Baskets Oldenburg – Unerwartetes Spitzenspiel – Sport


Oldenburg, das gerne unter dem Radar fliegt, empfängt den ungeschlagenen FC Bayern.

Zweiter gegen Ersten, „wenn man sich die Platzierungen anschaut, ist das natürlich ein Spitzenspiel“, sagt der Basketballprofi Karsten Tadda, der mit Oldenburg am Donnerstag (18.30 Uhr/ Sport 1) den FC Bayern München empfängt, „derzeit das Nonplusultra in der Liga“, wie der Nationalspieler hinzufügt. 19 Siege in 19 Spielen haben die Münchner in der Basketball-Bundesliga (BBL) hinter sich gebracht, darunter ein Erfolg im Hinspiel über die EWE Baskets Oldenburg (95:74). Hermann Schüller, der geschäftsführende Gesellschafter des Tabellenzweiten (30:8 Punkte), gibt sich deshalb keiner Illusion hin: „Nach dem, was der FC Bayern geleistet hat in dieser Saison, ist er der Favorit. Da gibt’s gar keine Diskussion.“

Die Oldenburger haben einen Donnervogel zu ihrem Wappentier erkoren, aber sie fliegen gern etwas unter dem Radar der Konkurrenz. Aus der Position des Außenseiters heraus lässt es sich besser angreifen, finden sie. „Wir fühlen uns in dieser Rolle wohl“, sagt Schüller, „wir sind immer gut damit gefahren.“ Tadda erklärt: „Wir wollen natürlich gewinnen, gerade vor eigenem Publikum, oder die Münchner zumindest ärgern. Aber wir können ohne Druck spielen.“

Vor allem können sie ausgeruht antreten, anders als die in der Euroleague dauerstrapazierten Münchner. Die EWE Baskets sind der einzige deutsche Spitzenklub, der in dieser Saison keinen internationalen Wettbewerb bestreitet. Als Tabellensiebter des Vorjahres waren die Oldenburger weder für die Euroleague, noch für den Eurocup, noch für Champions League qualifiziert, und im viertklassigen Europe Cup wollten sie nicht mitmachen – das wäre ein sechsstelliges Verlustgeschäft geworden, hatte Schüller ausgerechnet und deshalb ausgegeben: „Volle Konzentration auf die BBL-Saison.“

Seine Spieler nahmen das etwas zu wörtlich, denn sie verabschiedeten sich zu Saisonbeginn auch gleich in der ersten Runde aus dem Pokalwettbewerb. Aber dass die Mannschaft nicht unter der Woche reisen und spielen muss, „scheint uns ganz gut zu tun“, findet Tadda: „Man kann mehr regenerieren, sich besser auf den nächsten Gegner vorbereiten.“ Auch Schüller sagt, „die Erfahrung ist schon positiv“. Die längere Erholungspause könne sich freilich auch nachteilig auswirken, „wenn man sich zu lange auf ein Spiel vorbereitet. Da verkrampft man dann leicht“. Bestes Beispiel sei das Verfolgertreffen mit Alba Berlin (28:8) vor einem Monat gewesen, als Oldenburg seine bislang einzige Heimniederlage kassierte (84:93). „Da fehlte uns die Leichtigkeit“, sagt Schüller.

Den Oldenburgern kommt die geringere Belastung auch deshalb recht, weil sie einen eher kleinen Kader unterhalten. Trainer Mladen Drijencic setzt auf eine Acht-Mann-Rotation, die hin und wieder von Nachwuchsspielern ergänzt wird. Zum Vergleich: Die Münchner beschäftigen wegen ihrer internationalen Verpflichtungen 15 annähernd gleichwertige Profis. Aber auch sie dürfen nur fünf Profis gleichzeitig aufs Parkett schicken, und zumindest Oldenburgs erste Fünf kann mit jedem Gegner mithalten. „Wir müssen uns vor keinem verstecken und uns nicht kleiner machen“, sagt Tadda.

Spielmacher Will Cummings, im Sommer vom Eurocup-Gewinner Darussafaka Istanbul gekommen, ist zweitbester Werfer der Liga mit 19,2 Punkten im Durchschnitt, und der Center Rashid Mahalbasic ist einer der am schwierigsten zu verteidigende Spieler der Liga; neulich beim 103:89 über Braunschweig gelang dem Österreicher etwas, was in der BBL zuletzt 2010 registriert worden ist und in diesem Jahrtausend überhaupt erst zum sechsten Mal – ein sogenanntes Triple Double: 19 Punkte, 13 Rebounds, zehn Vorlagen. Dazu kommen auf den Flügeln der Altmeister Rickey Paulding, 36, und der Dreipunkte-Spezialist Philipp Schwethelm, 29, sowie Tadda, 30, als Anker in der Defensive.

„Wir müssen 40 Minuten lang ein perfektes Spiel abliefern, um annähernd eine Chance zu haben“, sagt der Guard vor dem Duell mit den Münchnern. Dass die durchaus zu bezwingen seien, habe ja das Pokal-Halbfinale gezeigt, in dem sie gegen Alba Berlin ihre bislang einzige Saisonniederlage gegen einen nationalen Rivalen erlitten haben. Für Oldenburg geht es freilich weniger um einen Prestigeerfolg gegen den Meister am Donnerstag, sondern darum, im weiteren Saisonverlauf den zweiten Rang zu sichern. „Wir wollen auf den bestmöglichen Playoff-Platz“, sagt Tadda: „Und da, wo wir jetzt stehen, wäre das okay.“ Da würden sie nämlich dem FC Bayern München allenfalls im Finale wieder begegnen.



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