Frauen machen Filme: Weiber G’schichten aus aller Welt

Szene aus „Girls’ War“ von Mylène Sauloy über die Kämpferinnen der kurdischen Meliz YPG Foto: Women Make Movies

Ein virtuelles Filmfestival: Die New Yorker Initiative Women Make Movies bietet auf ihrer Seite Filme zum Streamen an.

Die Dienerschaft des Großgrundbesitzers ist zum Empfang angetreten. Das Anwesen, auf dem er wohnt, lässt sich nur in einer Luftaufnahme wirklich überblicken. Das Gespräch, das die pakistanische Filmemacherin Sabiha Sumar mit dem Großgrundbesitzer und Abgeordneten führt, kreist um die Frage, wie Pakistan zu dem geworden ist, was es heute ist. Doch die Frage, die Sumar in ihrem Film „Azmaish: A Journey Through the Subcontinent“ aufwirft, ist größer und umfasst Pakistan, Indien und das Verhältnis der beiden Länder zueinander.

Gemeinsam mit der indisch-französischen Schauspielerin Kalki Koechlin reist Sumar durch die beiden Länder. In zahllosen Gesprächen formt sich ein komplexes, teils widersprüchliches, aber stets aufschlussreiches Bild der Veränderungen, die sich seit der Unabhängigkeit von Großbritannien in beiden Ländern vollzogen haben. Sabiha Sumar ist eine Veteranin des unabhängigen ­Dokumentarfilms in Pa­kis­tan. Ihr Film ist einer von einer ganzen Reihe, die die New Yorker Initiative Women Make Movies jetzt zum Streamen anbietet.

Das Virtual Film Festival war ursprünglich aus Anlass des Internationalen Frauentags und des Women’s History Month geplant und wurde nun wegen des Coronavirus bis Ende Mai verlängert. Nach einer kostenlosen Registrierung bekommt man ein Passwort für das Festival zugeteilt. Das Angebot von aktuell zwölf Filmen soll in den kommenden Wochen weiter wachsen.

Women Make Movies ist eine 45 Jahre alte Institution

Women Make Movies ist eine Institution. Seit über 45 Jahren unterstützt die New Yorker Initiative weibliche Filmemacherinnen, vertreibt deren Filme, organisiert Retrospektiven und produziert Filme. Über 700 Filme befinden sich im Vertrieb der Initiative. Mit Spenden kann man sowohl die Initiative insgesamt als auch konkrete Filmprojekte oder einzelne Filmemacherinnen unterstützen.

Die ersten zwölf Filme sind sämtlich Dokumentarfilme, inhaltlich schlagen sie jedoch einen breiten Bogen. Zu den Filmen, die bereits online stehen, zählt auch die Fernsehdokumentation „Girls’ War“ der französischen Regisseurin Mylène Sauloy über die Kämpferinnen der kurdischen Meliz YPG im Kampf gegen den „Islamischen Staat“.

Die US-Filmemacherin Ellie Lobovits folgt in ihrem halbstündigen Dokumentarfilm „Birth on the Border“ zwei Frauen, die sich aus Ciudad Juárez in Mexiko auf den Weg in die USA machen, um dort ihre Kinder zu kriegen. Und die kanadische Filmemacherin Myriam Fougère erkundet in „Feminista: A Journey to the Heart of Feminism in Europe“ feministische Bewegungen von der Türkei bis an die Atlantikküste.

Porträt zweier Tunesierinnen

Jessie Deeter zeigt in „A Revolution in Four Seasons“ die Zeit nach den Aufständen in Tunesien, die den langjährigen Machthaber Zine el-Abidine Ben Ali stürzte und den Beginn des Arabischen Frühlings markierte. Während dieser in den meisten Ländern scheiterte, hat er sich in Tunesien als halbwegs dauerhaft erwiesen.

Deeter porträtiert zwei Frauen von verschiedenen Polen des politischen Spektrums in Tunesien – die Bloggerin Emna Ben Jemaa und die Englischlehrerin und Jugendfunktionärin der islamistischen Ennadha-Partei Ja­whara Ettis. Während Emna Ben Jemaa sagt, sie habe sich immer in erster Linie als Bürgerin gesehen und nicht als Frau, sagt Ja­whara Ettis, die Verbesserung der Rolle der Frau sei ihr ein zentrales Anliegen.

Das Virtual Film Festival von Women Make Movies fügt dem internationalen Streamingangebot eine Vielfalt von Stimmen hinzu. Weibliche Filmemacherinnen mit Geschichten aus aller Welt, die immer wieder aufs Neue deutlich machen, dass die Geschichten, von denen die Filme handeln, komplexer sind als zunächst gedacht. Auch im Falle des Streamingangebots von Women Make Movies steht zu hoffen, dass die Ausnahmesituation in Viruszeiten nur ein Testlauf ist. Zu wichtig sind die Filme, um auf sie in Zukunft wieder verzichten zu müssen.

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