Drei neue Coronavirus-Fälle beim 1. FC Köln: Was bedeuten die Infektionen für die Bundesliga?

Abstand halten. Die Spieler des 1. FC Köln kennen das schon. Sie haben - gegen Borussia Mönchengladbach - das erste und bisher...FOTO: PICTURE ALLIANCE/DPA

Lukas Klünter hatte Glück im Unglück. Als sich der Profi von Hertha BSC Mitte März wegen eines positiven Coronafalls in seiner Mannschaft in häusliche Quarantäne begeben musste, wies sein Kühlschrank einen hohen Sättigungsgrad auf. Dank eines gerade erst getätigten Großeinkaufs reichten die Lebensmittelvorräte beinahe zwei Wochen. Erst gegen Ende der Quarantäne wurde es ein bisschen eng.

Wenn heute ein Profi von Hertha BSC positiv auf das Coronavirus getestet werden würde, müssten sich Lukas Klünter und seine Kollegen nicht zwingend Sorgen um ihre Lebensmittelvorräte machen. Quarantäne für alle ist nicht mehr vorgesehen. Der normale Betrieb läuft weiter. So war es auch am Freitagabend, als Herthas Ligakonkurrent, der 1. FC Köln, auf seiner Homepage von drei Coronavirus-Fällen im Profikader berichtete. Quasi im selben Atemzug verkündete der Fußball-Bundesligist: „Das Gruppentraining kann fortgesetzt werden.“

Am Mittwoch entscheidet die Politik

Der deutsche Profifußball, der sich wegen der Coronavirus-Pandemie seit Mitte März im Stand-by-Modus befindet, kämpft gerade mit aller Macht für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs. Neun Spieltage stehen in der Bundesliga noch aus. Und auch wenn sich die ersten Pläne der Deutschen Fußball-Liga (DFL) als etwas zu optimistisch herausgestellt haben, deutet einiges auf einen Wiederanpfiff noch in diesem Monat hin.

Die Signale aus der Politik sind jedenfalls verheißungsvoll. Für den kommenden Mittwoch wird die offizielle Genehmigung der Bundesregierung für die Fortsetzung der Bundesliga und der Zweiten Liga erwartet. Da kommt die Nachricht aus Köln natürlich zur Unzeit. Seht ihr, heißt es jetzt, die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist verantwortungslos. Das Virus schert sich nämlich nicht um eure schönen Konzepte!

Am Donnerstag war der Kader des 1. FC Köln getestet worden. Am Freitag lag das Ergebnis vor: Zwei Spieler und ein Mitarbeiter sind mit dem Coronavirus infiziert. Keiner der drei, deren Namen nicht mitgeteilt wurden, habe Symptome aufgewiesen, teilte der Klub mit. Was die Öffentlichkeit in Wallung versetzt, hat bei der DFL eher die gegensätzliche Reaktion ausgelöst: „Wir sehen jetzt im Alltag, dass unser Konzept frühzeitig Risiken erkennt und reduziert“, teilte Tim Meyer mit.

Meyer ist nicht nur Arzt der deutschen Nationalmannschaft, er leitet auch die medizinische Taskforce der DFL, die ein Hygienekonzept für die Fortsetzung des Bundesligabetriebs entwickelt hat. „Wir sind überzeugt, dass wir den Spielern mit unserem Konzept die Ausübung ihres Berufs unter bestmöglichem Infektionsschutz ermöglichen können“, hat Meyer nach dem Bekanntwerden der neuen Coronavirus-Fälle in Köln gesagt.

Nach dem allgemeinen Verständnis müssten sich nun nicht nur die Infizierten, sondern auch ihre Kontaktpersonen für zwei Wochen in häusliche Quarantäne begeben – so wie es eben auch für den Normalbürger gilt. Doch unter solchen Bedingungen wären ein Wiederbeginn der Bundesliga und vor allem der planmäßige Abschluss der Saison bis zum 30. Juni nicht möglich.

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Das ist der Kern des DFL-Konzepts. Und der Kern des Problems, wenn es um die öffentliche Akzeptanz für die Pläne der Bundesliga geht. Der Fußball wehrt sich vehement gegen den Vorwurf, dass er sich in der Pandemie einen Sonderweg suche, um den drohenden finanziellen Ruin der Vereine abzuwenden; aber genau dieser Eindruck verfestigt sich durch die jüngsten Ereignisse in Köln.

Entscheidend für das Konzept der DFL und dessen Genehmigung durch die Politik ist die Einschätzung des Risikos, dem sich die Spieler durch die Fortsetzung der Saison aussetzen würden. „Wir machen es durch die vielen Maßnahmen extrem unwahrscheinlich, dass eine Person, die coronapositiv ist, auf den Platz gelangt“, sagt Taskforce-Leiter Meyer. Das soll zum einen durch eine Vielzahl an Tests gewährleistet werden, aber auch durch umfassende Hygienemaßnahmen für die Spieler und eine Reduzierung von Kontakten. „Wir minimieren alles an Kontakten, was nur irgendwie geht“, erklärt Meyer. Die Logik hinter dem Konzept der DFL: Außerhalb des Platzes wird alles unternommen, damit das Infektionsrisiko auf dem Platz minimal ist.

Was passiert bei normalem Trainingsbetrieb?

Dieses Bündel an Maßnahmen soll nach den Vorstellungen der DFL zur Folge haben, dass die Spieler als Kontaktpersonen nicht der Kategorie I zugerechnet werden müssen, sondern der Kategorie II. Bei Kontaktpersonen der Kategorie I besteht ein hohes Risiko, sich anzustecken. Laut Robert-Koch-Institut sind es „Personen mit kumulativ mindestens 15-minütigem Gesichts-(,face-to-face’)Kontakt, z.B. im Rahmen eines Gesprächs“. Solche Kontaktpersonen eines Infizierten müssen sich ebenfalls in häusliche Quarantäne begeben; für Kontaktpersonen der Kategorie II gilt das nicht – und dazu gehören nach den Vorstellungen der DFL auch die Fußballer.

Trotzdem bleiben Fragen. Derzeit trainieren die Teams noch in Gruppen und mit weitreichenden Einschränkungen: So sind Torschusstraining und Zweikämpfe beispielsweise aktuell nicht erlaubt. Dadurch lassen sich nicht nur die möglichen Kontaktpersonen eines Infizierten leichter identifizieren; auch die Zahl der potenziell Angesteckten bleibt auf seine jeweilige Trainingsgruppe begrenzt.

Wenn die DFL allerdings in der kommenden Woche die Genehmigung für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs erhält, werden die Mannschaften auch wieder normal trainieren müssen – mit Zweikämpfen, mit Körperkontakten und in kompletter Kaderstärke. Vermutlich hat die DFL den Klubs in ihrem Konzept gerade deshalb empfohlen: „Frühzeitig für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen.“

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