Rohstoffe: Woher kommt das Kobalt für die E-Auto-Akkus?


Nur noch fair abgebautes Kobalt für Elektroautos aus München: BMW hat im Dezember angekündigt, in Zukunft nur noch Kobalt zu verwenden, das unter professionellen Bedingungen gewonnen worden sei. Das meiste Kobalt kommt aus der Demokratischen Republik Kongo, wo der Rohstoff zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut wird. Dennoch sei es möglich, nur fair abgebautes Kobalt zu verwenden, sagt der Diplom-Geologe Uwe Näher im Gespräch mit Golem.de.

Näher arbeitet bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und ist dort Leiter des Projekts „Unterstützung der Einführung und Umsetzung eines Zertifizierungssystems für mineralische Rohstoffe in der DR Kongo“. Seit 2009 kümmert sich die BGR darum, den Abbau von Konfliktmineralien zu zertifizieren. „Wir machen Mineninspektionen und Audits und versuchen durch diese Audits in Kombination mit Schulungen zu erreichen, dass die Minen Mindeststandards bei der Produktion einhalten. Wenn das geschieht und Verbesserungen nachweisbar sind, werden diese von uns zertifiziert.“

Bei den Konfliktmineralien gelinge das inzwischen recht gut: 80 Prozent stammten aus zertifizierten Minen. Zu den Konfliktmineralien zählen Gold und die drei Ts: Zinn, Wolfram und Coltan (Englisch: Tin, Tungsten und Tantal). Kobalt hingegen gehört nicht dazu, weshalb es kein System zur Zertifizierung gebe.

Kobalt ist ein Übergangsmetall, das wie Tantal für die Herstellung elektronischer Geräte benötigt wird. Es ist zum Beispiel ein wichtiger Bestandteil von Akkus. Im Kongo gibt es mit Abstand die größten Vorkommen von Kobalt, das Land ist der größte Produzent: Von dort kommen gut 64 Prozent des Rohstoffs. Derzeit werden laut United States Geological Survey rund 110.000 Tonnen Kobalt im Jahr gefördert.

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Der überwiegende Anteil stammt aus industriellen Minen. „Rund 80 Prozent des Kobalts im Kongo werden industriell abgebaut, also wie in jeder industriellen Mine weltweit. Da werden Sicherheitsstandards eingehalten“, sagt Näher. „Die Besitzer dieser Minen sind auch zum großen Teil an den Börsen gelistet. Die Aktionäre sind schon darauf bedacht, dass da nach industriellen Standards abgebaut wird.“

Das Problem ist der Rest: 15 bis 20 Prozent kommen aus dem artisanalen oder Kleinbergbau. Kleine Kooperativen betrieben diese Minen und bauten das Kobalt unter schwierigen Bedingungen meist per Hand ab. „Das Hauptproblem sind unsichere Arbeitsbedingungen“, sagt Näher: Die Arbeiter seien gar nicht oder nur schlecht ausgebildet, es fehle an Ausrüstung, die Stollen seien nicht sicher, so dass es öfter zu Unfällen komme. Medizinische Versorgung gebe es dann kaum für die Verunglückten. Offizielle Statistiken, etwa über die Unfälle, gibt es nicht. „Wir versuchen seit Jahren, an Zahlen heranzukommen“, sagt Näher.

Auch für die Umwelt ist der artisanale Bergbau nicht gut: Die Minen entstehen dort, wo das Erz gefunden wird. Was im Weg ist, wird oft abgeholzt und anschließend nicht wieder aufgeforstet. So werden Ackerflächen, aber auch Wald und Savanne zerstört.

In einigen dieser Minen werden sogar Kinder zur Arbeit herangezogen. Unternehmen seien gut beraten, von Kobalt aus dem artisanalen Sektor vorerst die Finger zu lassen und nur industrielles Kobalt zu verarbeiten, sagt Näher. Bei Kobaltbezug aus dem artisanalen und Kleinbergbau sei zu prüfen, ob die OECD-Sorgfaltspflichten eingehalten worden seien.

Das Problem: Das ist nicht so einfach.



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