Biathlon: Männer – „Er kann sich nur selbst schlagen“ – Sport


Im Sprint der Männer muss die Konkurrenz anerkennen, dass Johannes Thingnes Bö derzeit in einer Liga für sich ist. Erik Lesser belegt als bester Deutscher Platz acht.


Von Saskia Aleythe, Östersund

Noch bevor Erik Lesser mit der Startnummer 30 zum zweiten Mal an den Schießstand kam, war die Goldmedaille vergeben. Quasi. Es ist nicht so, dass alle Athleten dann die Sachen einpackten und der Rest gar nicht mehr startete, es geht ja auch noch um Silber und Bronze bei der WM. Aber in so einem Sprint wie am Samstagabend in Östersund gucken ja alle zuerst auf Johannes Thingnes Bö, der mit der Startnummer 28 vor Lesser auf die Loipe gegangen war: Wie viele Fehler schießt er? Bleibt es bei einem wie nun in Mittelschweden, ist klar: Der Titel gehört ihm. Da kann die Konkurrenz machen, was sie will.

Erik Lesser hat alle Scheiben versenkt, doch niemand läuft so wie Johannes Thingnes Bö. „Der hat ein Riesen-Herz, eine Riesen-Lunge“, sagte Lesser nach dem Sprint anerkennend. „Der kann halt zwei bis drei Strafrunden, wenn er wirklich Vollgas gibt, rauslaufen“, erklärte Benedikt Doll. So war dieser Sprint eine weitere Machtdemonstration des 25-jährigen Norwegers, nach einer Überflieger-Saison zeigte er diese nun auch auf der WM-Bühne. Nur eine Scheibe blieb stehen, mit einem Vorsprung von 13,7 Sekunden auf den Russen Alexander Loginow (0 Fehler) beendete er sein Rennen, Frankreichs Quentin Fillon Maillet (0) gewann Bronze. Erik Lesser wurde als bester Deutscher Achter. Mit Bös Übermacht haben sie sich schon abgefunden, Lesser sagte: „Er kann sich bei dieser WM nur selbst schlagen.“

Neuer Weltmeister im Sprint – und das trotz Schießfehler: Johannes Thingnes Bö hat sich nach der Mixed-Staffel seine zweite WM-Goldmedaille gesichert.

(Foto: Jonathan Nackstrand/AFP)

Schon in den vergangenen Jahren war Bö zum Topathleten gereift, er kann sich immerhin Olympiasieger und nun auch fünffacher Weltmeister nennen – doch er ist jetzt ein stabilerer Schütze geworden. Und eben noch schneller auf der Strecke. „Das muss man dieses Jahr einfach akzeptieren, dass er eine unfassbar krasse Form hat“, sagte Lesser, „und wir da einfach nichts gegensetzen können.“ Obwohl Bö einmal in der Strafrunde kreiseln musste, hatte er im Ziel 44,7 Sekunden Vorsprung auf Lesser. Auch Martin Fourcade, der Ausnahme-Biathlet der vergangenen Jahre, blieb ohne Patzer 32,5 Sekunden hinter Bö.

WM-Neuling Philipp Nawrath überrascht als Zwölfter

Zwölf von 18 Saisonrennen konnte Bö vor dieser WM als Sieger beenden. An ihm richtet sich die Konkurrenz aus, wie auch Benedikt Doll berichtete. Nach zwei Kilometern bekommen die Athleten Zwischenzeiten durchgesagt, „50 Sekunden auf Bö ist immer schon ein guter Angang“, sagte Doll nun, der ja auch alles andere als ein schlechter Läufer ist. Der 28-Jährige war vor zwei Jahren in Hochfilzen noch Sprint-Weltmeister geworden, beendete sein Rennen in Östersund mit zwei Fehlern als Elfter. WM-Neuling Philipp Nawrath wurde mit einem Patzer starker Zwölfter, nur Johannes Kühn enttäuschte mit drei Fehlschüssen und Rang 23.

Arnd Peiffer, der vor einem Jahr in Pyeongchang Olympia-Gold gewonnen hatte, kam nicht in Podiumsnähe, er landete mit einem Fehler auf Platz neun. Beim Olympia-Sprint war Bö mit vier Fehlern noch chancenlos gegen ihn. „Er hat es über die komplette Saison gezeigt, und deswegen ist er auch der verdienteste Sprint-Weltmeister, der es heute hätte werden können“, sagte Peiffer. Schon am Sonntag steht das Verfolgungsrennen an, mit diesem Bö ganz vorne. Peiffer selber sprach dann schon gar nicht mehr um einen Kampf um Gold: „Platz zwei und drei ist nicht so weit weg, da geht vielleicht schon noch was. Aber es schielen viele nach vorne, hinter uns ist es eng.“

Siegerschrei: Johannes Thingnes Bö auf dem Stockerl.

(Foto: Reuters)

Tatsächlich sind die Abstände auf Silber und Bronze noch nicht so groß, dass das Quartett um Lesser, Peiffer, Doll und Nawrath chancenlos ins Rennen gehen würde. Während sich Doll und Peiffer mit besseren Schießeinlagen beweisen wollen, hofft Lesser auf frischere Beine. „Läuferisch sind doch ein paar Fragezeichen, warum es heute nicht so funktioniert hat“, sagte er, „das Training hat mir eigentlich was anderes gezeigt.“ Doch erfahrungsgemäß wird der Verfolgungs-Weltmeister von 2015 im Laufe einer WM eher besser. „Das habe ich die letzten Jahre immer ganz gut hinbekommen“, sagte er, „einen so eher schlechten Tag, dafür geht es am zweiten umso besser. Daran hänge ich mich jetzt ein bisschen positiv auf.“ Und vielleicht hilft noch ein Video von damals, von seinem Gold-Rennen 2015: Damals schoss Bö achtmal daneben.



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