Haltbarkeit von H-Milch ist schwer zu bestimmen

ESL-Milch: Bestimmte Milchsorten halten sich länger als andere. (Quelle: Rüdiger Wölk/imago images)
Milch ist ein leicht verderbliches Lebensmittel. Doch einige Sorten halten sich mittlerweile recht lange. Auf die richtige Lagerung und bestimmte Zeichen sollten Sie dennoch achten.

„Meinst du, die ist noch gut?“ Diese Frage ist typisch in Bezug auf die Haltbarkeit von Milch. Die Antwort lautet immer ähnlich: „Lass mich mal riechen. Riecht nicht sauer. Die können wir noch trinken.“ Doch was viele nicht wissen: Bei H-Milch versagt der Geruchstest, denn sie wird nicht sauer. Wir haben bei der Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) nachgefragt, warum das so ist und woran man wirklich erkennen kann, dass Milch schlecht ist.

H-Milch kann nicht sauer werden

„Es gibt einen einfachen Grund, warum H-Milch nicht sauer werden kann“, erklärt Armin Valet, Experte für Ernährung und Lebensmittel der VZHH. „Sie besitzt keine Milchsäurebakterien mehr.“ H-Milch, also ultrahocherhitzte Milch, wird für mindestens eine Sekunde auf 135 bis 150 Grad erhitzt. Bei diesem Prozess werden nicht nur schädliche Keime abgetötet, sondern auch die nützlichen Milchsäurebakterien. So ist die ungeöffnete Milch zwar bis zu zwölf Wochen bei Zimmertemperatur haltbar, aber sie kann auch nicht mehr sauer werden.

H-Milch flockt nicht aus

Wenn man nicht riechen kann, ob die Milch schlecht ist, kann man es dann sehen? „Das Ausflocken ist bei H-Milch ebenfalls kein verlässliches Warnzeichen. Denn auch hierfür werden Milchsäurebakterien benötigt“, erklärt Valet. Das sicherste Zeichen, dass H-Milch nicht mehr für den Verzehr geeignet ist, ist deshalb der Geschmack. Habe das Tierprodukt ein muffiges oder bitteres Aroma, sollte man es besser entsorgen. Es sei in der Regel zwar nicht gesundheitsschädlich, aber eben nicht mehr genießbar.

„Keime kommen von außen in die H-Milch“

Kritisch wird es erst, wenn Bakterien, Viren oder Schimmelsporen von außen in die Milch gelangen. Zum Beispiel, weil man direkt aus dem Beutel trinkt oder die geöffnete Milch länger außerhalb des Kühlschranks steht. „Es sind die Keime und Schimmelpilze, die von außen in die H-Milch kommen, die uns krank machen können, nicht die Milch selbst“, erklärt der Verbraucherschützer.

Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall sind dann mögliche Folgen. Krankheitserreger, die über Tröpfcheninfektion weitergegeben werden, wie beispielsweise Erkältungs- und Grippeviren, verbreiten sich ebenfalls, wenn man direkt aus dem Beutel trinkt. Das gilt allerdings für jedes Getränk, nicht nur für Milch.

Schmeckt die Milch seltsam: besser entsorgen

Daher sollte H-Milch, die seltsam schmeckt, sicherheitshalber entsorgt werden. „Zum einen ist sie kein Genuss mehr, zum anderen kann sie besonders für die Gesundheit von Schwangeren, Kindern oder älteren Menschen riskant sein“, erklärt der Experte. Generell sollten die genannten Risikogruppen immer zu erhitzter Milch statt zu Rohmilch greifen. Zwar habe sie weniger Vitamine als frische Milch, sei aber keimfrei. „Der Kalziumgehalt in der Milch wird durch Hitze übrigens nicht beeinflusst“, ergänzt Valet.

Milch immer im Kühlschrank aufbewahren

Nach Angaben der VZHH ist ungeöffnete Milch auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD) noch drei Tage genießbar. Geöffnet und im Kühlschrank halte Frischmilch rund drei Tage, H-Milch sei bis zu sieben Tage haltbar. „Es kommt allerdings immer darauf an, wie mit Milch umgegangen wird. Steht sie geöffnet bei Zimmertemperatur herum, verdirbt sie schneller als im Kühlschrank“, so der Experte.

Um wirklich sicher zu sein, dass die Milch beim Verzehr noch genießbar ist, rät das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, sowohl bei Frischmilch als auch bei H-Milch, die Vier-Tage-Regel einzuhalten. Als Faustregel gilt: Milch nach dem Öffnen so bald wie möglich aufbrauchen.

Die Lagerung im Kühlschrank ist mit fünf bis acht Grad ideal. Wichtig ist zudem, dass die Milch immer verschlossen aufbewahrt wird. Nicht nur als Schutz vor Keimen, sondern auch, weil Milch schnell andere Gerüche annimmt und dann ebenfalls nicht mehr schmeckt.

Wie lange ist „ESL“-Milch haltbar?

Zwischen herkömmlicher Frischmilch und H-Milch gibt es mittlerweile auch die sogenannte ESL-Milch, die länger haltbare Frischmilch. „ESL“ steht dabei für das englische „extended shelf life“ – ein längeres Leben im Kühlschrank. Diese Milch wird in einem Verfahren für wenige Sekunden auf bis zu 127 Grad erhitzt – der Nachteil ist, dass dadurch ein leichter Kochgeschmack entsteht.

Eine andere Möglichkeit, die ESL-Milch länger haltbar zu machen, ist die Trennung der Milch in Magermilch und Rahm. Die Magermilch wird mit mikrofeinen Filtern entkeimt und nur der Rahm und der Filterrückstand werden wenige Sekunden auf Temperaturen bis zu 127 Grad erhitzt. Die filtrierte Magermilch wird nur auf 72 bis 75 Grad erhitzt, bevor alle Bestandteile wieder zusammengeführt werden.

ESL-Milch ist ungeöffnet und gekühlt bis zu vier Wochen haltbar und unterscheidet sich qualitativ kaum von der traditionellen Frischmilch. Die Verbraucherzentrale kritisiert allerdings: „Milch, die länger als sieben Tage haltbar ist, sollte nicht mehr als ‚frisch‘ bezeichnet werden dürfen. Das würde die Unterscheidung zwischen herkömmlich pasteurisierter Milch und ‚länger haltbarer‘ Milch vereinfachen. Die Angabe ‚traditionell hergestellt‘ scheint nicht eindeutig zu sein und sollte deshalb dem Verbraucherverständnis angepasst werden.“

Source link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.