Jetzt kaufen oder noch warten?

Wann sinken endlich die Immobilienpreise? Im kommenden Jahr voraussichtlich nicht. Ein Grund: die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die befördern den Hype – noch.

Fast überall in Deutschland mussten Immobilienkäufer auch im Jahr 2019 wieder tiefer in die Tasche greifen. Zwar veröffentlicht das Statistische Bundesamt erst am 30. Dezember die Wohnimmobilien-Preise für das dritte Quartal 2019, die für das vierte folgen am 26. Februar 2020. Doch bereits im zweiten Quartal zeichnete sich ein Trend ab, der für das zweite Halbjahr 2019 die Richtung vorgibt.

Demnach zogen die Preise für Wohnimmobilien um 5,2 Prozent an – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Laut der Wiesbadener Behörde war der Ansturm auf Immobilien in den sieben größten Städten der Republik besonders groß. In Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart und Düsseldorf verteuerten sich Ein- und Zweifamilienhäuser um zehn Prozent. Für Eigentumswohnungen mussten Käufer 8,6 Prozent mehr zahlen. Moderater fiel der Anstieg in den anderen kreisfreien Großstädten ab 100.000 Einwohnern aus. Dort stiegen die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser um rund sieben Prozent.

Die zweite schlechte Nachricht: Immobilienkäufer werden sich auch in den kommenden zwölf Monaten an diese Situation gewöhnen müssen – sowohl in Ballungsräumen als auch auf dem Land. Darin sind sich die meisten Experten einig. Dabei sind es vor allem drei Faktoren, die den Immobilienboom anheizen.

Niedriges Zinsniveau macht Baugeld günstig

Zum einen historisch niedrige Zinsen – und die Aussicht, dass sich daran auch im Jahr 2020 nichts grundlegend ändert. „Die Notenbanken setzen weiterhin auf eine lockere Geldpolitik, um Konjunktur und Inflation anzukurbeln. So schwierig diese Geldpolitik für Sparer ist, so sehr profitieren Immobilienkäufer mit Finanzierungsbedarf von ihr“, sagt Mirjam Mohr, Vorständin des Baufinanzierers Interhyp.

Auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Direktbank ING Deutschland, ist überzeugt: „Die Zinsmärkte bleiben weiter im Bann der Notenbanken. In der Eurozone hat die neue Präsidentin alle Hände voll zu tun, um den Riss innerhalb des EZB-Rates zu kitten. Darum wird die Europäische Zentralbank auf absehbare Zeit in Wartestellung gehen und nur im Falle eines weiteren konjunkturellen Abrutschens die Zinsen noch mal senken.“ Baugeld bleibt demnach weiterhin günstig.

Ungebrochener Zuzug in die Städte hält an

Zudem treibt der weiterhin ungebrochene Zuzug in die Städte den Immobilienboom an. Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) stuft die Nachfrage in vielen Städten, sowohl von Nutzern als auch von Investoren, nach wie vor als hoch ein. Das geht aus den Zahlen des IW-Immobilien-Indexes im vierten Quartal 2019 hervor. Der Index erfasst vierteljährlich die Geschäftslage von großen Immobilienunternehmen.

Und: Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der deutschen Haushalte um fast sechs Prozent steigen, so eine Studie der Universität Freiburg. Sie hat die langfristige Entwicklung des Immobilienmarktes untersucht. Die Gründe für den Anstieg sind im Übrigen mehr (Single-)Haushalte und ein größerer Wohnflächenbedarf pro Person. Die Bevölkerungszahl wird indes zurückgehen.

Passable konjunkturelle Aussichten für 2020

Als dritter wichtiger Faktor gilt die immer noch passable Konjunktur in Deutschland. Zwar soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im kommenden Jahr nur um 0,9 Prozent wachsen, dennoch zeichnet sich kein schwerer Konjunktureinbruch ab, der sich auf den Wohnimmobilienmarkt auswirken könnte. Mehr noch: Zu den optimistischen Branchenverbänden zählen laut IW unter anderem die Bauindustrie und die Immobilienwirtschaft, die mit Zuversicht in das Jahr 2020 gehen.

Immobilienkauf: Das sollten Sie beachten

Wer im kommenden Jahr plant, eine Immobilie zu kaufen, sollte sich dennoch nicht von den Preisen abschrecken lassen. Stiftung Warentest empfiehlt, sich vor dem Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Eigenheimes erst einmal den örtlichen Immobilienmarkt gut anzuschauen. Die Verbraucherschützer geben für 115 Städte und Kreise einen detaillierten Überblick über Kaufpreise und Mieten, die je nach Lage und Ausstattung Ende 2018 gezahlt wurden. Der Testbericht zeigt, wann sich der Kauf einer eigenen Immobilie voraussichtlich lohnt.

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