My car is my castle – warum das eigene Auto wieder in ist

In den Zeiten der Pandemie bietet das eigene Auto echten und emotionalen Schutz.  ©Geber86Getty Images

Vor der Pandemie hatte das eigene Auto ein denkbar schlechtes Image – vor allem dann, wenn man einen SUV bewegte. Auto-Scham hieß das damals. Heute sieht das ganz anders aus. Jeder ist froh, wenn er öffentliche Verkehrsmittel vermeiden kann. Wenn man sich außerhalb des Hauses bewegt, ist Individualverkehr das Modell der Wahl. Und trotz der leeren Straßen sind nach wie vor Millionen auf Achse, denn noch stehen nicht alle Betriebe still.

Bus und Bahn werden gemieden

Google meldet, dass sich in den Bereichen um Bahnhöfe herum 68 Prozent weniger Menschen aufhalten und ein Blick in die Züge der Deutschen Bahn zeigt leere Sitze. Wer ein eigenes Auto hat, will auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen auf Nummer sicher gehen und lässt die öffentlichen Verkehrsmittel so gut wie möglich außen vor. Auch wenn sich Deutsche Bahn und die lokalen Verkehrsbetriebe bemühen: Man kann nicht hinter jedem Fahrgast hinterherputzen und so ist die Ansteckungsgefahr in einem öffentlichen Verkehrsmittel ähnlich hoch wie im Supermarkt um die Ecke. In S-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen wird während der Fahrt mehr oder weniger nah gesessen und gestanden. Man nutzt dabei Haltestangen und Griffe, um sich bei der Fahrt zu sichern; drückt auf Öffnungstaster und nutzt an den Haltestellen die Fahrkartenschalter.

Wie groß die Gefahr ist, kann niemand genau sagen. Es bleibt ein mulmiges Gefühl. Ganz anders die Situation auf dem Fahrrad, dem eigenen Motorroller beziehungsweise Motorrad oder eben im eigenen Auto.

Der mobile Sicherheitskokon

„My car is my castle“ – so lässt sich das Gefühl beschreiben, wenn man durch die leeren Straßen fährt. Geschützt von Glas und versorgt mit gefilterter reiner Luft. Individualfahrzeug bedeutet eben auch, dass sich keine weitere Person im Innenraum aufhalten. Man ist mit seiner eigenen Isolierstation unterwegs. Nur beim Tanken an der Zapf- oder Ladesäule muss man die Hygienevorschriften befolgen. Doch wer nicht gerade Fernpendler ist, kommt nur selten in diese Lage. Die 65 Liter Diesel, die ein Mittelklassewagen schluckt, reichen allemal für 800 Kilometer Strecke.

Aus fürs Sharen

Auto ist nicht Auto. Sharen und Mieten will derzeit kaum jemand. Kein Wunder, weiß man doch nicht, wer vorher im Fahrzeug saß. Die Vermieter reinigen seit Ausbruch des Coronavirus verstärkter denn je nicht nur die Mietwagen selbst, sondern auch die Theken und Tresen der Vermietschalter. „Wir haben auch die bereits umfänglichen Reinigungstechniken unserer Fahrzeuge nach jeder Vermietung weiter verbessert. Insbesondere achten wir auf die Stellen, die von den Menschen berührt werden, wie Lenkräder, Türgriffe und andere harte Oberflächen“, teilt beispielsweise Avis mit. Ähnlich bei Anbieter Sixt, der mit Sixt Share auch eine Carsharing-Flotte anbietet: „Wir reinigen unsere Filialen intensiv, um die Virusübertragung zu minimieren. Alle Fahrzeuge unserer Sixt-Flotte werden in einem mehrstufigen Verfahren professionell gereinigt, um das potenzielle Übertragungsrisiko zu minimieren.“ Trotzdem liegen bei den Vermietfirmen ganze Regionen brach, denn nicht nur im Süden Europas steht der Betrieb seit Wochen still. Ohne Urlauber und Geschäftsreisende gibt es kaum einen Bedarf.

Die Krise wird lange nachwirken

Irgendwann werden die Restriktionen aufgehoben, doch die Scheu mit vielen Fremden in einem engen Raum zu sein, wird lange nachwirken. Solange Kinosäle geschlossen bleiben, kann die Busfahrt im Berufsverkehr keine gute Idee sein. Und es wird noch weit länger dauern, bis man ohne Angst in den Schlangen vor der Sicherheitsschleuse am Flughafen stehen wird. Wenn nach den Ausgangssperren die Lust auf das nächste lange Wochenende oder den Urlaub wiedererwacht, wird dieser oftmals im eigenen Land oder der direkten Umgebung stattfinden. Bei der Anreise dürfte das eigene Auto das Fortbewegungsmittel Nummer eins sein.

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