Gottschalk mahnt bei „Markus Lanz“: „Kümmere dich doch mal um deine Gäste hier“


Dank des mittlerweile 69-Jährigen mit den blonden Locken habe Ines damals eine Ahnung vom Westen bekommen. „Da war auf einmal eine andere Welt. Dahinter gab es noch etwas“, sagt die heutige Schriftstellerin.

Frau Geipel ist eigentlich eingeladen, um etwas zum AfD-Höhenflug in Ostdeutschland zu sagen. Sie ist dafür prädestiniert, weil sie eine besondere Biografie hat: 1984 lernte sie einen mexikanischen Geher kennen, verliebte sich und wollte fliehen. Bei einer OP zerschnitten Ärzte ihr deshalb absichtlich so die Bauchdecke, dass sie ihren Sport aufgeben musste. Sie sagt: „Der AfD ist es gelungen, das verschweißte DDR-Kollektiv wieder neu zu beleben. Wir grenzen wieder aus, wir werden wieder klein.“ Sie wolle das nicht, sagt sie, und redet emotional weiter.

Toxisch brauner Osten

„Es ist ein toxisch brauner Osten. Das lässt sich nicht wegmoderieren“, sagt Ines Geipel weiter und kommt immer mehr in Fahrt. Die anderen Gäste hören bewegt zu. „Die Atmosphäre, die diese Wahl bedingen wird, ist uns jetzt noch nicht klar. Die Pamper-Rhetorik für den Osten wurde lange genug gefahren. Ich finde, jetzt ist Schluss.“ Sie meint damit etwa die 2,5 Billionen Euro, die vom Westen in den Aufbau Ost geflossen sind und die ewige Opferrolle, die die Ostbürger einnehmen würden.

Ines Geipel stellt fest: „Der Westen ist abgehängt. Ich stelle mir die Frage, wo ist eigentlich die Wut des Westens.“ Diese Wahl, die so gut für die AfD gelaufen ist, sei keine Protestwahl gewesen. Im Gegenteil: Der Osten habe damit eine klare politische Haltung gezeigt.

Angst vor dem Shitstorm

„Die Volksparteien wurden von den Alten und den Frauen gerettet“, konstatiert die Politikredakteurin Christiane Hoffmann und scherzt, dass die Lösung des AfD-Problems vielleicht das reine Frauenwahlrecht wäre. Überdies sind sich die Gäste einig, dass die sozialen Medien umso mehr auch bei dieser Wahl einen großen Einfluss gehabt hätten. Wer tatsächlich mal etwas Substanzielles sage, müsse immerzu mit einem Shitstorm rechnen.

Ralph Brinkhaus, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sagt: „Es ist nicht zu bestreiten, dass man die Schere im Kopf hat. Aber wir müssen den Shitstorm aushalten. Wir brauchen aber eine höhere Fehlertoleranz.“ Soll heißen: Man traue sich immer weniger im Internet Stellung beziehen, weil kleineste Schwächen sofort ausgeschlachtet werden.

Gottschalks Therapiesitzung

Tatsächlich ist es die Nacht des Gottschalk. Selbst einem, der so gerne von sich spricht, wird das irgendwann so unangenehm, dass er sich umschaut und Markus Lanz mahnt: „Kümmere dich doch mal um deine Gäste hier!“ Aber da sind es auch nur noch fünf Minuten bis zum Sendeschluss. Bis dahin redet Gottschalk drauflos.

„Es hat sich herausgestellt, man zuckt noch mit 60 Jahren. Ich bin aber jetzt umgeben von einer Welt, die ich nicht mehr verstehe. Vorher hat mich nichts aus der Bahn geworfen. Das Alter aber hat mich jetzt überfallen. Ich nehme die Zeit jetzt ernst“. Der Mann, der als Moderator von „Wetten, dass…?“ stets die Zeit überzog, ist beim „Wetten, dass…?“-Kollegen Lanz zu einer Art Therapiesitzung über das Älterwerden geladen. Das scheint ihm offenbar großen Spaß zu machen.

Gottschalk: „Ich habe mich geschont“

Er habe damals immer sein Heil in der frohen Botschaft gesucht und nicht in der unangenehmen Wahrheit, berichtet Gottschalk. Auch habe er sich immer sein eigenes Leben schönmoderiert. Aber wer könne schon von sich sagen, er habe sich seine Träume mit Gummibärchen und Baggerwetten leisten können. Er sei immer eine Rampensau gewesen. Er wolle geliebt werden. „Mir ist es egal, woher mich die Leute kennen – Hauptsache sie kennen mich.“

Dann kommt das Gespräch auf Gottschalks Trennung von seiner Frau Thea nach 40 Ehejahren und die neue, deutlich jüngere Frau namens Karina an seiner Seite. (Karina sitzt passenderweise gleich hinter Gottschalk in der Zuschauerrunde.) „Mit ist das eben passiert und ich muss damit umgehen. Ich habe mir letztendlich den Wagemut gegönnt. Ich hatte so ein harmloses Leben. Ich kann die Aufregung jetzt gut vertragen. Ich habe mich viele Jahre geschont.“ Es sei ihm egal, ob andere Leute seinen Schritt nachvollziehen könnten. Wichtig sei nur, dass er alles nachvollziehen kann.

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