Wolkenloser Himmel mit zwei Sternen (neues-deutschland.de)


Stürmer Olivier Giroud (2.v.r.) nutzt den Raum, den ihm die Isländer geben.Bemerkung: Seite 16, 27.03., Volles Format, 4C

Stürmer Olivier Giroud (2.v.r.) nutzt den Raum, den ihm die Isländer geben.

Bemerkung: Seite 16, 27.03., Volles Format, 4C

Foto: imago/Anthony Bibard

Auftrag erfüllt für die Nationalmannschaft Frankreichs. Ihr Trainer Didier Deschamps hatte nur ein einziges Ziel für diesen März: sechs Punkte gegen Moldau (4:1) und Island (4:0) holen. Zwei Siege und acht erzielte Tore später kann der Mann, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde, mit seiner Truppe zufrieden sein. Frankreich hat sich in beiden Spielen souverän durchgesetzt. Der amtierende Weltmeister startete also ideal in die EM-Qualifikation und führt die Gruppe H an. »Ich habe viel Spaß gehabt, die Mannschaft spielen zu sehen. Es gibt noch Dinge zu verbessern, aber das Ziel ist trotz allem erfüllt«, verriet der 50-Jährige dem französischen Fernsehsender M6 nach der Partie gegen die Isländer.

Das Fußballjahr 2019 beginnt also so erfolgreich, wie 2018 war, als die Mannschaft letzten Sommer in Russland zum zweiten Mal Weltmeister wurde. Der Himmel über Frankreich bleibt wolkenlos – mit nun zwei Sternen. Trainer Deschamps ist trotzdem extrem vorsichtig und bodenständig geblieben. »Der WM-Sieg von 2018 ist wunderbar für mich und die Spieler, aber die Erwartungen an mich sind sehr hoch, und ich werde daran gemessen. Ich glaube, ich habe meine Ansprüche an mich sogar noch erhöht«, sagte Deschamps am Montag der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«. Denn der Baske weiß, Weltmeister zu werden, war eine riesige Erfüllung, aber kein Selbstzweck. Es könnte der Beginn einer neuen Zeitrechnung sein.

Der WM-Sieg gibt den Spielern keine Immunität – und noch weniger dem Nationaltrainer, dessen Entscheidungen in den letzten Wochen oft infrage gestellt wurden, vor allem bei den Nominierungen mancher Akteure im französischen Aufgebot. Die Berufungen von Benjamin Pavard, der in der Bundesliga mit dem VfB Stuttgart gerade gegen den Abstieg kämpft, und von Olivier Giroud, der Joker-Stürmer von Chelsea, der bei den Londonern in dieser Saison wenig Spielzeit erhält, sind für viele in Frankreich unverständlich. Pavard ist immerhin Stammspieler bei den Schwaben. Und auch wenn Giroud mit neun Treffern der zweitbeste Torschütze der aktuellen Europa League ist, liegt er doch direkt hinter Wissam Ben Yedder (zehn Treffer), einem anderen französischen Stürmer, der von Deschamps nicht berufen wurde. Und Ben Yedder trifft auch regelmäßig in der spanischen Meisterschaft für den FC Sevilla.

Im Moment bevorzugt Deschamps die Kontinuität und nicht die Erneuerung. Er vertraute der Weltmeister-Elf in beiden EM-Qualifikationsspielen gegen Moldau und Island. Zehn Akteure des WM-Endspiels gegen Kroatien standen auch am Freitag in Moldau und am Montag im heimischen Stade de France in der Startaufstellung, nur der verletzte Lucas Hernandez fiel aus.

Die Ergebnisse stehen für sich: zwei Siege und ein noch besseres Zusammenspiel, besonders im offensiven Trio Griezmann-Mbappé-Giroud. Die drei Angreifer erzielten jeweils zwei Tore. Für Giroud war das etwas ganz Besonderes, denn mit 35 Treffern ist der Stürmer nun der drittbeste Torschütze in der Geschichte der französischen Nationalmannschaft. Er überholte David Trezeguet, der im Jahr 2000 mit einem golden Goal gegen Italien zum EM-Helden geworden war. Eine Belohnung für Giroud und seinen Trainer, steht der 32-Jährige doch für die Hartnäckigkeit von Deschamps, seinen Kader nicht zu erneuern. Die Tore Girouds scheinen ihm ebenso recht zu geben wie die Leistung des Stuttgarter Verteidigers Pavard. Auch der überzeugte in beiden Partien und bereitete sogar ein Tor für Giroud gegen Island vor.

Deschamps folgt seiner Linie und kann vertrauensvoll auf die nächsten Aufgaben blicken, die auf die Equipe de France warten. Er kann zudem auf eine wie nie zuvor geeinte Gruppe zählen, die Lichtjahre von der vergifteten Stimmung entfernt ist, die Anfangs der 2010er Jahre das Bild der Auswahl bestimmte. Den neuen Zusammenhalt dokumentierte jüngst erst Frederic Callenge. Im für den Fernsehsender TF1 produzierten Film »Deuxième étoile« (Zweiter Stern), der zuletzt auch im Rahmen des Berliner Filmfestivals »11mm« aufgeführt wurde, lässt der Journalist die Franzosen den WM-Titel in Russland noch einmal erleben und miterleben. Dank zuvor unveröffentlichter Szenen aus der Vertrautheit der Kabine vor, während und nach den WM-Partien können die Fans nun noch besser verstehen, wie es Deschamps gelang, das Beste aus dieser Mannschaft herauszuholen, und wie groß mittlerweile die Verbundenheit der Spieler untereinander geworden ist.

Die ersten Spiele des neuen Jahres zeigen, dass der Teamgeist noch immer vorhanden ist. Frankreich hat somit gute Voraussetzungen, auch weiterhin erfolgreich zu sein. Die wichtigsten Spieler wie Kylian Mbappé sind zudem noch relativ jung. So ist es nicht ausgeschlossen, dass die Truppe von Deschamps die Erfolge der vergangenen drei Jahre bis hin zum nächsten großen Turnier bestätigen und auch den WM-Titel verteidigen wird.



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