Nicht viel im Lot bei den Bayern | ZEIT ONLINE


Wer spielte wie gegen wen?

Der SC Freiburg darf sich mal wieder über die meisten Herzchen freuen. Der VfL Wolfsburg geht mal wieder am leersten aus.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Leverkusen gegen Bayern. In der unvergessenen Simpsons-Episode „Burns Verkaufen Der Kraftwerk“ leistet sich Homers Kumpel Lenny Leonard ein Facelifting. Mit diesem eingemeißelten Riesengrinsen steht er da und muss erfahren, dass sein Arbeitsplatz, das Atomkraftwerk von Springfield, soeben an die deutschen Investoren Hans und Fritz verkauft worden ist. „Sieh nur all die traurigen Gesichter“, beobachtet Homers Gattin Marge, „nur Lenny ist glücklich.“ Doch Lenny antwortet: „Das ist der traurigste Tag meines Lebens!“

Daran musste man unwillkürlich denken, als der Bayern-Trainer Niko Kovač nach der 1:3-Pleite seiner Mannschaft vor die Kameras trat. Nicht nur die Niederlage musste Kovač schmerzen, auch der Umstand, dass zeitgleich Borussia Dortmund beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt Federn gelassen hatte. Die große Chance auf eine Verringerung des Rückstandes zum Tabellenführer – die Münchener hatten sie vertan. Zu allem Ärger auch noch dank einer Zentimeter-Entscheidung via Videobeweis, der Schiedsrichter Tobias Stieler davon überzeugt hatte, das 2:0 von Robert Lewandowski in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zurückzunehmen. Dem armen Niko Kovač muss zum Heulen zumute gewesen sein, als er dieses Spiel analysieren sollte. Doch als wäre er kurz nach Schlusspfiff mit dem Gesicht in einen Haufen Botox-Spritzen gestolpert, lächelte er durchgehend so lennyesk, dass die Kollegen der Süddeutschen Zeitung grimmig mahnten: „Manche Dinge lassen sich nicht weglächeln.“

Schade eigentlich, zu gerne hätte man Kovač dabei zugesehen, wie er sich mit gebleckten Zähnen der Herausforderung namens „Lot“ gestellt hätte, denn schließlich hatte der Kroate eben jenes virtuelle Maßband der Videobeweisler aus Köln als Hauptschuldigen an der Niederlage ausgemacht. „Wie legt man das Lot?“, fragte Kovač und gab – tapfer lächelnd – gleich noch eine Empfehlung ab: „Da muss ich oben eine Drohne haben, da lege ich das Lot runter. Von der Seite ein Lot zu legen, das ist schon schwierig.“ Alles im Lot bei den Bayern? Eher nicht. Der Rückstand auf den BVB beträgt nun sieben Punkte, von der punktgleichen Borussia aus Mönchengladbach ist man in der Tabelle auch noch überholt worden.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Hertha gegen Wolfsburg. 39.259 Zuschauer froren sich im eiskalten Olympiastadion die Zehenspitzen ab, sahen als einzigen Treffer das Siegtor von Wolfsburgs Wout Weghorst (65.) und durften sich immerhin an den Heldentaten von VfL-Torwart Koen Casteels erwärmen. Wird man sich in ein paar Tagen trotzdem nicht mehr dran erinnern.

Wer stand im Blickpunkt?

Christian Mathenia. An solch einem Super-Bowl-Wochenende sprechen alle mal wieder über die harten Kerle aus den USA, die sich lachend von herangesprinteten 130-Kilo-Fleischbergen über den Haufen rennen lassen, während die wehleidigen Fußballer bei den geringsten Körperberührungen brüllend über die Seitenlinien rollen, um gelbe Karten, rote Karten, Spielabbrüche oder das Mitleid der Nation einzufordern. Nur Torhüter, die sind anders. Torhüter waren schon immer die härtesten Knochen: Der Deutsche Bert Trautmann wurde bei Manchester City zur Legende, weil er 1956 das FA-Cup-Finale mit einem Genickbruch zu Ende spielte, Toni Schumacher soll sich früher im Training Vollspannstöße ins Gemächt treten haben lassen, um sich noch wagemutiger in die Duelle zu stürzen. Die Liste ließe sich ewig fortführen, und als jüngsten Teilnehmer dieser Hardcore-Fraktion möchten wir den Nürnberger Christian Mathenia begrüßen. Der ging schon leicht lädiert ins Spiel gegen Werder Bremen, verbrachte die Halbzeitpause mit zuckenden Waden auf dem Ergometer, „damit der Muskel nicht zumachte“, und stieß in der zweiten Hälfte so heftig mit Werders Gebre Selassie zusammen, dass er mit blutender Zunge bewusstlos auf dem Rasen liegen blieb. Weil FCN-Coach Michael Köllner aber lieber Feldspieler austauschen wollte, musste Mathenia bis zum Schlusspfiff durchhalten. Seiner Mannschaft gelang in der 87. Minute zwar noch der Ausgleich, Mediziner aber haben wohl eher den Kopf geschüttelt. In der NFL gibt es übrigens neutrale Ärzte, die einen Spieler in so einem Fall auch mal in die Kabine schicken.



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