Karl Lagerfeld: Michael Michalsky über die „Ikone“ und ihre Freundschaft


Herr Michalsky, wann haben Sie Karl Lagerfeld kennengelernt und wie war der erste Eindruck?

Das war 2004. Ich war damals Chefdesigner von Adidas und suchte für eine Kampagne einen guten Fotografen und habe Karl engagiert. Meine Gedanken in den ersten Momenten des Treffens waren ein Mix aus Aufregung, Neugierde und Ungläubigkeit. Ich meine, ich hatte ja damals schon einen recht wichtigen Job in der Branche – aber Karl. Der war einfach eine Ikone! Aber er war gut drauf und seine direkte Art hat das Eis sofort gebrochen. Ich hatte keine Angst vor dem, ich war ja der Auftraggeber.

Wie würden Sie ihre Beziehung beschreiben?

Wir haben uns selten gesehen, sind aber irgendwie nach dem Kennenlernen immer in Kontakt geblieben. Und wenn wir uns trafen, war da sofort ein Gespräch. Kein Smalltalk. „Wie geht’s dir? Was machst du?“ und so weiter. Es ging immer gleich um die Themen, die uns beschäftigten. Mode natürlich, Musik, Kunst und die Branche. Und Karl hat auch lustige Sachen gemacht. Eines Tages kam eine Fotokarte mit kurzen Grüßen. Karl in Michalsky… Er hatte einfach Klamotten von mir angezogen und sich damit fotografiert. Er sagte, ich solle das Bild ruhig für die Werbung verwenden. Karl als Michalsky-Testimonial, sozusagen. Das habe ich aber nie gemacht. Für mich war das privat.

Karl Lagerfeld Michael Michalsky

Diese Grußkarte schickte Karl Lagerfeld seinem Freund und Kollegen Michael Michalsky im Juli 2008

Die Reaktionen vieler Prominenter auf Lagerfelds Tod sind wahnsinnig emotional – warum hat er so viele Menschen so nachhaltig berührt?

Ist das eine ernsthafte Frage? Karl hatte in so vielen Kreativbereichen so weitreichenden Einfluss. Jeder kennt den Namen. Weltweit. Dazu trug sicher bei, dass Karl keine „geschliffene“ Medienfigur war. Kein Produkt der Werbung. Karl war hochgradig authentisch. Das mögen die Menschen. Wahrhaftigkeit und Klarheit.

Karl Lagerfelds Urteil über Heidi Klum war ziemlich gemein und vernichtend („Ich kenne die nicht. Claudia kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht“). Was denken Sie darüber, beziehungsweise wie haben Sie ihre freundschaftliche Solidarität zu beiden aufrecht erhalten?

Witzig ist, dass ich nie mit Karl über Heidi gesprochen habe. Heidi habe ich ja auch erst später kennengelernt. Ich weiß also gar nicht, woher die Animositäten kamen. Wenn es denn welche gab. Aber das ist auch egal. Heidi ist eine enge Freundin von mir, ein ganz anderer Mensch als Karl. Aber nicht weniger interessant und liebenswert.

Welche Bedeutung hat Karl Lagerfeld für die Mode?

Im Rückblick eine nicht zu unterschätzende. Karl hat geschafft, woran viele Kreative scheitern, über viele viele Jahre ständig neue Trends zu entwerfen. Die Vergangenheit hat ihn nie gross interessiert. Er hat immer nach vorn geschaut. Wandel und Veränderung im Blick. Er war ein Meister dieses Prinzips. Und genau diese Einstellung wird bleiben, lang über die Zeit hinaus, wenn wir einzelne Kollektionen oder Entwürfe von ihm längst vergessen haben.

Haben Sie beim Design Ihrer Kreationen darüber nachgedacht, wie Lagerfeld darüber denken/die beurteilen würden? Kommt einem so etwas als Designer in den Sinn?

Nein, nie. Wenn man kreativ sein will; wirklich neue Ansätze sucht, dann ist es tödlich, sich an anderen Meinungen zu orientieren. Ich entwickle meine Handschrift, meine Sicht der Dinge. Andere mögen das lieben oder nicht. Darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Und schon gar nicht im Designprozess selbst.

Michael Michalsky wird am heutigen Mittwochabend um 22.15 Uhr bei stern TV zu Gast sein

Trailer: Das sehen Sie heute in der Sendung



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