ETF und Steuern: Diese wichtigen Regeln sollten Sie kennen

Wertsteigerung am Aktienmarkt (Symbolbild): Die Besteuerung von ETFs ist mit dem Investmentsteuerreformgesetz einfacher geworden. (Quelle: Khanisorn Chaokla/Thinkstock by Getty-Images)

Beim Einkaufen im Supermarkt müssen Sie Mehrwertsteuer zahlen. Doch auch, wenn Sie einen ETF-Anteil kaufen und verkaufen, fallen Steuern an. Wir erklären, wie die Berechnung funktioniert und wie Sie Steuern sparen können.

Wer mehr aus seinem Geld machen will, sollte auf ETFs („Exchange Traded Funds“) setzen, raten Experten. Das sind spezielle Fonds, die einen Aktienindex wie den Dax nachbilden.

Besonders bei Börsen-Einsteigern sind diese passiven Aktienfonds beliebt. Denn: Man kann mit vergleichsweise wenig Aufwand in Unternehmen auf der ganzen Welt investieren.

Weil kein Fondsmanager nötig ist, fallen zudem keine hohen Gebühren an, was gut ist für die Erträge, genannt Renditen. Von denen will der Staat allerdings schon noch etwas abhaben – und holt es sich in Form der sogenannten Abgeltungssteuer.

Was das genau ist, wie Sie die Steuerlast Ihrer ETFs berechnen und was sich seit der Investmentsteuerreform geändert hat, zeigt Ihnen unser Überblick zu ETFs und Steuern.

Wann muss ich ETFs versteuern?

Kurz gesagt: Immer dann, wenn Ihre Erträge und Kursgewinne über dem Jahresfreibetrag, auch Sparerpauschbetrag genannt, von 801 Euro im Jahr liegen (1.602 Euro bei Ehepaaren). Dann wird – auf die Erträge und Kursgewinne, die über den 801 Euro liegen – die sogenannte Abgeltungssteuer fällig. Sie liegt derzeit bei 25 Prozent. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag, kurz Soli, von 5,5 Prozent sowie eventuell Kirchensteuer in Höhe von acht bis neun Prozent – je nach Bundesland. Sie zahlen also nicht erst dann Steuern, wenn Sie Ihre ETF-Anteile verkaufen.

Der Depotanbieter berechnet die Steuer automatisch und überweist sie an das Finanzamt. Bleiben Ihre Erträge unter den 801 bzw. 1.602 Euro, zahlen Sie gar keine Steuer – vorausgesetzt, Sie haben einen Freistellungsauftrag in entsprechender Höhe bei ihrer Depotbank gestellt. Wenn nicht, können Sie sich das zu viel gezahlte Geld aber auch noch später über die Steuererklärung zurückholen.

Was hat sich durch das Investmentsteuerreformgesetz geändert?

Mit dem Investmentsteuergesetz von 2018 haben sich die Regeln für Steuern auf ETFs geändert. Damit hat der Staat die einst sehr komplizierte Besteuerung deutlich vereinfacht. Wichtig wird das für Sie nur dann, wenn Sie bereits vor 2018 einen ETF-Anteil gekauft haben. Die wichtigsten Neuerungen sind:

  • Alle Fonds werden jetzt nach der gleichen Logik besteuert – mit einer jährlichen Vorabpauschale (siehe unten).
  • Anleger können die Quellensteuer auf ausländische Dividenden nicht mehr auf die Abgeltungssteuer anrechnen – stattdessen gibt es die sogenannte Teilfreistellung (siehe unten). Quellensteuer fällt an, wenn Sie im Ausland Kapitalerträge erwirtschaften, zum Beispiel Dividenden bei ausschüttenden ETFs. Die Steuer wird dann direkt von den jeweiligen Ländern eingezogen.

Wie funktioniert die Steuer auf ETFs konkret?

Wie alle Investmentfonds werden auch ETFs jedes Jahr mithilfe der sogenannten Vorabpauschale besteuert – und zwar nicht nur, wenn Sie ETF-Anteile verkaufen, sondern auch wenn Sie Kursgewinne erzielen oder Dividenden erhalten.

Die Vorabpauschale funktioniert so: Ihre Depotbank schaut sich die Wertentwicklung Ihres ETFs im Laufe des vergangenes Jahres an. Zusammen mit einem von der Bundesbank bestimmten Zins berechnet sie dann die Vorabpauschale.

Kaufen Sie erst im Laufe eines Jahres einen Fondsanteil, reduziert sich die Vorabpauschale für jeden vollen Monat, der dem Kauf vorausgeht, um ein Zwölftel. Das gilt auch, wenn Sie einen Sparplan mitten im Jahr starten.

Doch keine Sorge: Es fällt nichts der Steuer zum Opfer, was nicht auch erwirtschaftet wurde. Das heißt konkret: Wenn Ihr ETF im Wert sinkt – und keine Dividenden ausgeschüttet werden –, wird keine Vorabpauschale besteuert.

Noch einmal für den Hinterkopf: Steuern werden nur für Ihre Kapitalerträge fällig, die höher als 801 Euro sind (bzw. 1.602 Euro bei Verheirateten).

Sie als Anleger sind in der Praxis fein raus: Sie müssen selbst nichts berechnen, der Depotanbieter erledigt alles für Sie – inklusive der Überweisung an das Finanzamt. Möchten Sie trotzdem verstehen, wie Ihre Steuer auf ETF bestimmt wird, erklären wir Ihnen das in den folgenden Abschnitten Schritt für Schritt.

Zunächst die gute Nachricht: Die Abgeltungssteuer müssen Sie nicht auf die komplette Vorabpauschale (und bei ausschüttenden ETFs auf die Dividende) zahlen, sondern nur auf 70 Prozent. 30 Prozent bleiben steuerfrei. Das nennt sich Teilfreistellung.

So funktioniert die Teilfreistellung – zwei Beispiele

Beispiel 1:

Nehmen wir an, Sie sind in einen thesaurierenden, also wiederanlegenden, ETF investiert und Ihr Depotanbieter hat eine Vorabpauschale von 100 Euro errechnet (Details zur Berechnung finden Sie weiter unten). Weil 30 Prozent davon steuerfrei bleiben, entfällt Abgeltungssteuer also nur noch auf 70 Euro.

Nehmen wir weiter an, Sie sind nicht in der Kirche. Dann möchte der Staat von diesen 70 Euro 25 Prozent Abgeltungssteuer plus 5,5 Prozent Soli, zusammen also 26,375 Prozent – macht 18,45 Euro.

Beispiel 2:

Legen Sie Ihr Geld hingegen in einen ausschüttenden ETF an, wird die Rechnung etwas komplizierter, weil die Dividende noch hinzukommt. Nehmen wir auch hier wieder eine Vorabpauschale von 100 Euro an sowie eine Dividende von 70 Euro. Auch von der Dividende sind wieder 30 Prozent steuerfrei. Das heißt: Die 26,375 Prozent Steuern entfallen nur auf 70 Prozent der Dividende, also 49 Euro. Das macht 12,91 Euro Steuern auf die Dividende.

Eine Besonderheit bei ausschüttenden ETFs: Die Dividende reduziert die Vorabpauschale. Ist sie größer als die Pauschale, liegt die Vorabpauschale bei 0 Euro und es wird nur die Dividende versteuert.

In unserem Beispiel ist sie jedoch kleiner als die Vorabpauschale. Ihre Pauschale schrumpft von 100 auf 30 Euro (-70 Euro Dividende). Diese 30 Euro sind wieder zu 30 Prozent steuerfrei, also versteuern Sie nur noch 21 Euro davon – macht 5,54 Euro Steuern auf die Pauschale. Zusammen mit der Steuer auf die Dividende (12,91 Euro) ergibt sich so zusammen also ein Betrag von 18,45 Euro.

Ist Ihnen etwas aufgefallen? Genau: Die Depotbank überweist letztendlich in beiden Fällen denselben Betrag an Abgeltungssteuer ans Finanzamt: 18,45 Euro.

Steuern beim Verkauf von ETFs

ETFs kann man zwar auch vererben, aber in der Regel werden Sie irgendwann zumindest Teile Ihres ETFs verkaufen wollen. Vor allem wenn Sie einen thesaurierenden ETF besitzen – sonst würden Sie ja nie in den Genuss der Erträge kommen.

Dazu sollten Sie wissen: Beim Verkauf von Fondsanteilen müssen Sie noch einmal Abgeltungssteuer zahlen. Doch keine Sorge: Die Steuern, die von den Vorabpauschalen schon einbehalten wurden, werden vom Verkaufserlös abgezogen. Sie zahlen darauf also nicht doppelt Steuern. Der restliche Erlös ist dann wieder zu 30 Prozent steuerfrei (wir erinnern uns: die Teilfreistellung).

So berechnen Sie die Vorabpauschale

Gehen wir noch ein Stück tiefer ins Detail. Sie wissen nun, dass Abgeltungssteuer nur auf einen Teil der Vorabpauschale und gegebenenfalls der Dividende anfällt. Aber wie genau ergibt sich eigentlich die Vorabpauschale?

Zur Erinnerung: Ihr Depotanbieter übernimmt die Berechnung der Vorabpauschale für Sie. Sie müssen sich also eigentlich keine Gedanken darüber machen. Wenn Sie allerdings zum kompletten Experten werden wollen – nur zu!

Um die Vorabpauschale zu bestimmen, muss Ihr Depotanbieter zunächst den sogenannten Basisertrag berechnen. Und zwar nach dieser Formel:

Basisertrag = Wert der Fondsanteile zum ersten Börsentag eines Jahres x Basiszins x 0,7

Ist der Basisertrag niedriger als die Wertsteigerung Ihrer Fondsanteile, dient er direkt als Vorabpauschale. Ist er höher, gilt die Wertsteigerung als Vorabpauschale.

Den Basiszins (risikoloser Zins) berechnet die Deutsche Bundesbank anhand der Zinsstrukturdaten jeweils auf den ersten Börsentag des Jahres. Die Bundesbank hat folgende Zinssätze bekannt gegeben:

  • zum 2. Januar 2018: 0,87 für Steuerjahr 2019
  • zum 2. Januar 2019: 0,52 für Steuerjahr 2020
  • zum 2. Januar 2020: 0,07 für Steuerjahr 2021

Rechnen wir es doch einfach einmal für das Jahr 2020 durch. Wir nehmen an, der Wert Ihres ETFs liegt am ersten Börsentag des Jahres (2. Januar) bei 10.000 Euro. Ihr Basisertrag berechnet sich also folgendermaßen:

Basisertrag = 10.000 Euro x 0,07 x 0,7 = 4,90 Euro

Ob diese 4,90 Euro nun schon die Vorabpauschale sind, hängt davon ab, wie sich Ihr ETF im Laufe von 2020 entwickelt.

Beispiel 1: Große Wertsteigerung

Wir nehmen an, Ihr ETF ist um 100 Euro im Wert gestiegen. Das ist deutlich mehr als der Basisertrag von 4,90 Euro. In diesem Fall dient der Basisertrag als Vorabpauschale.

Beispiel 2: Kleine Wertsteigerung

Wir nehmen an, Ihr ETF ist nur um 4 Euro im Wert gestiegen. Das ist etwas weniger als der Basisertrag von 4,90 Euro. In diesem Fall dient die Wertsteigerung als Vorabpauschale.

Beispiel 3: Keine Wertsteigerung

Wir nehmen an, Ihr ETF ist im Wert gleich geblieben oder gar gefallen. Dann beträgt die Vorabpauschale null Euro. Sie zahlen keine Steuern.

Vorabpauschale = Basisertrag, wenn Basisertrag < Wertsteigerung;
Vorabpauschale = Wertsteigerung, wenn Basisertrag > Wertsteigerung;
Vorabpauschale = 0, wenn keine Wertsteigerung

Thesaurierender oder ausschüttender ETF: Was ist steuerlich besser?

Da alle Fonds seit 2019 nach der gleichen Logik versteuert werden, spielt es – was den Aufwand bei der Steuer angeht – keine Rolle mehr, ob ein ETF Dividenden ausschüttet oder diese automatisch wiederanlegt (thesauriert). Alle Fonds sind jetzt gleichermaßen „steuereinfach“, wie es im Fachjargon heißt.

Das bedeutet auch, dass Sie jetzt jeden ETF-Typ ohne Probleme für einen Sparplan nutzen können. Solange Sie einen Freistellungsauftrag bei Ihrer Depotbank stellen, macht Ihnen das nicht mehr Arbeit (siehe oben).

Unterschiede nur gering

Aber nicht nur der Aufwand ist der gleiche, auch für die tatsächlich zu zahlenden Steuern macht es langfristig so gut wie keinen Unterschied, ob Sie in einen thesaurierenden oder einen ausschüttenden ETF investieren. Sie zahlen hauptsächlich nur zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich hohe Anteile der Steuer. Das liegt an der jeweils anderen Logik der ETFs.

Bei „Thesaurierern“ schlägt nämlich der Zinseszinseffekt stärker zu, weil Erträge direkt wieder investiert werden, während „Ausschütter“ keine Zinseszinsen auf die ausgezahlten Dividenden ansparen. Der Gewinn von thesaurierenden ETFs ist dadurch höher.

Allerdings fallen bei Thesaurieren nur Steuern auf die sogenannte Vorabpauschale an, wohingegen bei Ausschüttern – wie oben erklärt – entweder Steuern auf die Dividende und auf die Differenz zwischen Vorabpauschale und Dividende anfallen oder – wenn die Dividende höher ist als die Vorabpauschale – nur auf die Dividende.

Haben Sie das Ziel, die Steuerzahlung hinauszuzögern, fahren Sie derzeit geringfügig besser mit thesaurierenden ETFs. Ob das für Sie sinnvoll ist, hängt allerdings von Ihrer persönlichen Situation ab. Es kann vorteilhaft sein, Erträge schon früher mitzunehmen, um den Steuerfreibetrag ideal auszunutzen.

ETF-Steuerrechner

Zugegeben: Die Berechnung der Steuern auf ETF ist kompliziert. Gut, dass Ihre Depotbank das automatisch für Sie erledigt.

Wenn Sie dennoch selber nachrechnen möchten, können Sie sich helfen lassen: Diverse Online-Portale bieten ETF-Steuerrechner, in die Sie nur noch wenige Kennzahlen eintragen müssen.

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