Zika-Virus: Zwei Frauen in Europa erstmals erkrankt

Wohl erstmals in Europa haben sich zwei Menschen mit Zika-Viren angesteckt. Im südfranzösischen Département Var habe es zwei Infizierte gegeben, die sich nicht bei Reisen angesteckt haben können, berichteten französische Medien unter Berufung auf Behördenangaben. Beide seien inzwischen genesen. Nun werde untersucht, ob es noch weitere Fälle gegeben habe.

Zika kann unter anderem über Stiche von Aedes-Stechmücken – neben A. albopictus etwa auch A. aegypti – übertragen werden. In den meisten Fällen verläuft eine Infektion unauffällig. Fieber, Kopfschmerzen und Hautrötungen können Symptome sein. Schwere Folgen können aber unter anderem auftreten, wenn sich Frauen früh in der Schwangerschaft mit Zika infizieren.

Bei den Säuglingen kann es dann zur sogenannten Mikrozephalie kommen, einer Hirn- und Schädelfehlbildung. Von 2015 an traten Tausende solcher Fehlbildungen in Brasilien auf, als es dort zu einer Zika-Epidemie kam.

Virus erstmals in Europa übertragen

Beide Infektionen in Frankreich seien im August in kurzem zeitlichen Abstand in Hyères aufgetreten, hieß es von der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC. Nach Kenntnisstand der Behörde handelt es sich um die europaweit ersten dokumentierten Übertragungen des Zika-Virus durch hier lebende Asiatische Tigermücken (Aedes albopictus).

Kaum Ansteckungsgefahr in Deutschland

In Deutschland sieht das Robert Koch-Institut (RKI) weiterhin allerdings kaum Ansteckungsgefahr. „Eine Übertragung von Zika-Fieber in Deutschland ist sehr unwahrscheinlich, weil mehrere sehr unwahrscheinliche Bedingungen zusammentreffen müssten“, erläutert Klaus Stark, Experte für tropische Infektionen.

„Ein infizierter Reisender, der das Virus ohnehin nur wenige Tage im Blut hat, müsste nach seiner Heimkehr nach Deutschland auf eine Asiatische Tigermücke treffen.“ Diese Wahrscheinlichkeit sei gering, da diese Mückenart außer in einigen Regionen Süddeutschlands hier gar nicht vorkomme. „Andere Mückenarten in Deutschland können keine Überträger sein“, betont Stark.

Herbst-Temperaturen machen Ansteckung unwahrscheinlich

Für eine Übertragung durch die Tigermücke müsse es darüber hinaus relativ heiß sein. „Meist geht es um Temperaturen, die bei uns selbst im Sommer eher selten erreicht werden, in Südfrankreich aber schon“, erklärt Stark. „Die Asiatische Tigermücke müsste dann einen Heimkehrer stechen, das Virus aus seinem Blut aufnehmen und danach einen anderen Menschen stechen und infizieren.“

Auch das Centrum für Reisemedizin (CMR) hält das Infektionsrisiko aufgrund der mittlerweile herbstlichen Temperaturen und aufgrund dessen, dass bislang keine weiteren Zika-Fälle in der Region bekannt seien derzeit für sehr gering. Unerwartet sei die Zika-Übertragung, wie sie in Hyères offenbar stattgefunden hat, allerdings nicht.

Keine Impfung oder wirksame Therapie bisher möglich

Gegen eine Zika-Infektion gibt es bislang weder eine Impfung, noch eine wirksame Therapie. „Der wirksamste Schutz vor der Infektion und möglichen Komplikationen besteht daher in der Vermeidung von Mückenstichen“, sagt Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin. Da die Aedes-Mücken vorwiegend tagaktiv sind, rät der Tropenmediziner zu heller, langer Kleidung, die nur lose auf der Haut aufliegt. Nicht bedeckte Hautpartien sollten mit Repellents geschützt werden.

Als mechanische Barriere empfiehlt Jelinek zudem Moskitonetze vor den Fenstern oder über dem Bett. „Diese Maßnahmen schützen nicht nur vor Zika, sondern auch vor anderen Krankheitserregern, die über Aedes-Mücken übertragen werden können“, betont er.

Lesen Sie mehr zum Zika-Virus:

Auch Dengue-Fälle in Frankreich

Alle Fälle von Zika-Fieber in Deutschland betrafen nach RKI-Angaben bisher Reisende, abgesehen von einem einzigen bekannten Fall einer sexuellen Übertragung im Jahr 2016. Sexuell kann die Infektion auch über einen längeren Zeitraum übertragen werden. Auch Gelbfiebermücken können Zika übertragen. Sie gibt es in Europa mit Ausnahme von Madeira und östlich des Schwarzens Meeres aber bisher nicht.

Das Zika-Virus wurde erstmals vor etwa 70 Jahren in Rhesus-Affen im Zika-Wald in Uganda gefunden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief im Februar 2016 eine „Gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ aus. Brasilien schickte Zehntausende Soldaten in den Kampf gegen Mücken. Auch andere Länder der Region waren betroffen.

Die französischen Behörden berichteten am Mittwoch zudem, dass es seit dem 1. August sieben Fälle von Dengue im südfranzösischen Département Alpes-Martimes gegeben habe. Im Verwaltungsbezirk Rhône habe es zudem zwei Fälle gegeben, die ebenfalls durch heimische Mücken übertragen wurden. Vereinzelt gab es solche Fälle auch schon in anderen europäischen Ländern. Die weltweite Verbreitung von Dengue-Fieber ist in den letzten Jahrzehnten dramatisch angestiegen.


Source link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.