Coronavirus in USA: Frau verliert in drei Tagen ihren Mann und Sohn

Auf Facebook teilt Sandy Brown die schönen Momente, die sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn hatte. ©facebook.com/sandy.brown.353

Das Coronavirus breitet sich seit Monaten weltweit aus. Täglich vermelden Nachrichtenseiten, auch stern.de, die aktuellen Zahlen der Infizierten, der Geheilten und auch jener Menschen, die durch Covid-19 – so heißt die Krankheit, die durch das neuartige Virus ausgelöst wird – ihr Leben verloren haben. Stand Sonntagmittag sind weltweit knapp 109.000 Menschen an den Folgen des Virus gestorben.

Die Zahlen sind unvorstellbar. Vor allem aber sind sie abstrakt. Dabei verbirgt sich hinter jeder Leid und Trauer der Angehörigen – manchmal sogar mehrfach. So wie bei Sandy Brown. Die US-Amerikanerin verlor innerhalb von nur drei Tagen erst ihren Ehemann, dann ihren Sohn. Beide infizierten sich mit dem Coronavirus und starben an den Folgen.

Die Immobilienmaklerin lebte mit ihrer Familie in Michigan. 35 Jahre war sie mit ihrem Mann Freddie Lee Brown Jr., einem pensionierten Obst- und Gemüsehändler, verheiratet. Das Paar war sehr gläubig und wünschte sich lange Zeit nichts sehnlicher als ein Kind. Nach zwei Fehlgeburten hatten sie die Familienplanung jedoch aufgegeben, bis Sandy mit 40 Jahren schließlich doch noch schwanger wurde. Ihr Sohn hieß Freddie Lee Brown III, sie nannten ihn nur ihr „Wunderkind“. Er wurde 20 Jahre alt.

So starb Sandy Browns Ehemann

Bei Freddie Jr., dem 59-jährigen Ehemann, begannen die Symptome Mitte März. Als er ins Bett ging, war seine Haut eiskalt, und als er aufwachte, war er schweißgebadet. Ihm war übel, seine Muskeln fühlten sich an, als würden sie von Messern durchbohrt, sagte Sandy Brown der „Detroit News“. Als er kurz darauf nichts mehr bei sich behalten konnte, nicht einmal einen Schluck Wasser, brachte sie ihn ins Ascension Genesys Hospital in Grand Blanc Township.

Dort wurde klar: Freddie Jr., der 2012 eine Nierentransplantation hatte, hatte sich mit dem Coronavirus angesteckt.

Am 22. März setzten die Atembeschwerden ein und das Personal bereitete sich darauf vor, ihn an ein Beatmungsgerät anzuschließen. Doch Sandy wehrte sich. Sie wusste, dass er dafür in ein medizinisch bedingtes Koma versetzt werden müsste.

„Beruhige dich“, sagte er ihr am Telefon. „Ich komme schon klar. Es wird nur ein paar Tage dauern.“

Es war das letzte Mal, dass beide miteinander sprachen.

Drei Tage später kollabierte Freddie Jrs. Lunge. Um 1.19 Uhr in der Nacht erhielt Sandy Brown einen Anruf des Krankenhauses. Doch als sie auf der Intensivstation ankam, war ihr Mann bereits tot. Sie durfte sich nicht einmal persönlich von ihm verabschieden. Covid-19 sei zu ansteckend, insistierten die Krankenschwestern.

Doch Brown war das egal. „Ich gehe in dieses Zimmer“, sagte sie. „Es ist mir egal, was ich tun muss. Ich unterschreibe, was immer ich unterschreiben muss.“ Also zog sie einen Kittel an, streifte sich Handschuhe über und legte einen Mundschutz an – und berührte noch einmal das Haar und die Wangen ihres Ehemannes.

Noch einmal dieselbe, schmerzhafte Frage

Am 27. März, einen Tag nach dem Tod seines Vaters, ging es bei Freddie III., der ebenfalls mit Asthma vorbelastet war, los. Es begann mit Fieber und Husten. „Ich ging in den Raum und er hechelte wie ein Hund, dasselbe Geräusch, das ich von meinem Mann hörte“, sagte Brown dem Sender „NBC“. „Ich sagte: ‚Söhnchen, Söhnchen, Söhnchen, wach auf‘ und er war nur noch schweißgebadet“. Am nächsten Tag wurde der 20-Jährige ins Krankenhaus gebracht, wo es ihm zunächst besser ging. Er war jung und optimistisch, die Krankheit bald zu überstehen.

Doch dann baute auch sein Körper zusehends ab. Die Atmung wurde unruhiger, und um 22 Uhr wurde Sandy Brown am Telefon die gleiche Frage wie wenige Tage zuvor gestellt: Wie schnell könnte sie in der Klinik sein?

Die ganze Nacht sprach sie mit ihrem Sohn via Facetime, sie rezitierte aus der Bibel, sang spirituelle Lieder. Einen Tag später starb aber auch er an den Folgen des Coronavirus.

„In drei Tagen verlor ich meinen Mann und meinen Sohn durch eine hässliche Seuche“, sagte Brown später. „Ich sah zu, wie mein Sohn innerhalb von drei Tagen sein Leben verlor.“

Trauer in Zeiten des Coronavirus

Sandy Brown geht es bislang gut, sie hat keine Symptome von Covid-19. Doch selbst nach den beiden Schicksalsschlägen spürt sie den Schatten des Virus. Freunde und Verwandte wollten ihr Trost spenden, brachten ihr Essen – doch niemand konnte sie in den Arm nehmen. Das mitgebrachte Essen stellten sie in die Garage, um persönlichen Kontakt zu vermeiden. Durch eine Glastür hindurch weinte sie mit ihren Freunden. Trauer in Zeiten des Coronavirus.

„Es gibt kein Wort, das meinen Schmerz beschreibt“, sagt sie der „Detroit News“. „Es ist unvorstellbar“.

Nur ihr starker Glaubt lässt sie all das durchstehen. „Die medizinische Wissenschaft sagt, ich sollte traumatisiert sein“, sagte sie. „Ich hatte zweimal ein traumatisches Erlebnis. Ich sollte meinen Kopf gegen die Wand schlagen. Aber Gott sagte nein. Ich stehe hier in der Stärke des Herrn, nicht in meiner eigenen Stärke. Gott hat mich geholt.“

Auf Facebook teilt Brown mehrere Bilder aus glücklichen Tagen. Es zeigt sie und ihren Mann beim Abschluss ihres Sohnes. In einem Fernseh-Interview mit Bria Jones von Fox66 riet sie allen Zuschauern: „Bleibt zuhause“.

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