Katamaran Energy Observer: Kaffee zu kochen heißt, zwei Minuten später anzukommen


In sechs Jahren und 101 Stopps um die Welt: Der Katamaran Energy Observer besucht auf seiner mehrjährigen Tour rund um die Welt an diesem Wochenende den Hafengeburtstag in Hamburg. Die Hansestadt ist der 36. Hafen, den das Schiff, das vollständig energieautark ist und keine Schadstoffe emittiert, anläuft.

Die Energy Observer ist ein gut 30,5 Meter langer und knapp 13 Meter breiter Katamaran. Seit Juni 2017 ist das Boot in doppelter Mission unterwegs: Zum einen möchten Skipper Victorien Erussard und Expeditionsleiter Jérôme Delafosse zeigen, dass Wasserstoff und andere erneuerbare Energien verlässlich genug funktionieren, um mit ihnen als Antrieb die Ozeane zu überqueren. Zum anderen wollen sie Projekte besuchen und vernetzen, die sich mit Nachhaltigkeit und Entwicklung beschäftigen.

Gebaut wurde das Boot 1983 in Kanada für Hochseerennen. 1984 schaffte die Formule Tag, wie der Katamaran damals hieß, als erstes Segelboot mehr als 500 Seemeilen (926 Kilometer) in 24 Stunden. 1994 holte sich Peter Blake mit dem Boot, jetzt unter dem Namen Enza New Zealand, die Trophée Jules Verne für die schnellste Nonstop-Weltumsegelung. Der Neuseeländer brauchte 74 Tage, 22 Stunden, 17 Minuten und 22 Sekunden für die Umrundung des Globus.

Seit seinem Umbau zum sauberen Schiff ist der Katamaran deutlich gemächlicher unterwegs: Fünf Knoten schaffte die Energy Observer bislang mit ihrem elektrischen Antrieb – zwei Elektromotoren, die von Akkus, einer Brennstoffzelle und 168 Quadratmetern Solarmodulen mit Strom versorgt werden. Strom, der nicht unmittelbar für den Antrieb, die Bordsysteme oder die Bedürfnisse der Mannschaft benötigt wird, wird gespeichert. Als Kurzzeitspeicher hat das Schiff Akkus mit einer Speicherkapazität von etwa 100 Kilowattstunden (kWh) an Bord.

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Der Wasserstoff für die Brennstoffzelle wird an Bord gewonnen: Meerwasser wird entsalzt und zwei Mal entmineralisiert. Anschließend wird das Wasser per Elektrolyse in seine Bestandteile gespalten, der Wasserstoff verdichtet und mit einem Druck von 350 bar in zwei Tanks gespeichert. Sie haben jeweils ein Volumen von 322 Litern. Insgesamt speichern sie 62 Kilo Wasserstoff, was einer Kapazität von 2 Megawattstunden (MWh) entspricht. Das reicht, um das Boot tagelang mit Energie zu versorgen.

Daneben gibt es noch einen thermischen Speicher an Bord: Der Elektrolyseur, der Konverter und die Brennstoffzelle emittieren Abwärme. Diese nutzen die Franzosen zum Heizen der Kabinen. Vergleichbar der Heizung in einem Auto werde Luft erwärmt, um die Messe und die Kabinen der sechs Besatzungsmitglieder zu heizen, erzählt Systemingenieur Hugo Devedeux im Gespräch mit Golem.de. Zudem werde mit der Abwärme warmes Wasser erzeugt, das in einem Tank gespeichert werde.

In diesem Jahr neu hinzugekommen sind Segel, die allerdings mit konventionellen Segeln nicht viel zu tun haben. Die Oceanwings, die von dem französischen Unternehmen VPLP Design gebaut wurden, sind steife Flügel, die aus jeweils zwei Segmenten bestehen. Bei ihnen können Verwindung und Wölbung verändert sowie beide Hälften gegeneinander verstellt werden, damit die Wings möglichst effizient vom Wind angeströmt werden. Vorbild waren die High-Tech-Segel, die die Boote im letzten America’s Cup auf schwindelerregende Geschwindigkeiten beschleunigten. Mit den beiden jeweils nur 31,5 Quadratmeter großen Oceanwings soll die Energy Observer eine Geschwindigkeit von 13 Knoten, umgerechnet 24 Kilometer pro Stunde, erreichen.

Der Katamaran Energy Observer hat bei seiner Tour um die Welt in Hamburg festgemacht. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

„Das ist eine gute Kombination von elektrischem Antrieb, Windantrieb mit den Oceanwings und mit den Photovoltaik-Paneels“, sagt Erussard, Initiator des Projekts und Kapitän der Energy Observer. Bedenken wegen des Speichermediums Wasserstoff und der Brennstoffzelle hat er nicht: „Wir haben keine Angst vor dem System. Wir haben keine Angst vor dem Wasserstoff.“

Ein Ziel des Projekts sei, das Boot jedes Jahr in jeder Hinsicht zu verbessern, erzählt Devedeux.



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