Nierenschwäche: Millionen Deutsche leiden darunter, ohne es zu wissen

[ad_1]Sie sind faustgroß, sitzen im Taillenbereich rechts und links der Wirbelsäure und arbeiten bei gesunden Menschen im Doppelpack: Die Nieren erfüllen für den menschlichen Organismus essentiell überlebenswichtige Aufgaben. Bis zu 300 Mal am Tag spülen sie unser Blut rein von Giftstoffen, regulieren den Salz- und Wasserhaushalt, produzieren Hormone und sind für die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten verantwortlich.

Doch wächst die Zahl der Menschen, bei denen die Filterorgane nicht mehr ausreichend gut funktionieren. Keine andere Krankheit hat laut einer Studie von 2018 in den vergangenen Jahren so stark zugenommen wie die chronische Niereninsuffizienz. Bis zu sechs Millionen Menschen hierzulande leiden den Deutschen Nierenzentren zufolge an einer chronischen Erkrankung der Nieren – oft ohne es zu wissen.

Nierenschwäche verursacht zunächst keine Symptome

Denn ob die eigenen Nieren ihre Aufgaben auch erfüllen, das bemerkt ohne Laborbefund niemand, erklärt Heike Martin vom Bundesverband Deutscher Nierenzentren. „Eine Nierenschwäche verursacht erst dann Symptome, wenn es schon zu spät.“ Dann, wenn die Nieren bereits irreparabel geschädigt sind, ihr Leistungsvermögen auf ein Minimum geschrumpft ist, ein Versagen des Organs unmittelbar bevorsteht. „Daher werden Nierenschädigungen oft viel zu spät entdeckt“, warnt die Fachärztin für Nierenheilkunde.

Zu den möglichen Symptomen einer solchen fortgeschrittenen Nierenschädigung zählen laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) folgende Beschwerden:

  • Wassereinlagerungen in den Beinen
  • Bluthochdruck
  • Appetitverlust
  • Gewichtsverlust
  • Leistungseinbußen
  • Atemnot

Was hinter einer Nierenschwäche stecken kann

Wer derartige Anzeichen bemerkt, sollte ob der Tatsache, dass es sich dann bereits um eine gravierende Schädigung des Organs handelt, schleunigst zum Arzt gehen, sagt Martin – und mögliche Ursachen abklären lassen.

Dazu gehören der Medizinerin zufolge vor allem:

  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • angeborene oder entzündliche Erkrankungen
  • bestimmte Medikamente, die eine bereits angegriffene Niere schädigen wie freiverkäufliche Rheuma-Mittel oder die Schmerzpräparate Ibuprofen und Voltaren

Auch Übergewicht bringen viele in Zusammenhang mit Nierenerkrankungen. Doch führe ein hohes Gewicht nicht automatisch zu einer schlechter arbeitenden Niere, erklärt die Expertin. „Allerdings begünstigt Übergewicht Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck und bedingt damit im Weiteren oft auch Nierenschädigungen.“

Verantwortlich für die steigenden Patientenzahlen macht Martin die stetig älter werdende Gesellschaft. Die meisten Patienten mit Nierenproblematik seien jenseits der 60, erklärt sie. „Je älter die Menschen werden, desto stärker zeigen sich die Folgen ihrer Grunderkrankungen.“

Wie Sie eine Nierenschädigung erkennen

Damit es erst gar nicht so weit kommt, seien regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Hausarzt essentiell. Patienten mit Bluthochdruck sowie vor allem mit Diabetes rät Martin, ihre Blutwerte vierteljährlich überprüfen zu lassen. Doch auch wer kein Risikopatient ist, sollte sich zwischendurch beim Hausarzt durchchecken lassen. Ab 35 Jahren bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen etwa alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-Up mit großem Blutbild.

Aufschluss über eine etwaige Nierenschädigung gibt auf der Liste der Blutergebnisse der Kreatininwert. Das Abbauprodukt der Säure Kreatin reichert sich im Blut an, wenn die Nieren nicht hinreichend funktionieren. „Um die Schädigung allerdings besser einschätzen zu können, rechnen wir diesen Wert mittels einer Formel in die sogenannte Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) um“, erklärt Martin. Denn ist der Kreatininwert stark abhängig von der individuellen Muskelmasse eines Menschen.

Eine hagere 90-Jährige mit einem Nierenvermögen von nur noch 20 Prozent könne demnach einen genauso hohen Kreatininwert haben wie ein 30-jähriger Bodybuilder mit einer vollfunktionstüchtigen Niere, meint die Fachärztin. „Daher ist der GFR-Wert viel aussagekräftiger als das bloße Kreatinin.“ Er gibt an, wie gut die Niere noch arbeitet.

Einberechnet werden daher nicht nur Geschlecht und Alter, sondern auch das Körpergewicht. Herauskommt ein Wert zwischen 0 und 100 ml/min. 100 nehmen Mediziner als optimal an, der Wert entspricht einer perfekt arbeitenden Niere. 0 bedeutet vollständiges Nierenversagen.

Was beim Facharzt passiert

„Je nachdem, welchen Wert der Hausarzt feststellt, wird er Sie an den Spezialisten überweisen“, erklärt Martin das Prozedere. In der Fachpraxis werden dann noch einmal sämtliche Werte im Detail erhoben, der Urin getestet, eine Ultraschall-Untersuchung durchgeführt.

Als besonders kritisch gelten Werte unterhalb von 10 ml/min. Ist die Filtrationsrate derart gering, sind die Nieren quasi nicht mehr funktionsfähig – eine Dialyse unausweichlich. Unter Dialyse versteht man dabei in den häufigsten Fällen die externe Blutwäsche durch eine Maschine, die die Filterfunktion der nicht mehr funktionstüchtigen eigenen Organe übernimmt. In Deutschland sind davon derzeit etwa 80.000 Patienten abhängig. Sie müssen meist mehrmals pro Woche für mehrere Stunden ihr Blut durch ein Dialyse-Gerät reinigen lassen.

Bei einer weniger verbreiteten Form der Dialyse, der Bauchfelldialyse, ersetzt das Bauchfell den Filter, den bei gesunden Menschen die Nieren bilden. Welche Art der Dialyse die individuell richtige ist, sollten Betroffene in jedem Fall mit ihrem Arzt besprechen.

Eine gesunde Niere reicht aus

Grundsätzlich hat der Mensch zwei Nieren. Fällt eine durch eine Erkrankung oder eine Operation aus, kann die andere die geschädigte Niere vollständig ersetzen. Bei chronischen Nierenerkrankungen sind jedoch in den meisten Fällen beide Organe betroffen. Dann muss die Filtertätigkeit der Nieren extern erledigt werden.

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Eine Alternative zur maschinellen Blutdurchspülung ist in solch massiven Fällen die Transplantation einer Spenderniere. Laut BZgA ist die Niere allerdings das am häufigsten für eine Transplantation benötigte Organ überhaupt. Entsprechend lange müssen Menschen im Durchschnitt auf eine Spenderniere warten, in Deutschland etwa sechs Jahre.

Auch um auf die Warteliste für eine Spenderniere zu kommen, muss bereits ein endgültiges Nierenversagen vorliegen und der Patient ohne Dialyse nicht mehr lebensfähig sein. „Eine Transplantation kommt daher sehr selten vor“, erklärt Martin. „Die meisten Patienten mit schweren Nierenschädigungen sind auf die Dialyse-Therapie angewiesen.“

Doch betont die Ärztin, dass auch Dialyse-Patienten heutzutage sehr lange sehr gut leben könnten. „Die Medizin hat hier in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht.“

Wie Sie einer Nierenerkrankung vorbeugen

Entsprechend wichtig sei es dennoch, die Nieren proaktiv zu schützen und Erkrankungen frühzeitig vorzubeugen. Besonders entscheidend sind der Medizinerin zufolge vier Faktoren:

„Wer sich ausgewogen ernährt, wenig Zucker und Eiweiß zu sich nimmt, verringert sein Diabetes-Risiko und damit sein Risiko für Nierenerkrankungen“, erklärt sie.

Insbesondere Fertiggerichte mit Zusatzstoffen wie Phosphat seien für die Nieren, aber auch für den gesamten Organismus, schädlich. „Sind die Nieren geschädigt, können sie Phosphate nur schlecht ausscheiden. In der Folge lagern sie sich in den Gefäßen an und können zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie zu weiteren Schädigungen der Nieren führen.“

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für die Nieren unerlässlich, nur so können sie genügend durchspült werden. Eineinhalb bis zwei Liter empfiehlt die Expertin. Mehr sei nicht nötig – es sei denn, der Körper verliere wie etwa an heißen Sommertagen oder durch Sport mehr Flüssigkeit als gewöhnlich.

Der Niere ist es dabei prinzipiell egal, was Sie trinken. „Wasser, Limo, selbst Kaffee, das alles durchspült die Nieren und tut ihr gut“, sagt Martin. Doch aufgrund des enthaltenen Zuckers und Koffeins, das sich langfristig negativ auf Blutzucker und Blutdruck auswirkt, rät die Ärztin zu Wasser, Tee oder Fruchtschorlen.

Auch Sport und Bewegung verhindern Übergewicht und damit Folgeerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck, die wiederum auf die Nieren schlagen können.

Rauchen setzt dem Nierengewebe ebenfalls zu. Vor allem wer bereits eine geschädigte Niere hat, sollte auf nikotinhaltige Zigaretten verzichten, empfiehlt die Nephrologin.

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