Kurz gesichtet – Ein bisschen Gaga – Stil


Ein Rapper verkauft jetzt Klopapier, die Zahnpasta schmeckt nach Ananas, und eine Kerze soll Idioten fernhalten. Die Stil-News der Woche.


Von Anne Goebel, Julia Rothhaas, Max Scharnigg, Silke Wichert

Das frisch renovierte Nationalmuseum in Stockholm ist auch gestalterisch eine Sehenswürdigkeit geworden – schließlich haben viele skandinavische Designer zur Inneneinrichtung beigetragen. Besonderes Augenmerk bekam der „Atelier-Stuhl“, den die finnische Traditionsfirma Artek zusammen mit dem schwedischen Designduo TAF Studio für das Museumsrestaurant entwickelt hat. Neue Stühle sind ja immer die Lieblinge der Designwelt, und bei der diesjährigen Stockholm Furniture Fair stand der Atelier Chair dann auch ausdauernd im Scheinwerferlicht. Schlanke Proportionen und geometrische Linien kombiniert er mit gutem Sitzkomfort und praktischen Eigenschaften, so ist er ist zum Beispiel leicht, kompakt und stapelbar. Die Form zitiert einen frühen Stuhlentwurf des schwedischen Architekten Sven Markelius von Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach der Vorstellung im Museum ist der Stuhl jetzt auch im Sortiment von Artek erhältlich – in Buche, Esche oder Eiche (artek.fi).

Ein poetischer Name lässt jedes noch so schnöde Produkt interessanter wirken – gerade in der Beautybranche. Etwa wenn Nagellack oder Parfum zum Beispiel „Ein Garten am Wasser“ genannt wird oder „Sun, Sea and Sand im My Pants“. Und wer würde sich in der Früh nicht viel lieber die Zähne putzen, wenn die Paste aus der Tube „Une piscine à Antibes“ heißt? Ein Schwimmbecken in Antibes an der Côte d’Azur: Mit diesem Sehnsuchtsbild wirbt die französische Marke Lebon für ihre Zahnpasta mit Minz-Lakritz-Aroma, hergestellt aus Zutaten wie grünem Tee und Aloe Vera, die Zahnfleisch und Zähne schützen sollen. Weitere Nuancen: „Tropical Crush“ mit Duftextrakten aus Ananas und Pfefferminze, „Back to Pampelonne“ aus Mango und Minze und „Sweet Extravagance“ aus Rose und Orangenblüten. Jede Tube ist farblich passend zu den Zutaten gestaltet, 75 ml kosten unvernünftige 18 Euro. Dafür kann man morgens im Bad noch ein bisschen weiterträumen (lebonandlebon.com, etwa über niche-beauty.com).

Die Modewelt hat die Podcasts für sich entdeckt. Nachdem mehrere Blogs und die Branchenseite „Business of Fashion“ bereits regelmäßig Episoden zu aktuellen Themen aufnehmen, startet jetzt auch Hermès eine eigene Serie. „Le Faubourg des reves“, die Faubourg der Träume, ist benannt nach dem berühmten Stammhaus in der Pariser Rue du Faubourg de Saint-Honoré 24. Dort sind offensichtlich schon so viele Geschichten passiert, dass es jede Menge Erzählstoff gibt. Etwa über den Tag, als ein Kunde mit einem Hahn unter dem Arm in das Geschäft kam, um dem Tier ein Seidencarré auszusuchen. Zudem kommen in jeder Episode Mitarbeiter zu Wort, die Einblicke hinter die Kulissen der Luxusmarke gewähren – rein akustisch versteht sich, aber so leidenschaftlich erzählt, dass man am Ende denkt: Riecht nach Leder hier, oder?

Dass Künstler ab einem gewissen Punkt in ihrer Karriere für Produkte werben, ist nichts Neues. Dass jemand aber für Erdnussbutter, Klopapier, einen Morgenmantel aus Seide, Bettwäsche und eine aufblasbare Rutsche gleichzeitig die Werbetrommel rührt, ist dann doch überraschend. Vor allem, wenn derjenige Snoop Dogg ist, der angeblich dauerbekiffte Rapper aus Kalifornien. All diese Produkte hat er für die Kampagne „Get smooth“ von Klarna entwickelt, die damit auf ihre Online-Zahlungsmöglichkeiten aufmerksam machen wollen. Ein bisschen Geld muss man dafür ohnehin mitbringen: Vier Rollen Klopapier kosten 15 Euro. Immerhin gibt es zum Klopapier eine Reisetasche dazu. Warum auch immer (get.smooth.com

Der Hype um die Duftkerze ist weiterhin ungebrochen. Jetzt gibt es eine, die eine eher ungewöhnliche Aufgabe hat: Die „Anti-Assholes-Kerze“ des französischen Label Félicie Aussi soll einem die Menschen vom Leib halten, deren Anwesenheit einem schlichtweg nicht bekommt. Ihre „Zauberkräfte“ sollen bis zu 25 Stunden wirken und im Umkreis von 30 Quadratmetern für einen ärgerfreien Raum sorgen. Ob das funktioniert? Immerhin riecht sie nach reifen Feigen (35 Euro, felicieaussi.fr, auch über fleux.com).



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