Zwei Drittel der Rentner haben zu wenig Geld für all ihre Wünsche

Blick aus dem Fenster: Trotz Eigenheim muss laut Studie ein Drittel der Rentner jede Ausgabe abwägen. (Quelle: Panthermedia/imago images)

Mit dem Haus im Alter kann nichts schiefgehen, ist eine gängige Meinung. Eine neue Studie zeigt: Trotz Eigenheim müssen viele Rentner jeden Euro umdrehen. Welche Wünsche bleiben offen?

Ein abbezahltes Haus mit Garten im Vorort einer großen Stadt, Solarpanels auf dem Dach, ein eigener Weinkeller – das ist der Traum vieler Menschen für ihr Leben im Alter. Ein Grund dafür: Das mietfreie Leben in der eigenen Immobilie eröffnet finanzielle Spielräume, die Möglichkeit länger in den Urlaub zu fahren oder regelmäßig Theater und Restaurants zu besuchen.

Doch ist das wirklich so? Eine neue Studie wirft Zweifel auf: Trotz Eigenheim müssen sich viele Rentner demnach einschränken. Zwei Drittel der Befragten gaben an, sich nicht alle Wünsche erfüllen zu können.

 (Quelle: t-online.de)
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„Altersbescheidenheit“ statt Altersarmut

Für die Studie hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) 1.000 Eigenheimbesitzer über 65 Jahren zu ihrer finanzielle Situation, ihren Wünsche und Träumen befragt. Auftraggeber der Studie ist der Finanzdienstleister Wertfaktor, der Hausbesitzern anbietet, Immobilien in Teilen abzukaufen.

Etwas mehr als ein Drittel aller Befragten gab an, dass sie mit dem im Haushalt zur Verfügung stehendem Geld zwar auskommen, aber jede Ausgabe abwägen müssen. Von Altersarmut ist allerdings nur eine Minderheit der Befragten betroffen: Für nur knapp drei Prozent reicht das Einkommen aus Rente und Vorsorge nicht für das tägliche Leben aus.

 (Quelle: t-online.de)
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Die Summen, die Immobilienbesitzern im Ruhestand fehlen, sind dabei gar nicht groß. 24 Prozent der Befragten wünschen sich, monatlich bis zu 500 Euro mehr Nettoeinkommen zu haben, 29 Prozent der Studienteilnehmer wären zufrieden, wenn ihnen bis zu 1.000 Euro mehr im Monat zur Verfügung stünden.

„Betongold“ werde überschätzt, Sparen immer wichtiger

„Unsere Studie zeigt, dass die Immobilie im Rentenalter nur noch bedingt ihren Zweck zur Altersvorsorge erfüllt“, sagt wertfaktor-Gründer Christoph Neuhaus. „Viele Rentner benötigen finanzielle Flexibilität, ihr Vermögen ist jedoch gebunden. Offensichtlich wird Betongold als Ideallösung für jede Lebensphase überschätzt.“

Dabei hätten sich viele Senioren ihre Träume für den Ruhestand aufgespart, so Neuhaus. Einmal nach Italien zur Olivenernte, ein Theater-Abo, das Haus altersgerecht einrichten oder regelmäßiger die Enkelkinder am anderen Ende der Republik besuchen – die Wünsche seien in der Regel gar nicht so groß.

Um sie zu erfüllen aber, müssen Rentner heute anders vorsorgen als früher, wie auch Michael Voigtländer, Experte für Finanz- und Immobilienmärkte beim Institut der Wirtschaft (IW) erläutert. „In den 90er-Jahren hieß es: Die gesetzliche Rente reicht“, sagt er. „Das hat sich heute deutlich gedreht, wir müssen privat viel sparen, um für das Alter vorzusorgen.“

Offene Wünsche: Viele Rentner wollen reisen

Der größte Wunsch der befragten Eigenheimbesitzer ist laut Studie vor allem eines: Reisen. Drei von fünf Rentnern gaben bei der Studie an, mehr von der Welt sehen zu wollen. Weitere offene Wünsche sind regelmäßige Restaurantbesuche – das gab jeder Dritte der Befragten an (siehe Grafik).

 (Quelle: t-online.de)
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Es folgen Vorsorge für eventuell notwendige medizinische Maßnahmen und Pflege oder Investitionen in das Eigenheim (jeweils 27 Prozent). Zwei Drittel der Eigenheimbesitzer erklären jedoch, dass ihnen für die Erfüllung weiterer Wünsche die finanziellen Möglichkeiten fehle. Der Grund: Ein großer Teil der Befragten tilgt auch im Rentenalter noch einen Immobilienkredit oder eine Hypothek. Jeder Vierte ist laut Studie noch am Abzahlen des Eigenheims.

Ein Verkauf des Eigenheimes steht für viele Rentner dennoch nicht zur Debatte. 82 Prozent der befragten Rentnern gaben an, dass sie weiterhin in ihrem Haus leben wollen. Eine wichtige Rolle spielt auch der Wunsch vieler Eigenheimbesitzer, eines Tages ihren Kindern das Haus zu vererben. Dieses zu verkaufen, um selbst mehr erleben zu können, ist für viele Senioren kaum vorstellbar.

Altersvorsorge: Experte empfiehlt breite Streuung

„Die Immobilie ist eine Anlage, von der man gleich etwas hat, denn man spart die Miete“, sagt IW-Experte Voigtländer. Gleichzeitig betont er: „Allein reichen Immobilien für die Altersvorsorge nicht aus.“

Es brauche auch andere Formen der Altersvorsorge. Als Ergänzung sollten Arbeitnehmer ihr Kapital für das Rentenalter breit streuen, in Aktien investieren, oder in eine fondsgebundene Lebensversicherung, so Voigtländer. Auch ergibt es dem Experten zufolge Sinn, die staatliche Förderung durch die Riesterrente mitzunehmen.

„Die große Herausforderung für alle ist es, zu sparen, um den Lebensstandard auch in der Rente zu halten“, sagt Voigtländer. Viele Arbeitnehmer gingen davon aus, dass man in der Rente 70 Prozent des letzten Mittellohns zur Verfügung hat – davon sei man aber momentan weit entfernt.

Wertentwicklung von Immobilien je nach Wohnort sehr unterschiedlich

„Es gibt Langzeituntersuchungen die zeigen, dass Immobilien auf Langzeit mit Aktien konkurrieren können, aber man muss unterscheiden“, sagt IW-Experte Michael Voigtländer. In Großstädten mit starkem Wachstum steigen die Werte stark an, aber auf dem Land kann es anders sein.

Man sollte Immobilien laut dem Experten nicht als Kapitalanlage, sondern als Konsumgut sehen, als Grundlage für die Vorsorge. Es gebe schließlich zusätzlichen Investitionsbedarf.

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