Überraschung in Corona-Zeiten: Die Stones in der «Geisterstadt»

Mick Jagger (M) meldet sich mit seinen Bandkollegen musikalisch bei ihren Fans zurück. Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa  ©dpa-infocom GmbH

Ein brandneuer Song der Rolling Stones – und vielleicht bald noch mehr: Mit ihrem am Donnerstag überraschend veröffentlichten Stück «Living In A Ghost Town» haben die britischen Rock-Legenden Millionen Fans mitten in der Corona-Pandemie eine Freude gemacht und Erwartungen geweckt.

Das Lied sei die erste neue Stones-Single seit acht Jahren und die erste Eigenkomposition nach «Doom And Gloom» vom Best-Of-Album «GRRR!» (2012), teilte das Label Universal am Abend in Berlin mit. Das von einem coolen Video begleitete Lied deutet an, dass die vier Veteranen – mit 72 bis 78 Jahren alle in der «Corona-Risikogruppe» – wieder ziemlich fit sind.

Diesen Eindruck hatten Sänger Mick Jagger (76), Gitarrist Keith Richards (76), sein Kollege Ron Wood (72) und Schlagzeuger Charlie Watts (78) schon am vorigen Wochenende vermittelt. Da traten die Stones – jeder für sich und dann doch irgendwie vereint – beim globalen Internet-Benefizkonzert «One World – Together At Home» auf, mit ihrem Klassiker «You Can’t Always Get What You Want».

Vor allem Jagger wirkte so aufgekratzt, dass man ihm sein Lebensalter nie anmerkte. Und der Songtitel passte natürlich auch – denn viele Musikfans können derzeit angesichts abgesagter Konzerte und Albumveröffentlichungen nicht bekommen, was sie eigentlich wollen.

Also vielleicht doch demnächst endlich mal wieder eine neue Platte der Rolling Stones?

Keith Richards verriet in einem Statement zu «Living In A Ghost Town», dass das Stück als «Teil eines neuen Albums, einer laufenden Sache», aufgenommen worden sei. Der Song passe momentan einfach genau richtig zur Lage. «Bleibt gesund», so die Botschaft des Gitarristen. Jagger sagte laut Label über die Veröffentlichung: «Es gab da einen Song, von dem wir dachten, dass er die Zeiten gut mitschwingen lässt, in denen wir derzeit leben.»

Geschrieben wurde das Stück mit dem zur Corona-Krise passenden «Geisterstadt»-Titel von Jagger/Richards, dem seit fast 60 Jahren in Harmonie und Streit bewährten Songwriter-Duo der Stones. Teile des Liedes seien «bereits vor dem weltweiten Lockdown in London und Los Angeles aufgenommen worden», erklärte die Plattenfirma. «In der Quarantäne entschied sich die Band, «Living In A Ghost Town» zu finalisieren und nun schließlich zu veröffentlichen.»

Ein neues Lied, gar ein nun anvisiertes neues Album der Rolling Stones: Das ist für die Musikwelt immer noch – und angesichts des Alters der vier Herren erst recht – eine große Sache. Die Band, 1962 in Großbritannien gegründet, gilt mit insgesamt gut 300 Lebensjahren als älteste große Studio- und Live-Gruppe der Rockgeschichte.

Zahllose Welthits wie «(I Can’t Get No) Satisfaction», «Let’s Spend The Night Together», «Honky Tonk Woman» und «Miss You» säumen den langen Karriereweg der Stones. Tonträgerverkäufe in dreistelliger Millionenhöhe und Grammy-Ehrungen, aber auch Konflikte und Skandale sind Teil der Band-Legende.

Zuletzt hatte das Quartett Ende 2016 «Blue & Lonesome» herausgebracht, das ausschließlich Cover-Versionen enthielt. Die als glaubwürdige, raue Rückkehr zu den Stones-Wurzeln gefeierte Platte bekam einen Grammy als bestes traditionelles Bluesalbum.

Frontmann Jagger, der bei Konzerten auch im fortgeschrittenen Alter noch unermüdlich über die Bühne joggte, hatte den Fans im vorigen Jahr allerdings Sorgen gemacht: Ende März 2019 sagte er mehrere Auftritte ab, um sich am Herzen operieren zu lassen.

In einem Interview nach dem Eingriff betonte er dann, dass es ihm wieder «sehr gut» gehe. Mit einem kanadischen Sender sprach er unter anderem über die Arbeit mit seiner Band: «Wir haben in den letzten Wochen viel geprobt.» Sechs Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt lud Jagger ein Video in sozialen Medien hoch – es zeigte ihn tanzend in einem Studio. Angesichts der Veröffentlichung von «Living In A Ghost Town» wird das Bild nun klarer – die Stones sind wieder voll da.

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