Zeitumstellung 2019: Muss ich die Uhr vor- oder zurückstellen?

Zeitumstellung 2019: Nach Meinung vieler Europäer sollte die Zeitumstellung abgeschafft werden – trotzdem wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag noch einmal an der Uhr gedreht. Alles, was Sie zur Zeitumstellung am Wochenende von Sommer- auf Winterzeit wissen müssen, erklärt Ihnen FOCUS Online.

  • In der Nacht auf den 27. Oktober stellt Deutschland die Uhren auf die Winterzeit 2019 um
  • Das bedeutet: Eine Stunde mehr Schlaf dank Zeitumstellung
  • Die EU will die Zeitumstellung bis 2021 abschaffen

Zeitumstellung auf Winterzeit am 27. Oktober 2019

In diesem Jahr erfolgt die Umstellung auf die Winterzeit am Sonntag, den 27. Oktober 2019. Um drei Uhr nachts müssen die Uhren eine Stunde auf zwei Uhr zurückgestellt werden. Diese Nacht ist also verlängert – nachmittags ist es dadurch früher dunkel, morgens früher hell.

Die meisten Uhren stellen sich automatisch um

Die Zeitumstellung am 27. Oktober ist zunächst kein großer Aufwand: Funkuhren und das Fernseh-Gerät stellen sich automatisch um. Doch Achtung bei analogen Uhren: Diese müssen selbstständig umgestellt werden.

Was Sie bei Ihrem Smartphone beachten müssen

Bei Smartphones wird die Umstellung ohne Zutun durchgeführt, vorausgesetzt die entsprechende Funktion ist nicht deaktiviert. Durch folgenden Aktivierungspfad können Sie dies prüfen:

  • iPhone: Einstellungen öffnen, „Allgemein“ und danach „Datum & Uhrzeit“ auswählen, „Automatisch einstellen“ aktivieren
  • Windows Phone: Einstellungen öffnen, „Datum und Uhrzeit“ und danach „Uhrzeit“ auswählen, „Automatische Zeitumstellung“ aktivieren
  • Android: Einstellungen öffnen, „Datum & Uhrzeit“ auswählen, „Autom. Datum/Uhrzeit“ aktivieren

Folgen der Zeitumstellung: Fehler im Job und mehr Unfälle

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) spricht sich für eine dauerhafte „Normalzeit“ aus. „Die bisherige Winterzeit entspricht den Verhältnissen, die unter Berücksichtigung der natürlichen Lichteinflüsse für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus am günstigsten ist“, sagt der DGSM-Vorsitzende Alfred Wiater.

„Wenn wir im Winter am Morgen länger der Dunkelheit ausgesetzt sind, werden wir schlechter wach“, sagt Wiater. Das könne Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen und zu mehr Fehlern in der Schule und im Job führen sowie Unfälle begünstigen.

„Sozialer Jetlag“ als Konsequenz der Zeitumstellung

Licht und Dunkelheit bestimmen unsere innere Uhr – wann wir wach und wann wir müde werden. Das Problem ist: Die wenigsten Deutschen können sich nach diesem natürlichen Rhythmus richten. Ihr Tagesablauf wird von der sogenannten sozialen Zeit bestimmt. Der Großteil braucht daher morgens einen Wecker, um pünktlich bei der Arbeit oder in der Schule zu sein. Chronobiologe Till Roenneberg nennt das „sozialen Jetlag“.

Wenn es durch die Sommerzeit abends länger hell ist, setzt die Produktion des Schlafbotenstoffs Melatonin erst später ein. Man wird nicht rechtzeitig müde, muss aber morgens trotzdem früh aus dem Bett. „Mit der Zeit droht ein Schlafmangel – wir werden noch mehr zu einer chronisch unausgeschlafenen, übermüdeten Gesellschaft“, sagte auch Schlafforscher Hans-Günter Weeß gegenüber dem „Stern“.

Zeitumstellung: Stress für den Organismus?

DGSM-Chef Wiater sagt: „Besonders die ersten drei Tage nach der Zeitumstellung sind stressig für unseren Organismus.“ Das zeige sich an einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. In der Regel finde man nach einer Woche seinen neuen Rhythmus. „Bei manchen Menschen kann es aber auch mehrere Wochen dauern – insbesondere wenn auch aus anderen Gründen der Schlaf-Wach-Rhythmus gestört ist.“

Er geht davon aus, dass etwa ein Viertel der Bevölkerung Probleme mit der Zeitumstellung hat. Im Frühjahr sei sie für die meisten Menschen schlimmer als im Herbst. Denn sie verursache ein Schlafdefizit – uns wird eine Stunde genommen.

Grundsätzlich spielten aber viele psychische Faktoren bei Ein- und Durchschlafstörungen eine Rolle. Habe man Schlafprobleme, verschlechtere sich auch die Stimmung. Stress und Schlaf hingen eng zusammen, sagt auch Chronobiologe Roenneberg: „Wenn Sie viel Stress haben, brauchen sie guten Schlaf, um diesen zu bewältigen. Wenn sie den nicht kriegen, wird der Stress noch größer.“

KKH-Umfrage: Besonders Frauen bereitet Zeitumstellung Probleme

Unter der Zeitumstellung leiden einer Umfrage zufolge offenbar besonders Frauen. Wie eine Forsa-Umfrage für die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) zeigt, haben rund zwei Drittel der befragten Frauen Probleme beim Einschlafen und Durchschlafen oder kommen morgens schlechter in die Gänge. Bei den Männern sind es 42 Prozent.

Jede vierte Frau gibt zudem an, wegen der Zeitumstellung tagsüber gereizt oder müde zu sein. Bei den Männern betrifft das nur jeden sechsten. Befragt wurden rund tausend Menschen zwischen 18 und 70 Jahren.

Auch vielen Kindern bereitet die Umstellung demnach zeitweise Probleme. Mehr als die Hälfte der Mütter (57 Prozent) gibt an, dass ihr Kind abends schlechter einschläft, und jede Dritte beschreibt ihr Kind als tagsüber müde und gereizt. Bei den Vätern berichten deutlich weniger Befragte über solche Beobachtungen.

„Eine Stunde für mehr Sicherheit“

Mit Beginn der dunklen Jahreszeit steigt das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden. Durchwühlte Schränke, offenstehende Fenster, Chaos und Verwüstung sind für die Opfer von Einbrüchen leider oftmals Realität. Egal ob Einbruchversuch oder vollendetes Eindringen in den Wohnraum: Vielen Opfern macht ein Einbruch auch danach noch lange zu schaffen, denn die Tat bedeutet einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre und das vertraute Gefühl von Sicherheit in den eigenen vier Wänden geht verloren. Aus diesem Grund ist der Einbruchschutz ein Handlungsschwerpunkt auch in der polizeilichen Kriminalprävention.

Unter dem Motto „Eine Stunde für mehr Sicherheit“ wird daher jährlich am letzten Sonntag im Oktober, dem Tag der Zeitumstellung auf die Winterzeit, der bundesweite Tag des Einbruchschutzes begangen.

Bei zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen der Polizei und ihrer Kooperationspartner in den etablierten Netzwerkstrukturen werden die Bürgerinnen und Bürger im ganzen Bundesgebiet über Einbruchschutz, Sicherheitsempfehlungen und Beratungsmöglichkeiten der Polizei informiert.

Umstellung auf Sommerzeit senkt Lebenszufriedenheit

Einer Studie der Universität Erlangen-Nürnberg zufolge senkt die Uhrenumstellung auf die Sommerzeit vorübergehend sogar die Lebenszufriedenheit. Der Grund: Zusätzlich zum körperlichen Jetlag fühlten sich die Menschen in ihrer Souveränität im Umgang mit der Zeit beschnitten. In der zweiten Woche nach der Umstellung erreicht die Zufriedenheit demnach wieder ihr ursprüngliches Niveau. Die Zurückstellung im Herbst hat demnach dagegen keine messbaren Auswirkungen.

Helfen würden flexiblere Arbeitszeiten. Feste Zeiten zwischen 9 und 17 Uhr seien heutzutage nur noch in den wenigsten Branchen nötig, sagt Roenneberg. Eine Änderung hier sei „viel wichtiger als dieser Schnellschuss, ganzjährig die Sommerzeit einzuführen“.

Wie auch immer: Am Sonntag werden die Uhren wieder eine Stunde zurückgestellt.

Uhr vor- oder zurückstellen? Mit dieser Eselsbrücke merken Sie es sich

Als Gedankenstütze wird oft dieses Beispiel genutzt: Im Sommer werden die Gartenmöbel vor das Haus auf die Terrasse gestellt, also muss die Uhr vorgestellt werden. Im Winter stellt man dagegen die Gartenmöbel zurück in den Keller oder in den Schuppen, die Uhr muss ebenso zurückgestellt werden.

Zeitumstellung – warum gibt es sie überhaupt?

Seit 1996 werden in der Europäischen Union im März und Oktober die Uhren umgestellt. In Deutschland gibt es die Sommerzeit schon seit 1980. Ursprünglich sollte dank einer besseren Ausnutzung des Tageslichts Energie gespart werden.

Tatsächlich gibt es keinen Nachweis, dass durch die Zeitumstellung in relevantem Maß Energie gespart wird. Das Umweltbundesamt etwa argumentiert: „Zwar wird durch die Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht angeknipst – im Frühjahr und Herbst jedoch wird in den Morgenstunden auch mehr geheizt. Das hebt sich gegenseitig auf.“

Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag kommt zu dem Schluss, dass sich „bestenfalls nur sehr geringfügige Energieeinsparungen realisieren lassen“. Eine Auswertung von Studien aus verschiedenen Ländern habe 2016 mögliche Veränderungen in den Bereichen Stromverbrauch und Raumwärme von nicht mehr als einem Prozent ergeben.

Auch eine Befragung bei rund 700 Unternehmen und Verbänden der deutschen Energiewirtschaft ergab kein anderes Ergebnis.

Letzte Zeitumstellung 2021? Was dafür noch fehlt

Die Zeitumstellung soll laut Meinung vieler Europäer abgeschafft werden. Auch das Europaparlament in Straßburg sprach sich mit großer Mehrheit dafür aus, die Zeitumstellung im Jahr 2021 beenden. Die Entscheidung darüber, ob danach die Sommer- oder die Winterzeit gelten soll, sollen nach dem Willen der Abgeordneten die Mitgliedstaaten treffen können.

Damit das Ende des Hin und Hers aber tatsächlich kommen kann, müssen sich die Mitgliedstaaten überhaupt erst einmal auf eine gemeinsame Linie einigen.

Der Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit ruft schon seit langem viele Gegner auf den Plan. Schließlich startete die EU-Kommission im vergangenen Jahr eine europaweite Online-Befragung zur Zeitumstellung. Die Resonanz war im Vergleich zu anderen EU-Bürgerkonsultationen riesig. 4,6 Millionen Menschen nahmen teil, allein rund 3 Millionen von ihnen kamen aus Deutschland. Das Ergebnis: 84 Prozent der Teilnehmer forderten die Abschaffung der Zeitumstellung – und das auch in Ländern, in denen das recht drastische Auswirkungen hätte.

Ende der Zeitumstellung sollte schon 2019 kommen

Die EU-Kommission reagierte und schlug vor, bereits 2019 das halbjährliche Drehen an der Uhr abzuschaffen. Doch die zuständigen EU-Verkehrsminister sperrten sich gegen ein so schnelles Ende der Regelung. Frühestens 2021 solle es so weit sein, befanden sie. Sonst drohe ein unübersichtlicher Flickenteppich aus verschiedenen Zeiten in der EU.

Um den gefürchteten Flickenteppich zu vermeiden, schlägt das Europaparlament jetzt einen „Koordinierungsmechanismus“ vor, in dem Vertreter von Kommission und Mitgliedstaaten sitzen sollen. Er soll eine möglichst einheitliche Regelung in den Mitgliedstaaten hervorbringen.

Einige sind gegen die Abschaffung der Zeitumstellung

Bedenken gegen den ehrgeizigen Zeitplan der EU-Kommission, die Uhr schon 2019 zum letztem Mal umzustellen, gab es von Anfang an. Oft genannte Probleme waren die Fahrplangestaltung im internationalen Zugverkehr und die Slotvergabe an Flughäfen. Kritikern zufolge wäre mehr Vorlaufzeit nötig gewesen. Auch habe es keinerlei Folgenabschätzung für eine Abschaffung gegeben.

Weil jedes Land dem Kommissionsvorschlag zufolge selbst entscheiden sollte, in welcher Zeitzone es dauerhaft bleiben will, hätte sich bei fehlenden Absprachen zudem eine Vielzahl verschiedener Zeitzonen innerhalb der EU ergeben können. Ein Kompromissvorschlag der österreichischen Ratspräsidentschaft für eine Abschaffung im Jahr 2021, um Absprachen zu ermöglichen, fand aber ebenfalls keine Mehrheit.

Ohne Einigung kann das ganze Vorhaben noch scheitern. Im Laufe der Debatten kristallisierte sich heraus, dass manche EU-Staaten, Portugal etwa, grundsätzlich gegen das Ende der Zeitumstellung sind.

Aus Diplomatenkreisen hieß es zudem, es sei nicht bedacht worden, dass es mit Ende der Zeitumstellung zwangsläufig mehr Zeitzonen in Europa geben werden. Eine große gemeinsame Zeitzone von Spanien bis Polen sei derzeit nur möglich, weil negative Effekte durch den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit abgefedert würden, hieß es. Abgesehen von abgelegenen Gebieten wie den portugiesischen Azoren im Atlantik oder den französischen Überseegebieten gibt es in der EU aktuell drei Zeitzonen.

EU-Kommissar Oettinger will an Zeitumstellung festhalten

Auch der scheidende EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) hat sich gegen die Pläne der Kommission ausgesprochen, die Zeitumstellung in der EU abzuschaffen. „Ich persönlich wäre nicht traurig, wenn es mit der Abschaffung der Zeitumstellung nicht klappt“, sagte Oettinger der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe). Zwar habe er den Vorschlag als EU-Kommissar mitgetragen. „Aber es droht ein Flickenteppich in Europa, der erhebliche Probleme mit sich brächte“, warnte der CDU-Politiker.

Der europäische Binnenmarkt sei auf eine Zeitzone getaktet, sagte Oettinger. Er warnte zudem vor negativen Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. „Unsere Kinder würden einen wesentlichen Teil des Jahres im Dunkeln zur Schule gehen, wenn Deutschland die Sommerzeit dauerhaft einführen würde.“

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