Mo Idrissou: Ex-Bundesligastar ist pleite und spielt jetzt 6. Liga

Gute, aber müde Mine: Der frühere Bundesligastar Mohamadou Idrissou als Zuschauer in der Frankfurter Commerzbank-Arena. Der Kameruner spielt künftig in der 6. Liga.  Picture Alliance
Eigentlich dürfte sich Mohamadou „Mo“ Idrissou keine Sorgen mehr machen müssen. Beim SC Freiburg, Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 spielte er jahrelang in der Bundesliga, 39 Mal lief der Stürmer auch im Trikot der Nationalmannschaft Kameruns auf, nahm an einer WM teil, erreichte mit der Auswahl seines Heimatlandes 2003 das Finale des Confederations Cups (0:1 gegen Frankreich nach Golden Goal). Doch das alles ist längst Vergangenheit. Die Fußball-Millionen sind weg. Komplett. „Ich bin mittellos, habe kein Geld“, gestand Idrissou jetzt der „Bild am Sonntag“ (Bezahlinhalt). Und nicht nur das: Der 39-Jährige hat bewegte Tage hinter sich, saß in Österreich sogar in Abschiebehaft. Ein abgelaufener Pass und ein fehlendes Aufenthaltsvisum haben ihn in Schwierigkeiten gebracht, heißt es. Nun ist es wieder der Fußball, der Mo Idrissou neuen Halt geben soll.

Die Abschiebehaft war der vorläufige Tiefpunkt in einem Fußballerleben, das längst allen Glanz verloren hat. Immer wieder fand sich Idrissou wegen Streitereien um den Unterhalt für seine fünf Kinder vor Gericht wieder. Nur zu seinem jüngsten Sohn hat er nach eigener Aussage Kontakt. Außerdem ist bei der Staatsanwaltschaft Dortmund noch ein Verfahren wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung bei seiner Modeboutique „Royal Lion“ im westfälischen Werne anhängig. Der frühere Fußballmillionär hat nach eigenen Angaben weder Geld noch eine eigene Wohnung noch ein eigenes Bett. Idrissou ist den Berichten zufolge bei Freunden in der Nähe von Frankfurt untergekommen, schläft dort auf der Couch.

Mohamadou Idrissou: Auf Torejagd in Hessen

Durch ein neues Engagement will Mo Idrissou nun aber wieder die Kurve kriegen. Für Rot-Weiß Frankfurt wird der Kameruner mit Beginn der Rückrunde auf Torejagd gehen – in der sechsten Liga. Coach Slobodan Komljenovic, ein alter Bekannter aus glorreichen Fußball-Zeiten, stellte den Kontakt her. „Es geht nicht um die Vergangenheit. Wir wollen nach vorne gucken“, kommentierte Rot-Weiß-Präsident Ersan Dincer gegenüber dem Hessischen Rundfunk die Aktion. Idrissou soll den Club in den kommenden Monaten mit seinen Toren vor dem Abstieg bewahren, im Gegenzug wolle der Verein „mit unseren Möglichkeiten“ dem gescheiterten Star helfen. Was nach der Saison folge, das müsse man dann sehen.

Finanziell kann Rot-Weiß Idrissou, der als Profi auch für den großen Nachbarn – die Frankfurter Eintracht – kickte, ohnehin nicht auf die Beine helfen. Der Verbandsligist kann seinem prominenten Zugang nur eine Aufwandsentschädigung zahlen. Doch für Idrissou dürfte es schon ein Geschenk sein, wieder Normalität zu erleben. Seinen Lebensunterhalt will er künftig mit einer Mode-Kollektion verdienen, die er – so der „Bild“-Bericht – mit Freunden herausbringen will.

„Idrissou spielt Champions League“

Ob das klappen wird, bleibt abzuwarten. Denn wie im Fußball agierte der 39-Jährige bisher auch häufig im normalen Leben: immer offensiv, aber ohne Absicherung. Dieser Wesenszug machte Mo Idrissou in der Bundesliga einmal zum Gespött der Fans. Mit der abfälligen Bemerkung „Ich habe eh keine Lust mehr, mit euch Absteigern zu spielen. Ich spiele nächstes Jahr in der Champions League“, provozierte er 2010 seinen Abschied vom SC Freiburg und wechselte zu Borussia Mönchengladbach.

Damals waren die Fohlen jedoch weit davon entfernt, sich für die Königsklasse qualifizieren zu können. Für viele Bundesligafans unvergessen ist daher, wie Idrissou beim Auswärtsspiel der Gladbacher in Freiburg zum Gespött wurde: „Idrissou spielt Champions League auf PS3, die ganze Nacht, von 12 bis 8“. Gladbach ging in Freiburg mit 0:3 unter und rettete sich erst in der Relegation vor dem Abstieg. Mit einem 1:0 über den designierten Meister Borussia Dortmund hatten die Fohlen einen fulminanten Schlussspurt begonnen. Schütze des entscheidenden Tores: Mo Idrissou.

Quellen: „Bild“, Hessischer Rundfunk, transfermarkt.de, „Rheinische Post“, „Ruhr-Nachrichten“, „Göttinger Tageblatt“, Rot-Weiß Frankfurt

Source link

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.