Windows 10 Version 2004: Die Bugs und das drohende Zwangsupdate

Windows 10 Version 2004 (Bild: Anton Watman/Shutterstock.com)

Microsoft will damit beginnen, Windows 10 Version 1809-Systeme zwangsweise auf das Mai 2020 Update (Version 2004) umzustellen. Gleichzeitig gibt es in der Ende Mai 2020 freigegebenen Windows 10 Version 2004 aber zahlreiche Bugs.

Das Unternehmen hat zum 27. Mai 2020 sowohl das Windows 10 Mai 2020 Update (Version 2004) als auch Windows Server 2004 allgemein freigegeben. Der Rollout dieses Funktionsupdates – das übrigens nur 18 Monate Update-Support erhält – erfolgt aber in Wellen: Nur Maschinen, die bekanntermaßen keine Probleme mit der Version 2004 verursachen, erhalten diese Version als Upgrade.

Obwohl die eigentliche Entwicklung des Windows 10 Mai 2020 Update (Version 2004) bereits im Dezember 2019 eingefroren und sich dann auf Stabilitätsverbesserungen und Fehlerkorrekturen konzentriert wurde, enthält das Betriebssystem eine lange Liste an Bugs. Von den zehn bei der offiziellen Freigabe von Windows 10 auf der Statusseite und dem Pendant Windows Server 2004 eingeräumten Fehlern sind zwar einige behoben, es gibt aber genügend offene, von Microsoft dokumentierte Probleme sowie weitere Bugs, die bisher keinen Eingang in den offiziellen Statusbericht gefunden haben.

So gibt es diverse Bugs im Bereich der Grafikausgabe, die Microsoft noch untersucht. Dazu gehören Kompatibilitätsprobleme auf Systemen mit Intel iGPU-Anzeigeadapter (Intel Integrated Graphics Processing Unit) bei Verwendung eines Monitors mit variabler Bildwiederholrate (VRR). Die Aktivierung des VRR auf betroffenen Geräten aktiviert dies nicht für Spiele, die DirectX 9 verwenden. Microsoft hat in diesem Fall das Upgrade auf Windows 10 Version 2004 und Windows Server Version 2004 blockiert.

Es gibt zudem Kompatibilitätsprobleme mit älteren Treibern für Nvidia-Display-Adapter (GPU). Bestimmte Versionen von Nvidia-Grafikkartentreibern können unter Windows 10 Version 2004 (Windows 10 Mai 2020 Update) während oder nach der Installation des Updates einen BlueScreen mit Stoppfehler oder andere Probleme verursachen. Dies betrifft nur Treiberversionen vor 358.00. Microsoft hat aber auch hier vorsorglich das Upgrade so lange zurückgehalten, bis aktualisierte Treiber bereitstehen; an diesen wird bereits gearbeitet.

Schwerwiegend ist der Bug, der zu BlueScreens mit Stoppfehlern führt, wenn Thunderbolt-Geräte am Dock an- oder abgekoppelt werden. Betroffene Windows 10-Geräte verfügen über mindestens einen Thunderbolt-Port, haben den Kernel-DMA-Schutz aktiviert und die Windows Hypervisor-Plattform deaktiviert. Hier empfiehlt Microsoft, die betreffenden Einstellungen zu überprüfen. Man kann etwa den Kernel-Schutz versuchsweise deaktivieren. Der Bug ist schon länger bekannt und Microsoft hat auch hier vorsorglich das Upgrade auf Windows 10 Version 2004 unterbunden, bis eine Lösung bereitsteht.

Bei bestimmten Treiberversionen für Realtek Bluetooth-Chips ist mit Windows 10 Version 2004 das Pairing mehrerer Bluetooth-Geräte nicht mehr möglich. Dort musste Microsoft eine Upgrade-Blockade für betroffene Geräte setzen, bis in der Entwicklung befindliche kompatible Treiber verfügbar sind.

Bei einigen Conexant ISST Audio-Treibern von Synaptics kommt es beim Upgrade auf Windows 10 Version 2004 zu Kompatibilitätsproblemen. Auch hier wurde das Upgrade auf Windows 10 Version 2004 vorsorglich zurückgehalten, bis eine Lösung bereitsteht. Diese Kompatibilitätsprobleme sind für diverse Treiberversionen (7.x und 8.x) bekannt. Hier empfiehlt Microsoft, bei den OEMs nach neuen Treibern zu suchen.

Verwenden Anwendungen oder Treiberpakete die Dateien aksfridge.sys oder aksdf.sys von Aladdin Knowledge Systems, kommt es beim Upgrade auf Windows 10 Version 2004 ebenfalls zu Kompatibilitätsproblemen. Das Upgrade auf die Version 2004 schlägt womöglich fehl. Die Ursache ist, dass diese Treiber auch nach Deinstallation der betreffenden Anwendung im System verbleiben. Daher hat Microsoft das Upgrade für betroffene Geräte blockiert.

In allen hier genannten Szenarien sind sowohl Client-Systeme mit Windows 10 Version 2004 als auch Windows Server 2004-Systeme betroffen. Microsoft rät explizit davon ab, eine betroffene Maschine mithilfe des Media Creation Tools auf das Windows 10 Mai 2020 Update (Version 2004) zu aktualisieren.

Abseits dessen, was Microsoft bisher im Statusbereich von Windows 10 Version 2004 an bekannten Problemen eingestanden hat, gibt es weitere knifflige Bugs, die Nutzer vor dem Upgrade kennen sollten.

So merkt sich die Laufwerksoptimierung nicht den letzten Stand, sondern zeigt an: „Noch nie ausgeführt, Optimierung erforderlich“. Das führt zu der unerfreulichen Tatsache, dass der Wartungs-Task zur Optimierung der Laufwerke häufiger als erforderlich und nach jedem Neustart ausgeführt wird. Speziell bei SSDs sind die überflüssigen TRIM-Operationen bei dieser Optimierung unerwünscht. Dieser Bug ist Microsoft seit Januar 2020 bekannt und war bereits als behoben gekennzeichnet.

Systeme mit Intel Optane-Technologie und Memory Pinning machen unter Umständen ebenfalls Probleme, weil die Bibliotheksdatei iaStorAfsServiceAPI.dll nicht gefunden wird. Ursache sind inkompatible Treiber, wie Intel in einem Supportbeitrag schreibt. Dort findet sich auch ein Workaround, um den Fehler zu korrigieren.

Einige Nutzer kämpfen zudem mit dem Problem, dass das externe Display eines Systems mit Windows 10 Version 2004 plötzlich schwarz wird. Und Administratoren in Firmenumgebungen, die auf Storage Spaces (auf Deutsch Speicherplätze) setzen, sollten die diversen Bugs der Funktion kennen. In den Blogs des Autors finden sich weitere Fehlerbeschreibungen, die nur Nutzer mit bestimmten Konstellationen nach dem Upgrade auf Windows 10 Version 2004 treffen.

Angesichts der Fülle an Bugs sollten Nutzer im Privat- und im Firmenumfeld keine Eile beim Upgrade auf das Windows 10 Mai 2020 Update (Version 2004) haben, sondern besser einige Zeit abwarten. Dann steht möglicherweise bereits das Herbst-Update für Windows 10 aus dem 20H2-Entwicklungszweig bereit. Ähnlich wie bei Windows 10 Version 190x werden auch die in diesem Jahr freigegebenen Funktionsupdates die gleichen Updates teilen. Die Umstellung auf das 20H2 Herbst-Update für 2020 erfolgt dann durch ein sogenanntes Enablement-Update. Für Firmenumgebungen hat das 20H2 Herbst-Update zudem den Vorteil, dass dieses für 30 Monate (statt 18) Update-Support erhält.

Schlecht sieht es dagegen für Privatkunden aus, die aktuell noch mit dem im Oktober 2018 erschienen Windows 10 Version 1809 unterwegs sind. Microsoft hat zwar kürzlich den zum 12. Mai 2020 endenden Support mit Updates für Windows 10 Version 1809 Home, Pro, Pro Education, Pro for Workstations und IoT Core Updates bis zum 10. November 2020 verlängert, vor einigen Tagen kündigte das Unternehmen aber an, seine auf maschinellem Lernen (ML) basierenden Mechanismen dahingehend zu trainieren, dass Systeme im Consumer-Bereich, die das Supportende bald erreichen, zwangsweise auf das Windows 10 Mai 2020 Update (Version 2004) aktualisiert werden. Betroffene können dieses Zwangsupgrade auf die Version 2004 umgehen, indem sie ihre Windows 10 Version 1809-Systeme über entsprechende Installationsdatenträger manuell auf Windows 10 Version 1909 aktualisieren.

Weiterhin liegen dem Autor Informationen vor, dass gelegentlich ein automatisches Upgrade auf die Version 2004 ohne weitere Nutzernachfrage erfolgt, obwohl dies seit Windows 10 Version 1903 eigentlich ausgeschlossen sein sollte. Es bleibt also weiterhin schwierig mit Microsoft und dem Ansatz ‚Windows as a Service‘, der dem Benutzer die Kontrolle darüber entreißt, wann er ein Upgrade installiert.

Source link