Gestrandete Urlauber: Rückholaktion für Touristen läuft an

Charterflüge Gestrandete Urlauber: Rückholaktion für Touristen läuft an 18.03.2020, 17:45 Uhr | dpa Charterflüge - Gestrandete Urlauber: Rückholaktion für Touristen läuft an. Eine Lufthansamaschine aus Tunis kommt in München an. Eine Lufthansamaschine aus Tunis kommt in München an. Foto: Peter Kneffel/dpa. (Quelle: dpa)
Berlin (dpa) – Die größte Rückholaktion für Deutsche aus dem Ausland in der Geschichte der Bundesrepublik ist angelaufen.

Am Nachmittag landete in München die erste von der Bundesregierung gecharterte Maschine mit Urlaubern aus Tunesien, die wegen Reisebeschränkungen in der Corona-Krise in dem nordafrikanischen Land gestrandet waren. Am Abend wurden zwei Maschinen aus dem ägyptischen Badeort Hurghada in München und drei aus Marokko in Frankfurt am Main erwartet. Nach Angaben des Auswärtigen Amts sind noch mehr als 100.000 deutsche Touristen im Ausland – unter immer schlechter werdenden Bedingungen.

Der Lufthansa-Airbus A321 aus Tunesien brachte etwa 150 Urlauber zurück nach Deutschland. Nach Passagierangaben war er nur zu drei Vierteln gefüllt. Susanne Schlaadt aus Nordrhein-Westfalen berichtete nach der Landung von chaotischen Verhältnissen bei der Abreise. „Die haben uns seit Montag am Flughafen mit gecancelten Flügen fast verhungern lassen“, sagte die Krankenschwester der Deutschen Presse-Agentur. Die Imbisse seien alle geschlossen gewesen, mehr als 1000 Deutsche hätten letztlich am Flughafen auf die Rückreise gewartet.

In den vergangenen Tagen hatte Tunesien wie zahlreiche andere Länder weltweit wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus Grenzen dicht gemacht und Flugverbindungen gekappt. Da Deutschland inzwischen zu den Hauptrisikoländern gehört, sind Bundesbürger besonders stark von den Einschränkungen betroffen.

Bundesaußenminister Heiko Maas hatte deswegen am Dienstag angekündigt, Deutsche aus den Ländern zurückzuholen, aus denen es keine regulären Linienflüge mehr gibt. Dafür sollen von Lufthansa, Condor und Tui für 50 Millionen Euro 30 bis 40 Maschinen gechartert werden. Die Passagiere müssen sich voraussichtlich mit dem Betrag für ein Economy-Ticket an den Kosten beteiligen.

Neben den Regierungs-Flügen organisieren die Fluggesellschaften und Reiseveranstalter schon seit dem Wochenende auf eigene Faust Sonderflüge, um Reisende zurückzuholen. Vom Reisekonzern Tui werden nach Angaben eines Sprechers täglich etwa 10.000 Passagiere zurückgebracht. Dazu gehörten aber auch Rückflüge, die die konzerneigene Linie Tuifly bereits im Plan hatte. Die Airlines der Lufthansa Group haben bisher 139 Sonderflüge für rund 20.000 Urlauber aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien durchgeführt oder geplant. Condor will in den nächsten Tagen 50.000 Urlauber zurückbringen.

Das sind einige Hotspots für die Aktion, die Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) „Luftbrücke“ genannt hat:

ÄGYPTEN

Hier warten 30.000 deutsche Touristen auf ihre Heimflüge. Die ägyptische Regierung hat angekündigt, ab Donnerstag den Flugverkehr einzustellen. Zahlreiche Hotels in Hurghada am Roten Meer haben Touristen in ihren Zimmern bereits unter Quarantäne gestellt, nachdem auch dort Covid-19-Fälle aufgetaucht sind. Nach offiziellen Angaben sind in der Region Rotes Meer 20 Personen mit dem Coronavirus infiziert. „Man hat uns gesagt, dass sie uns Essen und Getränke vor die Tür stellen würden“, sagte Diana Pusch aus Weimar, die inzwischen einen Flug nach Deutschland bekommen hat. Viele Urlauber fühlen sich schlecht informiert und von den deutschen Reiseunternehmen im Stich gelassen.

MAROKKO und TUNESIEN

Neben Ägypten zählen auch diese beiden Urlaubsländer in Nordafrika zu den ersten Zielen der „Luftbrücken“-Flieger. Dort spitzt sich die Lage seit Tagen zu. Die tunesische Regierung verhängte ab Mittwoch eine landesweite nächtliche Ausgangssperre. Schulen, Kindergärten und Restaurants sind de facto geschlossen. Nach dpa-Informationen befinden sich derzeit mindestens 650 deutsche Touristen allein auf der Ferieninsel Djerba, in ganz Tunesien sollen es mehr als 1000 sein, in Marokko sogar 4000 bis 6000. Beide Länder haben den Flug- und Fährverkehr eingestellt, lassen aber noch Flüge einiger weniger Fluglinien zu.

SÜDAFRIKA

Auf dem Kreuzfahrtschiff „Aida Mira“ sitzen 1240 Passagiere vor allem aus Deutschland und Österreich fest. Auch die 486 Besatzungsmitglieder durften das seit Montag im Hafen von Kapstadt liegende Schiff nicht verlassen. Zuvor waren sechs Passagiere wegen möglicher früherer Coronavirus-Kontaktfälle vorsorglich geprüft worden. Man habe der Reederei nun mitgeteilt, dass alle Tests negativ seien, hieß es am Mittwoch. „Damit sollte dem Transport unserer Gäste vom Schiff zu Flugzeugen, die die Gäste nach Hause bringen sollen, nichts im Wege stehen“, zeigte sich eine Sprecherin optimistisch.

PHILIPPINEN

Für die Philippinen, wo mehr als 1000 Deutsche festsitzen, sind zwei Rückholflüge der Bundesregierung für Donnerstag und Freitag geplant. Weitere sollen folgen. „Wir machen alles, was wir können, um allen zu helfen“, sagte Vize-Botschafter Roland Schissau. Präsident Rodrigo Duterte hatte den südostasiatischen Inselstaat zur Katastrophenregion erklärt. Die Insel Luzon, auf der die Hauptstadt Manila liegt, ist für einen Monat im Ausnahmezustand – Schulen, Verkehrsmittel und Flüge fallen aus.

In den sozialen Medien wird die Aktion von vielen kritisch verfolgt. „Wann sind die Touristen abgeflogen? Etwa noch im Februar oder Anfang März? Dann auf Kosten der Steuerzahler diese Leute zurückholen? Geht’s noch?“, lautet ein Kommentar zur Ankündigung der Luftbrücke durch den Außenminister. Das Auswärtige Amt hat allerdings auch sehr spät von Auslandsreisen abgeraten. Erst vor gut einer Woche gab es einen entsprechenden Hinweis für ganz Italien, das am stärksten betroffene Land in Europa. Erst seit Sonntag rät die Bundesregierung generell von Auslandsreisen ab. Und die jetzt bestehende Reisewarnung wurde von Maas erst am Dienstag der laufenden Woche ausgesprochen.

Alle Urlauber wollen übrigens nicht zurück. Peter Meier, ein deutscher Urlauber auf den Malediven, will nun sein Homeoffice in dem Inselstaat im Indischen Ozean eröffnen. Es sei dort viel sicherer als in Deutschland, sagte der Mann, der in der Finanzwirtschaft arbeitet, der dpa. „Hier gibt es viele kleine Inseln mit wenig Austausch untereinander – das sind quasi viele kleine Quarantänen.“Gestrandete Urlauber

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