Zwei afghanische Sportler und ihr Olympia-Traum: Eintritt zahlen für das Schwimmtraining

Im Privatbad. Fahim Anwari muss viel in die Vorbereitung investieren.FOTO: PROMO

Dass sie es wirklich geschafft hatten, war schon ein Triumph. Mohammad Fahim Anwari und Shah Mahmoud Nabrd sind die beiden Athleten Afghanistans, die sich für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert hatten. Im August sollte sich für den Schwimmer Anwari und den Leichtathleten Nabrd ihr größter Traum erfüllen. Dabei sein wäre alles gewesen.

In einem Land, das gebeutelt ist vom Krieg, war es für die beiden schon schwierig genug, sich überhaupt für das größte Sportereignis der Welt zu qualifizieren. Doch nachdem die Olympischen Sommerspiele von Tokio wegen der Coronavirus-Pandemie auf 2021 verlegt wurden, müssen sie noch länger warten, bis sich ihr Traum endlich erfüllt.

Natürlich ist auch der olympische Sport in Afghanistan von der Coronavirus-Krise betroffen. Öffentliche Sportstätten sind geschlossen, Wettkämpfe ausgesetzt. Den Sportlern bleibt nur die Möglichkeit, zu Hause und ohne professionelle Standards zu trainieren.

Dass die Olympischen Spiele in Tokio nun ein Jahr später stattfinden, beinhalte für den afghanischen Sport aber auch etwas Positives, sagt Mohammad Yonus Popalzay, der Generalsekretär von Afghanistans Nationalem Olympischen Komitee: „So haben auch unsere anderen Athleten noch bessere Chancen, sich dafür zu qualifizieren.“

Neben Schwimmer Anwari und Sprinter Nabrd haben sich laut Popalzay noch acht weitere Athleten für die Qualifikation angemeldet. Zum Vergleich: Deutschland war bei den vergangenen Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro mit 452 Sportlern vertreten.

Dementsprechend gering fallen daher die Erwartungen an das afghanische Team aus. Große Erfolge bei Olympia konnte das Land bisher vor allem im Taekwondo feiern. Rohullah Nikpai gewann gleich zweimal hintereinander Bronze – 2008 in Peking und 2012 in London. Beim Taekwondo ist der afghanische Sport traditionell gut aufgestellt.

Keine öffentlichen Schwimmbäder

Beim Schwimmen sieht das anders aus. In Afghanistan gibt es keine öffentlichen Schwimmbäder. Die Sportler müssen in kostenpflichtigen privaten Bädern trainieren, die keinerlei olympische Standards erfüllen. Die monatliche Vergütung der Sportler – umgerechnet zwölf Euro – decke bei Weitem nicht die Kosten dafür, sagt Anwari: „Zwölf Euro reichen einfach nicht.“ Der 18-Jährige kritisiert vor allem, dass die Sportler zu wenig Unterstützung von der afghanischen Regierung bekämen: „Athleten in Afghanistan sind mit so vielen Problemen konfrontiert, doch ich konnte sie meistern.“

Erst vor sechs Jahren hat Anwari mit dem Schwimmen angefangen. Zuerst habe er sich für Youtube-Videos von Profischwimmern begeistert und anhand dieser als Autodidakt geübt, sagt er. Anwari wurde besser und besser. „Und so hat mich das Nationale Olympische Komitee Afghanistans sogar schon zu einem Trainingslager ins Ausland geschickt, nach Kasachstan“, erzählt Anwari. In Tokio will er über 50 Meter Freistil, 50 Meter Schmetterling sowie über 50 und 100 Meter Brust starten.

Bei den Medaillenentscheidungen wird Anwari keine Rolle spielen – ebenso wenig wie der 24 Jahre alte Sprinter Nabrd, dessen Bestzeit über 100 Meter 10:58 Sekunden beträgt (zugleich afghanischer Rekord). Doch das ist für Anwari nicht entscheidend: „Ich möchte der Welt einfach zeigen, dass afghanische Athleten in allen Sportarten erfolgreich sein können.“

Als sportliches Ziel hat er sich gesetzt, in einer Disziplin unter die besten Acht zu kommen. Ansonsten hofft er darauf, die afghanische Flagge in Tokio tragen zu dürfen. Denn Anwari sieht sich als „Botschafter von 35 Millionen Afghanen“. Und auch wenn es pathetisch klingen mag, so wünsche er sich vor allem, „dass die olympischen Ideale auch in meinem Land gelten“.

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