.

Behandlung: Was hilft gegen die Beschwerden?

Als besonders lästig empfinden Frauen in den Wechseljahren die Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Verhindern lassen sie sich nicht. Doch es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die sie erträglich machen. Hierzu gehören das Kühlen von Räumen, dünnere Bettdecken und dünnere Kleidung aus natürlichen Fasern wie Baumwolle oder Seide. Auch Wechselduschen können hilfreich sein. Kaffee, Alkohol, heiße Getränke und fettige Speisen dagegen begünstigen Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Helfen all diese Maßnahmen nicht und beeinträchtigen die Hitzeschübe das Alltagsleben zu stark, sollten Frauen in jedem Fall Hilfe bei ihrem Gynäkologen suchen. Treten Herzklopfen oder Herzrasen häufiger auf, sollten Sie ebenfalls zum Arzt.

Bei Müdigkeit, Erschöpfungszuständen und Schlaflosigkeit sollten Sie erst einmal mit natürlichen Maßnahmen versuchen, die Beschwerden zu lindern. Sportliche Aktivitäten, Spaziergänge am Abend und der Verzichte auf schwere, fettreiche Mahlzeiten können dabei helfen. Bei leichten Schlafbeschwerden wirken Naturmittel wie Hopfen oder Baldrian oft Wunder. Wenn all das nicht wirkt, sollten Sie ihren Frauenarzt aufsuchen und mit ihm über die Möglichkeit einer Hormonersatztherapie sprechen. Dabei sollten Nutzen und Risiken genau abgewogen werden. Frauen, die unter psychischen Beschwerden wie Stimmungsschwankungen und innerer Unruhe leiden, sollten zunächst versuchen, ihre innere Balance wiederzufinden. Sport, Yoga und Entspannungsübungen könnend dabei helfen. 

Wie funktioniert die Hormonersatztherapie?

Bei der Hormonersatztherapie (HET) werden dem Körper die Hormone zugefügt, die er selbst nicht mehr produzieren kann. Da sie aber nicht frei von Nebenwirkungen ist, sollte sie individuell auf die Bedürfnisse der Patientin abgestimmt sein und vom Arzt kontrolliert werden. Grundsätzlich gilt: So wenig Hormone wie möglich, so viele wie nötig. Nur bei ausgeprägten Beschwerden sollte eine solche Behandlung erfolgen, empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Außerdem bestätigte die britische „One Million Study“, dass eine Behandlung mit den Hormonen in den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko deutlich erhöht – unabhängig davon, welche Hormone gegeben werden und ob die Behandlung über Tabletten oder Pflaster erfolgt.

Eine weitere Studie, die großen Einfluss auf den Einsatz der Hormontherapie hatte, war die so genannte „Woman‘ s Health Initiative“. Diese bestätigte, dass Frauen, die während der Wechseljahre Hormone einnahmen, häufiger Brustkrebs bekamen. Zudem kam es bei ihnen vermehrt zu Schlaganfällen, Herzinfarkten und Lungenembolien. Daher muss im Einzelfall sehr genau abgewogen werden, ob so eine richtige Lösung ist. Hormonpräparate gibt es in Form von Tabletten, Gels, Cremes, Zäpfchen, Pflaster und als Spritze. Die Präparate sind in unterschiedlichen Dosierungen erhältlich. Sie können als Mono- oder Kombinationstherapie eingesetzt werden. Die letztgenannte verwendet eine Kombination aus Östrogen und Gestagen. Abhilfe bei Scheidentrockenheit bringen östrogenhaltige Cremes, Zäpfchen oder Gele, die in die Vagina eingeführt werden. 

Helfen pflanzliche Arzneimittel? 

Wechseljahrsbeschwerden lassen sich auch durch eine Reihe pflanzlicher Heilmittel lindern, die zum Teil rezeptfrei in Form von Nahrungsergänzungsmitteln erhältlich sind. Dazu gehören Mönchspfeffer und die Traubensilberkerze. Beide enthalten pflanzliche Hormone, so genannte Phytohormone. In ihrer Wirkung ähneln sie denen des menschlichen Körpers und können regulierend in den weiblichen Hormonhaushalt eingreifen. Daher sollten die Präparate nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt genommen werden. Zu Präparaten aus Rotklee oder Soja, die ebenfalls Phytoöstrogene enthalten, gibt es unterschiedliche Meinungen bezüglich ihrer Wirksamkeit bei Wechseljahresbeschwerden.

Eine Studie zeigte beispielsweise, dass die pflanzlichen Östrogene aus Rotklee, das sind so genannte Isoflavone, gegen Hitzewallungen nicht mehr helfen als ein Placebo. In Anzeigen und auf den Produktverpackungen werden Isoflavone Naturstoffe ohne Nebenwirkungen beschrieben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schließt in einer Stellungnahme von 2015 nicht aus, dass Isoflavone in isolierter Form und hoher Dosierung die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen und das Brustdrüsengewebe verändern können. Grundsätzlich sollten Sie also beachten, dass auch alle pflanzlichen Medikamente Neben- und Wechselwirkungen haben.

Gesundheitliche Risiken senken

Da in der Zeit vor und nach der Menopause die Knochenmasse verstärkt abnimmt, ist es wichtig, diesem Prozess entgegenzuwirken. Das funktioniert über eine ausgewogene, mineralstoffreiche Ernährung. Besonders Kalzium und Vitamin-D sind für den Erhalt des Skelettes unverzichtbar. Mediziner vermuten, dass Hitzewallungen und Schweißausbrüche insbesondere dann auftreten, wenn der Blutzuckerspiegel stark abfällt. Regelmäßige und dem Energieverbrauch entsprechende Mahlzeiten sind daher gerade während der Wechseljahre empfehlenswert. Alkohol und Kaffee dagegen verstärken die Hitzeschübe und sollten nur in Maßen konsumiert werden. Auch Sport kann helfen, die gesundheitlichen Risikofaktoren in Folge der Wechseljahre zu reduzieren. Denn körperliche Aktivität stärkt Muskeln und Knochen. Durch Ausdauersportarten wie Joggen, Radfahren und Schwimmen lassen sich auch Herzkreislauferkrankungen vorbeugen, die bei Frauen nach den Wechseljahren häufiger auftreten. Zudem unterstützt Sie Bewegung dabei, ein normales Gewicht zu halten. 



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