Wieselflinker Schwede: Der Elektroroller Vässla im Test – Auto & Mobil


Kompakt, leicht und wendig – der Elektroroller Vässla ist wie gemacht für das Gewusel auf unseren Straßen. Auf dem deutschen Markt allerdings trifft der Schweden-Roller auf harte Konkurrenz.


Von Michael Neißendorfer

Am besten fährt er, wenn er richtig voll ist. Gemeint ist natürlich nicht der Fahrer, sondern der Akku des Elektrorollers Vässla. Auf diesen bezogen hat die Aussage „richtig voll“ einen ganz anderen Hintergrund: Ist er vollständig aufgeladen, surrt der schwedische Flitzer besonders schnell über den Asphalt, knapp über 50 km/h zeigt das Display dann an. Die 1200 Watt des Bosch-Motors in der Hinterradnabe sind zwar eher am unteren Ende der Leistungsskala gängiger E-Roller-Motoren angesiedelt, schieben dennoch ausreichend kräftig an, um im Gewusel des städtischen Verkehrs entspannt mitschwimmen zu können.

Dort kommt dem Fahrer des Vässla auch dessen kompakte Bauweise und das geringe Gewicht entgegen. Flink wie ein Wiesel nimmt der E-Roller selbst engste Kurven, die gut 60 Kilogramm lassen sich erfreulich leicht auf eine der beiden Parkstützen aufständern. Nicht von ungefähr haben die Schweden den Namen ihres E-Scooters gewählt, schließlich leiten sie ihn ab von „Vessla“ – schwedisch für das Raubtierchen Mauswiesel.

Deshalb prangt hier und da auch eine kleine Wieselpfote an dem schlicht und modern designten Zweirad. Man sitzt aufrecht und bequem, nur zu zweit wird es auf der kurzen Sitzbank etwas ungemütlich. Wer meint, ein ähnlich designtes Gefährt bei einem anderen Hersteller schon einmal gesehen zu haben, hat recht: Als Basis für den Vässla dient ein E-Roller eines börsennotierten chinesischen Herstellers, der mit vier Millionen Fahrzeugen im Jahr zu den größten Produzenten der Welt gehört und eine kleine Handvoll weiterer europäischer Marken mit Fahrzeugen ausstattet.

2500 Euro kostet der Vässla

Als Vässla kostet die schwedisch-chinesische Koproduktion 2500 Euro und wird auf Bestellung im Internet per Spedition direkt an die Haustür geliefert. Für Probefahrten sowie Service und Reparaturen hat der Hersteller in den größeren deutschen Städten bereits einige Händler für sich gewinnen können. Diese werden händisch anhand von Rezensionen gängiger Bewertungsportale nach dem Motto „Qualität statt Quantität“ ausgewählt. Zudem haben die ersten Käufer die Möglichkeit, zu Markenbotschaftern zu werden: Bieten sie ihren Vässla für Probefahrten an und entscheidet sich daraufhin jemand zum Kauf, so bekommen sie Bonuspunkte, die sie in Zubehör wie Helme, Schlösser oder Ersatzakkus investieren können.

Ein zweiter Akku hätte sogar noch Platz unter der Sitzbank, wodurch sich die Reichweite des Rollers verdoppelt. Mit einem Akku schafften wir bei unseren Testfahrten etwas mehr als 40 Kilometer, bevor der Vässla auf unmissverständliche Weise seinen Energiehunger kundtut: Unterhalb von zehn Prozent Akkufüllstand drosselt er abrupt auf 25 km/h. In Mofageschwindigkeit bleiben nun noch gut drei Kilometer Reservereichweite, um die nächste Schukosteckdose zu erreichen. Dort dauert es gut fünf bis sechs Stunden, bis der Energiespeicher wieder vollständig geladen ist. Akku sowie Ladegerät sind tragbar, ein angenehmer Komfortgewinn im Vergleich zu anderen E-Rollern wie der E-Schwalbe oder der Vespa Elettrica, bei denen die Batterie fest verbaut ist. Am ehesten ist der Vässla mit dem Unu zu vergleichen, einem der beliebtesten E-Roller auf unseren Straßen, der in der Basisversion mit 1-kW-Motor für einige Hundert Euro günstiger zu haben ist. Allerdings wird es den bald nicht mehr geben, Unu hat bereits ein Nachfolgemodell angekündigt und wird seinen Erstling demnächst auslaufen lassen.

Umso weniger Akku, umso langsamer wird der Vässla

Etwas gewöhnungsbedürftig ist das Batteriemanagement des Schweden-Rollers: Während bei vollem Akku, der vom etablierten Hersteller LG Chem aus Südkorea kommt, knapp mehr als 50 km/h erreicht werden, nimmt die Höchstgeschwindigkeit mit fallendem Batteriepegel ebenfalls ab. Bei etwa halbem Akku sind noch 45 km/h möglich, unterhalb von 20 Prozent sind es nur noch knapp mehr als 40 km/h. Wer von Haus aus gemütlicher unterwegs ist und etwas mehr Reichweite aus dem Akku kitzeln will, fährt den Vässla per Knopfdruck am Lenker im Eco-Modus und selbst mit vollem Akku nur maximal 45 km/h, schafft dafür aber etwas mehr als 50 Kilometer, bevor der Schleichfahrt-Steckdosen-Suchmodus aktiviert wird.

Wirklich störend an dem sonst gut konstruierten E-Roller ist einzig das Display: Leuchtet es dem Fahrer bei Dunkelheit klar und deutlich entgegen, ist es Tags und vor allem bei Sonnenschein kaum noch zu entziffern. Das Problem ist Vässla bereits bewusst, man suche derzeit nach einer Alternative, so das Unternehmen.

Mit ansprechendem Design, solider Technik und dem Wiesel-Pfötchen als Sympathiepunkt wird der Vässla, der nach Angabe des Herstellers mit 40 Prozent Marktanteil das meistverkaufte Modell in Schweden ist, sicherlich auch im deutschsprachigen Raum seine Fans finden. Einzig der Preis könnte ihm zum Verhängnis werden. Denn Elektroroller anderer Marken mit ähnlichen Leistungsdaten gibt es teils deutlich günstiger.

Der Roller wurde der Redaktion vom Hersteller im Rahmen des Tests zur Verfügung gestellt.

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Von Michael Neißendorfer




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