Experten rechnen mit steigenden Spritpreisen

Eine Tankstelle in Berlin: Die Preise könnten schon bald deutlich steigen. (Quelle: imago images)
Experten gehen wegen der Krise im Iran von weiter steigenden Rohöl-Preisen aus. Diese werden sich auch an den Zapfsäulen in Deutschland niederschlagen.

Deutsche Verbraucher könnten die Eskalation im Iran schon bald an der Tankstelle zu spüren bekommen. Experten und Analysten gehen davon aus, dass der Ölpreis mit einer Zuspitzung des Konflikts weiter anziehen wird. Mittelfristig steigt damit auch der Preis für Benzin und Diesel.

Am Montag lag der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) zeitweise bei 64,72 US-Dollar je Barrel (159 Liter). Das ist der höchste Wert seit vergangenem April 2019. Deutlich nach oben ging es auch mit dem Preis der europäischen Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee, die für deutsche Verbraucher relevant ist. Hier stieg der Preis pro Fass um 1,63 Dollar auf zwischenzeitlich 70,23 US-Dollar.

Zwar verharrte der Brent-Preis damit unter dem Stand, der im September 2019 bei 71,95 Dollar erreicht worden war. „Aufgrund der jüngsten Entwicklungen und Ankündigungen können wir aber davon ausgehen, dass auch diese Marke schon bald überschritten werden könnte“, sagt Rohstoff-Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank. „Die Märkte sind stark verunsichert, die Händler preisen mögliche Angebotsausfälle ein und nehmen entsprechende Risikoaufschläge.“

Öl-Preis könnte auf mehr als 80 US-Dollar steigen

Komme es zu keiner merklichen Entspannung der Lage im Mittleren Osten, rechnen Fritsch und seine Kollegen mit einem weiteren Anstieg. Möglich sei etwa, dass der Iran als Vergeltungsmaßnahmen Öleinrichtungen in der Region angreift oder den Tankerverkehr in der Straße von Hormus stört. „In diesem Fall gehen wir davon aus, dass der Preis für ein Barrell Brent-Rohöl kurzfristig auf mehr als 72 US-Dollar steigt“, sagt er.

Die schlimmsten Befürchtungen hegen die Commerzbank-Analysten mit Blick auf den Irak. Nachdem das irakische Parlament den Abzug der US-Soldaten beschlossen hat, könnte das Land in die politische Instabilität abrutschen. „Stürzt der Irak ins Chaos, drohen kurzfristig Angebotsausfälle von rund 4 Millionen Barrell Rohöl pro Tag“, sagt Fritsch. Für solche Ausfälle gäbe es am Markt nicht genügend Reserven: „In diesem Fall könnte der Brent-Preis sprunghaft auf 75 bis 80 US-Dollar ansteigen.“

Experten rechnen mit höheren Benzinpreisen

Die wahrscheinliche Folge für den deutschen Autofahrer: deutlich höhere Spritpreise. Jörg Kirst vom Berliner ADAC betrachtet die Entwicklungen ebenfalls mit Sorge. „Der Benzinpreis ist an den Rohölpreis gekoppelt“, sagt er. „In der Regel macht sich ein Preisanstieg auf den Ölmärkten binnen einer Woche auch an der Zapfsäule bemerkbar.“

Wie hoch genau der Preisanstieg bei Benzin ausfällt, lasse sich jedoch nicht seriös sagen. Eine Faustformel gebe es nicht, betont auch Alexander von Gersdorff, Pressesprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes. „Klar ist aber: Sollte der Rohölpreis aufgrund der Eskalation im Iran weiter steigen, gehen auch die Spritpreise hoch“, sagt er. „Meist steigen die Preise dabei langsam und fallen schnell, sofern es zu einer Entspannung kommt.“

Der Benzinpreis unterliegt dabei dem Einfluss verschiedener Faktoren. Nicht zuletzt hänge er auch stark von Spekulationen an der Börse ab. Zuletzt stiegen die Spritpreise in Deutschland bereits stark an. Während der Preis für einen Liter Super Anfang Dezember 2019 noch bei durchschnittlich 1,36 Euro lag, müssten Autofahrer nunmehr im Schnitt 1,40 Euro je Liter Super bezahlen, so von Gersdorff.

ADAC-Experte Kirst rät Autofahrern deshalb zum regelmäßigen Vergleich der Tankstellen. „Es gibt bisweilen große regionale Unterschiede“, sagt er. Allein in Berlin variierten die Preise für Benzin um bis zu 10 Cent pro Liter. „Unser Tipp lautet deshalb: Vergleichsportale im Internet nutzen und gezielt nach günstigen Angeboten in der Umgebung Ausschau halten.“

Höchstwerte an der Zapfsäule noch in weiter Ferne

In der Vergangenheit sorgten konjunkturellere und politische Spannungen immer wieder für starke Schwankungen und Ausschläge bei den Öl- und Benzinpreisen. So stieg der Ölpreis etwa im Zuge des Konflikts um das iranische Atomprogramm im Jahr 2012 stark an.

Damals lag der Preis für ein Fass Brent-Öl kurzzeitig bei rund 128 US-Dollar. An der Tankstelle mussten deutsche Autofahrer in diesem Jahr zwischenzeitlich mehr als 1,67 Euro für den Liter Super bezahlen – so viel wie nie zuvor in der deutschen Geschichte.

Ab dem Jahr 2014 sanken die Preise für Öl und Sprit. Grund für diese Entwicklung war unter anderem, dass die USA durch die Fracking-Technologie die Ölproduktion stark ausbauen konnte, wodurch das weltweite Angebot stieg.

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